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Schüler melden sich per Petition zu Wort

Den Zeitplan für die schriftlichen Abiprüfungen hatte das Kultusministerium Baden-Württemberg wegen der Corona-Krise bereits vergangenen Freitag geändert. Sie sollten ursprünglich direkt nach den Osterferien stattfinden und laufen jetzt vom 18. bis zum 29. Mai. Der erster Nachtermin ist in der Zeit vom 16. bis 26. Juni. Ein zweiter Nachtermin soll im Juli angeboten werden und bei Bedarf ein Sondertermin ab Mitte September. Die mündlichen Prüfungen finden vom 20. bis 29. Juli statt. Begründet hatte die Kultusministerin Susanne Eisenmann den neuen Terminplan mit der Schließung der Schulen. Dadurch hätten die Prüflinge nach den Osterferien nicht die nötigen Voraussetzungen.

Hessen hat am Montag mit den Abiturprüfungen begonnen. In Rheinland-Pfalz wurden sie bereits geschrieben. Nach Ländern wie Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen hatte Baden-Württemberg den Termin fürs Abi verschoben. Die Regelungen gelten auch für andere Abschlussprüfungen wie Haupt- und Realschulprüfungen. Schleswig-Holstein plante diese Woche als erstes Land, die Abiturprüfungen ganz abzusagen.

Zwei Hamburger Schüler starteten am Montag eine Petition, in der sie eine bundesweite Absage der Abitur-Prüfungen fordern. Gerichtet ist sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher und an alle Kultusminister der Länder. Die Schüler wollen ein sogenanntes Durchschnittsabi, das sich aus 32 von 40 Ergebnissen der vergangenen vier Halbjahre errechnet. Wer sich gerne verbessern würde, sollte eine mündliche Prüfung in einem der vier bereits festgelegten Prüfungsfächer ablegen dürfen. In Deutschland gibt es dieses Jahr rund 350 000 Abiturienten. Davon hatten bis gestern mehr als 100 000 die Petition unterschrieben.

Die Schüler Union Baden-Württemberg dagegen hätte durch einen Wegfall der Abschlussprüfungen Nachteile für die Betroffenen befürchtet. Das beträfe jahrelang den Berufs- und Bildungsweg des gesamten Jahrgangs, auch wenn es um die Anerkennung des Abiturs an ausländischen Hochschulen gehe. Die Prüfungen seien auch in der aktuellen Situation möglich, erklärt Adrian Klant, Abiturient und Landesvorsitzender der Schüler Union Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung. Das ließe sich in den leeren Schulgebäuden mit bestmöglichem Schutz der Gesundheit von Schülern und Lehrern machen. Auf dem Spiel stehe die Zukunft von Tausenden Schülern. „Wir sind verwundert, mit welcher Leichtigkeit und Verantwortungslosigkeit führende Lehrerverbände und Amtsträger von einer fairen Leistungsbewertung Abstand nehmen“, so die Schüler Union vor der Entscheidung. Es sei Aufgabe des Kultusministeriums, eine ordnungsgemäße Leistungsmessung für alle Schüler sicherzustellen. Wer sich trotz erschwerter Bedingungen in der schulfreien Zeit intensiv auf seine Prüfungen vorbereitet hat, könne zu Recht erwarten, dass sie stattfinden. Sollte der Zeitplan nicht eingehalten werden, erwartet die Schüler Union, dass zunächst weitere Lösungen, wie eine erneutes Verschieben, gesucht werden. Auch der Landesschülerbeirat sprach sich gegen die Absage von Abiturprüfungen in Baden-Württemberg aus. ank

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