Kirchheim

Sein Markenzeichen war die Latzhose

Ausstellung Der Künstler Fritz Ernst Nagel war ein echtes Kirchheimer Original. Bis Ende Oktober sind seine eindrucksvollen Werke im ersten Obergeschoss im Kornhaus zu sehen. Von Kai Bauer

Bürgermeister Günter Riemer und Johannes Nagel, Sohn des Künstlers, erinnern sich bei der Eröffnung an den verstorbenen Fritz Er
Bürgermeister Günter Riemer und Johannes Nagel, Sohn des Künstlers, erinnern sich bei der Eröffnung an den verstorbenen Fritz Ernst Nagel. Foto: Markus Brändli

Häufig ist es ein typisches Kleidungsstück, in diesem Fall eine Latzhose, das eine Persönlichkeit erkennbar und leicht ansprechbar macht. Die Kommunikation mit dieser Person steht so im Mittelpunkt ihres Wirkens und macht vieles von dem aus, was man eine „Drehscheibenpersönlichkeit“ nennt. Ein solches Kommunikationstalent war Fritz Ernst Nagel (1921 - 2008), dessen Werke in der Ausstellung „Seine Welt in Farben“ im Obergeschoss des Kornhauses vom Kulturring Kirchheim noch bis zum 22. Oktober gezeigt werden. Die Besucher, von denen viele das gefeierte Kirchheimer Original noch persönlich gekannt hatten, sind zur Eröffnung zahlreich erschienen.

Stellvertreter für eine Generation

Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer sprach die Begrüßungsworte und konnte als heutiger Bewohner des Hauses von Fritz Ernst Nagel einen besonderen Bezug zur Ausstellung herstellen. Rainer Laskowski, langjähriger Leiter des Städtischen Museums im Kornhaus, erinnerte im Anschluss an das bewegte und aktive Leben von Fritz Ernst Nagel, das stellvertretend für eine Generation der Anfang der 1920er-Jahre geborenen Männer steht: Kriegsteilnahme, Gefangenschaft und Einstieg in das Berufsleben über eine handwerkliche Ausbildung sind in dieser Generation immer wieder zu finden, ebenso wie die Auslandstätigkeit für mehrere Unternehmen.

Fritz Ernst Nagel vertrat als Exportleiter für den Bereich Steuer- und Regeltechnik für Osteuropa die Firma Honeywell mit eigenem Büro in Moskau. Dort wurde ihm - nach Auskunft seines Sohnes Johannes Nagel - eines Tages die Geldbörse entwendet. Er entschied sich jedoch nicht für das Tragen eines Brustbeutels, sondern für das Kleidungsstück, das in seinem späteren Lebensabschnitt zu seinem Markenzeichen werden sollte - die Latzhose.

Nach seinem Renteneintritt 1976 konnte er sich endlich seinem bisherigen Hobby, der Malerei, widmen. Als Gründer des Kirchheimer Kunstvereins und ab 1981 als Kurator beim Kulturring Kirchheim erarbeitete er im ersten Obergeschoss des Kornhauses über 50 Ausstellungen mit regionalen und überregionalen Künstlern. Er war dabei auch für jüngere Positionen offen und für solche, die er persönlich für unterschätzt hielt.

Kein ausgebildeter Künstler

Obwohl er selbst kein ausgebildeter Künstler war, entwickelte er als „Späteinsteiger“ ganze Reihen von Landschaften und Blumenbildern, die aus Motiven seiner Heimat und seines geliebten Gartens entstanden. Auch Einflüsse des russischen Konstruktivismus sind in einzelnen abstrakten Kompositionen zu erkennen. Ausstellungen in der Volksbank und zu seinem siebzigsten, fünfundsiebzigsten und achtzigsten Geburtstag im Kornhaus machten seine Bilder in Kirchheim und darüber hinaus bekannt. Erst spät zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

FEN - wie er sich als Künstler nannte - war davor nie ein Einsiedler, sondern seine Bilder dienten als Kommunikationsmittel und machten ihn eben zu der Drehscheibenpersönlichkeit, der das Kirchheimer Kulturleben so viel zu verdanken hat.

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