Kirchheim

Shoppingrun lässt auf sich warten

Handel Die Senkung der Mehrwertsteuer soll die Wirtschaft ankurbeln und die Kunden in die Läden locken. Für die Händler ist die Angelegenheit nicht ganz einfach. Von Elise Czaja

Ob und wie der Kunde von der Senkung der Mehrwertsteuer profitiert, bleibt dem Händler überlassen. Viele reduzieren ihre Waren,
Ob und wie der Kunde von der Senkung der Mehrwertsteuer profitiert, bleibt dem Händler überlassen. Viele reduzieren ihre Waren, bei Sport Räpple beispielsweise wird zudem um Spenden geworben. Foto: Jean-Luc Jacques

Einkaufen und nicht nur bummeln. Das wird von den Bürgern jetzt, nach Überwindung des Corona-Shutdowns erwartet. Um ihre Geldbeutel zu öffnen, hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Seit Juli soll das Konjunkturpaket greifen.

Hilfe können nicht nur die großen Konzerne, sondern vor allem auch die kleineren Geschäfte gebrauchen. Viele Händler in Kirchheim leiden unter dramatischen Gewinneinbußen, in manchen Läden herrscht immer noch Flaute.

Das neue Sommerkleid gibt‘s billiger, auch wenn die Steuerersparnis letztlich wenige Cent ausmacht. „Durch die corona-bedingte Schließung ist viel Ware da, entsprechend wird jetzt reduziert“, sagt Max Bantlin vom gleichnamigen Kirchheimer Modehaus, Sohn des City-Ring-Vorsitzenden Karl-Michael Bantlin. Viele Geschäfte haben beschlossen, die Mehrwertsteuer an ihre Kunden weiterzugeben, damit sie auch etwas davon haben. Das ist aber nicht selbstverständlich. „Die Senkung der Mehrwertsteuer ist auch als Hilfe für Händler gedacht, nicht nur für Kunden“, erläutert Max Bantlin.

Eine einheitliche Regelung der Bundesregierung gibt es nicht. Ladeninhaber und Unternehmer müssen die Steuersenkung also nicht weitergeben. Sie können die Differenz auch behalten - und so versuchen, die Corona-Wunden zu heilen.

Auch der Kirchheimer City Ring hat keine verbindliche Regelung. Die Händler sprechen sich aber ab und bemühen sich um Einheit. Wenn man so durch die Fußgängerzone läuft, locken überall Schnäppchen und Prozente. Ob jeder angebotene Rabatt Steuerrabatt ist, ist aber nicht immer ganz klar. „Die Händler müssen das für sich selbst abwägen“, sagt Max Bantlin. Im seinem Modehaus beispielsweise gebe man die Ersparnis den Kunden mittels ihrer Kundenkartei und darüber verteilte Boni wieder zurück.

Denn momentan ist sowieso vieles reduziert, das liegt an der Jahreszeit, wie Ute Bantlin erläutert. Eine Steigerung des Umsatzes hat sie seit 1. Juli aber nicht bemerkt. Die Kunden kaufen nicht extra mehr, nur weil die Steuer gesenkt wurde. So schnell erholt sich das Einkaufsverhalten offenbar nicht.

Im Kirchheimer Autohaus Schmauder und Rau sieht die Lage ähnlich aus. Zwar werden wieder etwas mehr PKW verkauft, trotzdem sieht Inhaberin Bettina Schmauder kaum einen positiven Effekt durch die Senkung der Mehrwertsteuer. Entscheidend für das Autohaus ist die Werkstatt. An der Hebebühne hält sich der Andrang in Grenzen. „Reparaturen, die sich nicht aufschieben lassen, werden eben gemacht, unabhängig von Steuersenkungen“, sagt Bettina Schmauder. Auch verlangt die Kundschaft nicht mehr zusätzliche Leistungen als normal.

Die Fachfrau kann sich aber vorstellen, dass mancher Auto- besitzer den Werkstattbesuch aufgeschoben hat und nun von den günstigeren Preisen profitieren will. Dadurch erleben Händler und Geschäftsleute allerdings nur eine Gewinnverschiebung und keine Gewinnerhöhung. Auch für das Autohaus ist der Aufwand hoch. Die Systeme müssen umgestellt werden, und das erfordert viel Zeit. Diese Arbeit kommt im Januar erneut auf das Team zu, wenn die Mehrwertsteuer wieder zum gewohnten Wert zurückkehrt. Insgesamt fällt Bettina Schmauders Prognose für das restliche Jahr nüchtern aus. „Das Konjunkturpaket wurde mit heißer Nadel gestrickt!“, meint sie nur.

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