Kirchheim

Sie singen Welthits auf Schwäbisch

Kabarett „Des Duo“ begeistert das Publikum im Ötlinger Gemeindezentrum Peter und Paul mit Wortspielen und lebendiger Alltagssatire. Von Daniela Haußmann

Peter Bogowsky (rechts) und Oliver Arnold (gebückt) signieren nach der Vorstellung ihr Album mit dem Titel „Krautfunding“.Foto:
Peter Bogowsky (rechts) und Oliver Arnold (gebückt) signieren nach der Vorstellung ihr Album mit dem Titel „Krautfunding“. Foto: Daniela Haußmann

Wippende Füße und schnippende Finger - das Ötlinger Gemeindezentrum Peter und Paul bebt von der ersten Kabarettminute an. Pianist Oliver Arnold und Sänger Peter Bogowsky, die gemeinsam als „Des Duo“ auftreten, brauchen keine Requisiten und aufwendigen Kostüme, um alle in ihren Bann zu ziehen. Die beiden Künstler covern Welthits. Das tun viele, aber nicht so. Denn die englischen Liedtexte werden von Arnold und Bogows­ky durch schwäbische ersetzt. Es ist ein Abend, der zeigt, dass sich der regionale Dialekt mit internationalem Pop und Rock hervorragend verbinden lässt. Mal ernsthaft, mal heiter, mal komisch - keines der 18 dargebotenen Stücke ist wie das andere.

Der Witz blitzt vor allem in Wortspielen und lebendiger Alltagssatire auf. Wenn der Tag im Wald zum Albtraum wird, weil sich der Smartphone-Besitzer mangels Netz mit der Welt um sich herum völlig unverbunden fühlt, bleibt beim Zuschauer kein Auge trocken. Subtile Kritik an der Handysucht mit schwäbisch-charmantem Zungenschlag, musikalisch umrahmt mit der Melodie von Barry Manilows Schmusesong „Mandy“, schlägt Brücken ins Publikum. Oliver Arnold und Peter Bogowsky verstehen sich auf den grotesken Humor und die feine Ironie durch die Hintertüre.

Zwei Stunden lang geben die zwei Künstler Gassenhauer und Hits aus den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren zum Besten. Und das mit so vielen Pointen und Albernheiten, dass ihre Zuhörer mit dem Lachen kaum nachkommen. Richtig „cool“ wird es, wenn sich Oliver Arnold die Langhaar-Perücke aufsetzt und das Keytar umhängt. „Fever“ heißt der altbekannte Song, den „Des Duo“ zu „Des koscht mi Nerva“ ummünzt. Ein Stück, das nicht nur fehlende Sitzplätze in der S-Bahn aufs Korn nimmt, sondern auch Szenen aus dem Verkehrskrimi persifliert, der Tag für Tag auf den Straßen läuft.

Die Kabarettisten bringen aber auch Themen auf die Bühne, die bei genauerem Hinhören viel Tiefsinn bieten, beispielsweise dann, wenn die Frage nach ethischem Konsum aufs Tapet gebracht wird. 1973 stürmten die Carpenters mit „Top of the world“ die Charts. Zu den Klängen dieses Hits erklärt „Gschdopfd“ zwischen den Zeilen, wie Lebensmittel im Überfluss gekauft und am Ende im Mülleimer entsorgt werden. Von Zeigefinger-Kabarett ist das, was Oliver Arnold und Peter Bogowsky auf die Bühne bringen, trotzdem weit entfernt. Sie betonen, dass die Inspirationsquelle für ihr abendfüllendes Repertoire alltägliche Situationen, Begegnungen und Erfahrungen sind. Typisch Schwäbisches, wie Maultaschen, Spätzle und Kehrwoche, ist deshalb allenfalls eine Randerscheinung im Programm.

Das trägt im Übrigen den Titel „Krautfunding“. Er stammt aus einer Zeit, in der es die Stücke von „Des Duo“ nur als Demoaufnahmen gab. „Die dürfen zu Promozwecken nicht verkauft werden“, erklärt Oliver Arnold. „Kurzerhand haben wir einfach Filderkraut in Dosen verkauft und die CD als Geschenk dazugelegt. So entstand der Begriff ‚Krautfunding‘.“ Mittlerweile hat „Des Duo“ sein erstes Album mit dem gleichnamigen Titel herausgebracht. Zwischenzeitlich arbeiten Oliver Arnold, der in Wernau wohnt, und der Ötlinger Peter Bogowsky an einem neuen Programm. Das aktuelle Repertoire jedenfalls sorgt bei den rund 70 Besuchern für Begeisterung.

Die von der Evangelischen Kirchengemeinde und der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Ötlingen initiierte Veranstaltung ist ein echtes Highlight. Für Martina von Jan beweist so ein Abend, dass „man nicht nach Stuttgart gehen muss, um ein außergewöhnliches Kulturangebot zu genießen“. Ähnlich sieht es Songard Dohrn: „Coversongs mit schwäbischen Texten - das ist ein unterhaltsames Erlebnis für die ganze Familie.“ Dass die Künstler zwischen den Programmpunkten mit dem Publikum den Dialog suchen, findet die Ötlingerin toll. „Man ist so Teil der Show“, bilanziert sie. Der Erlös des Kabarettabends fließt in die Kinder- und Jugendarbeit der beiden Kirchengemeinden.

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