Kirchheim

Stadt vergibt Grundstücke nach Konzept

Steingau-Quartier 16 Anliegerprojekte für die Neubebauung des einstigen EZA-Areals haben jetzt den Zuschlag erhalten. Ihre Bauflächen sind reserviert. Von Andreas Volz

Noch gleicht das frühere EZA-Gelände einer Mondlandschaft. Planerisch ist die Stadt Kirchheim aber schon viel weiter: Sie hat di
Noch gleicht das frühere EZA-Gelände einer Mondlandschaft. Planerisch ist die Stadt Kirchheim aber schon viel weiter: Sie hat die ersten 16 Bauplätze für Anliegerprojekte reserviert.Foto: Carsten Riedl

Das Kirchheimer Steingau-Quartier nimmt Gestalt an, zumindest planerisch: Für drei Baufelder hat der Gemeinderat 16 Anliegerprojekten den Zuschlag erteilt. Die dazugehörigen Grundstücke werden vorerst aber nicht verkauft, sondern reserviert. Was Rat und Verwaltung als überwältigenden Erfolg einstufen, ist die Zahl der Bewerbungen. Aus 32 Projekten konnte die Vergabekommission auswählen. Das heißt also, dass die Hälfte der Bewerbungen nicht berücksichtigt werden konnte - nicht nur zum Leidwesen der Bauherren, sondern auch der Kommission.

Der Tübinger Architekt Thomas Gauggel, der als Vorprüfer beteiligt war, meint dazu: „Es konnten nicht alle sehr, sehr guten Projekte berücksichtigt werden. Die wollen wir ermutigen, sich noch einmal zu bewerben.“ Immerhin gibt es noch eine zweite Vergabephase für die übrigen Baufelder, mit vergleichbaren Proportionen.

Unter den 16 Anlieger-Bauherren, die jetzt den Zuschlag erhalten haben, befinden sich sieben Investoren oder Bauträger, sieben Baugemeinschaften sowie zwei Einzelbewerber. Hinzu kommen die Hochbauten der Ankernutzer, die in den jeweiligen Baufeldern auch die Tiefgaragen erstellen.

Vergabekriterien waren unter anderem die Frage, wie das jeweilige Projekt zur Tiefgaragen-Konzeption passt. Aber auch die Einzelkonzepte wurden hinterfragt, wie Thomas Gauggel ausführt: „Da ging es nicht nur um die Frage, was das Projekt dem Steingau-Quartier bringt, sondern auch um die Frage, was es der Stadtgesellschaft insgesamt bringt.“ Letzteres sollten wohl auch gewisse Projektnamen betonen - wie zum Beispiel „Lebensreich“, „Haus für Generationen“ oder „Werkstadt“.

Besonders nett ist der Name, den einer der beiden Einzelbauherren seinem Konzept gegeben hat: Beim „Lückenbüßer“ ist der Name Programm, weil er - im Gegensatz zu den weitaus größeren Projekten der Investoren und Baugemeinschaften - im Baufeld eben nur eine vergleichsweise bescheidene Lücke füllt.

Aber auch durch etliche der 90 geplanten neuen Mietwohnungen sollen schmerzliche Lücken gefüllt werden: die Lücken, die beim preisgünstigen Wohnen in der Stadt klaffen. 21 der neuen Mietwohnungen im Quartier können nach dem Landeswohnraumprogramm gefördert werden, für 36 weitere gilt die Kirchheimer Sozialbauverpflichtung.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zeigt sich von diesem Ergebnis besonders beeindruckt: „21 Wohnungen, die ohne Verpflichtung zu einem günstigeren Preis vermietet werden - das wir das durch die Konzeptvergabe erreichen werden, hätten wir uns nie träumen lassen.“

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Sabine Bur am Orde-Käß, ist begeistert davon, wie gut das Konzept der Konzeptvergabe aufgegangen zu sein scheint: „Vor 14 Jahren haben wir uns schon in Tübingen umgeschaut. Damals hieß es, dass es in Kirchheim gar kein Potenzial für so etwa gibt. Jetzt sind wir überwältigt von den vielen tollen Projekten und Ideen.“ Nie hätte sie damit gerechnet, dass es für die ersten drei Baufelder doppelt so viele Bewerbungen gibt, wie berücksichtigt werden können. Auch sie lobt die hohe Qualität vieler der Projekte, die jetzt noch nicht zum Zuge kommen konnten.

Höhere Qualität als in Tübingen

Das höchste Lob dieser Art kommt aus ganz berufenen Kreisen, nämlich direkt aus Tübingen. Thomas Gauggel sagt: „Die Qualität der Projekte für das Kirchheimer Steingau-Quartier ist vielfach vergleichbar und teilweise sogar höher als die Qualität von Projekten in Tübingen.“ Der erwünschte Wettbewerb der Ideen habe somit durchaus stattgefunden.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass nicht jeder von Anfang an begeistert davon war, die Baugrundstücke nach dem Prinzip der Konzeptvergabe zu verteilen. Für die Freien Wähler im Gemeinderat erinnert Bettina Schmauder an große Vorbehalte, die lange Zeit gegenüber dieser Vorgehensweise geherrscht hatten, ob sich die hochgesteckten Ziele überhaupt erreichen lassen. Inzwischen ist auch sie voll und ganz überzeugt. „Heute zeigt sich: Ja, die Ziele sind erreicht.“ Das scheint die einhellige Meinung des gesamten Gremiums zu sein: Sämtliche Vergaben sind einstimmig erfolgt.

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