Kirchheim

Ständchen singen zur Schnapszahl

Konzert Mit einer „Schubertiade“ im alten Stil feiern Kirchheimer Musiker in der Aula der Alleenschule in Kirchheim den 222. Geburtstag des Komponisten Franz Schubert. Von Ulrich Kernen

Die „Lauter Sänger“ bei der „Schubertiade: Im Zuschauerraum hätte man eine Stecknadel fallen hören.Foto: Carsten Riedl
Die „Lauter Sänger“ bei der „Schubertiade: Im Zuschauerraum hätte man eine Stecknadel fallen hören.Foto: Carsten Riedl

Es war eine musikalische Zeitreise, die „Schubertiade“, die gleichzeitig einem guten Zweck diente: der Unterstützung der Vesperkirche. Schöne Musik machen und dabei Gutes tun: Das ist eine wundervolle Verbindung!

Bertram Schattel fungierte als Moderator. Seine Idee, fiktiv mit „Franz“ Kontakt aufzunehmen, war bestechend, ließ sich aber nicht bis zum Schluss durchhalten. Jedenfalls erfuhr man einiges über Schubert und sein Umfeld. Ein Manko war jedoch, dass die Zuhörer kein Programm in Händen hatten und deshalb meist nicht wussten: Wer musiziert da und: Was sind das für Stücke?

Zur Eröffnung erklang die Ouvertüre c-Moll des jungen Schubert. Das Orchester begann vorsichtig, nahm aber im schnellen Teil Fahrt auf und spielte dann freier und kontrastreicher. So entwickelte sich leidenschaftlicher Schwung, der zum nächsten Stück überleitete: zwei Chorsätze der „Lauter Sänger“ unter der Leitung von Bertram Schattel.

Ein Auswahl-Quartett machte sich zunächst an das heikle Lied „Die Nacht“ und bemühte sich um saubere Intonation und homogenen Klang. Aus einem Guss war dann das „Ständchen“, in größerer Besetzung und mit animierender Klavierbegleitung. Der junge Pianist Daniel Renz hatte anschließend das dritte Stück aus den „Moments musicaux“ ausgesucht, das er sicher, präzise und mit eher zurückhaltendem Tempo präsentierte.

Damit bereitete er dem Hauptteil des Konzerts den Raum: Sänger Matthias Baur hatte sich zehn Lieder aus dem Zyklus „Die Winterreise“ vorgenommen, einem zentralen Werk im Schaffen Schuberts. Christina Seitz begleitete am Klavier sehr rücksichtsvoll und überaus einfühlsam. Hier und da hätte sie mehr Initiative ergreifen dürfen, zumal Matthias Baur über eine recht tragfähige Baritonstimme verfügt. Bei einer Auswahl bleibt es natürlich nicht aus, dass Lieder nebeneinander stehen, die nicht passen; vielleicht ist man aber auch einfach nur an das Original gewöhnt. Der Solist traf den emotionalen Gehalt der Lieder immer wieder, sodass das ergriffene Publikum sogar den Zwischenbeifall vergaß: „Gefrorene Tränen“, Die Krähe“ und „Der Leiermann“ - da hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Den „Tränen“ setzten Emil Steiff und Bertram Schattel am Klavier den Militärmarsch entgegen, schwungvoll, optimistisch und mit ganz unmilitärischem Charme. Erfreulich war das souveräne und sichtlich lustvolle Spiel des jungen Pianisten. Die zweite Einlage steuerten die „Lauter Sänger“ bei: „Im Gegenwärtigen Vergangenes“. Das Klavier schuf die Atmosphäre, der Chor griff sie auf und setzte sich immer wieder gegen die oft zu dominante Stimme eines Solisten durch.

Schließlich setzte das Kammerorchester mit einigen herzhaft angepackten Tänzchen den Schlusspunkt unter ein gelungenes Konzert von Freunden für Freunde - und für einen guten Zweck.

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