Kirchheim

Stimmungsvoll - ganz ohne Klischees

Konzert Paul Lawall, seine Band und zwei Überraschungsgäste zeigen im Kirchheimer Club Bastion, dass sie einiges draufhaben. In ihrer Musik ist der Blues immer spürbar. Von Bernhard Fischer

Musiker, die sich perfekt ergänzen: Alex Schulz, Paul Lawall und Mike Walter (von links).Foto: Mirko Lehnen
Musiker, die sich perfekt ergänzen: Alex Schulz, Paul Lawall und Mike Walter (von links).Foto: Mirko Lehnen

Er gilt als lokaler Musiker und hat vor Kurzem seine erste eigene CD veröffentlicht, doch was Paul Lawall und seine Band am Samstag auf die Bühne des Kirchheimer Clubs Bastion zauberten, war erste Sahne. Neben der Stammbesetzung mit Michael Aures am Schlagzeug und Mike Walter am Bass brachte er noch Hartmut Zeller an den Keybords und - wie von Insidern erhofft - auch Alex Schulz als zweiten Gitarristen mit. „Mit dieser Band will ich die Musik machen, die mir am Herzen liegt“, so Lawall. Es ist Musik, deren Quelle im Blues liegt, in der der Blues immer spürbar ist. Dabei will Lawall die enorme Vielfalt dieser Musik genießen und die Zuhörer genießen lassen. Viele der Titel stammen von Paul Lawall selbst. Andere sind selten gehörte Kleinode der amerikanischen Musik von den 30er-Jahren bis zur Gegenwart.

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Aus eigener Erfahrung kennt Lawall die Sorgen seiner Zuhörer. „Wenn wir euch erzählen, wie schlecht es uns geht, geht’s euch schon besser“, lautete eine der launigen Ansagen des Sängers. Er will mit seinen Songs den Zuhörern Ängste abnehmen und Mut machen, die Sorgen vertreiben, auch wenn man seine Bürde zu tragen hat. „Auch wenn dich keiner mag, kannst du immer noch dich selbst lieben“, so verkürzt der Refrain eines Songs, von Lawall eindrucksvoll dargeboten. „Mach‘s einfach, hör auf zu zaudern“ ist eine weitere Musik gewordene Botschaft von Lawall. Einer der ältesten eigenen Eigenkompositionen ist das trotzige Lied vom glücklichen Verlierer, vom „Lucky Looser“: Man muss nicht immer gewinnen und kann trotzdem gut damit leben.

Die Band beginnt mit dem jazzig beeinflussten „Black Friday“, druckvoll, harmonisch und durchsichtig von der ersten Minute an. Wunderbar leicht, flüssig und einfallsreich ergänzen sich die Gitarren von Lawall und Alex Schulz, übernehmen im Wechsel Rhythmusarbeit und Solospiel. Michael Aures am Schlagzeug und Mike Walter an der fünfsaitigen Bassgitarre schaffen zurückhaltend immer das passende Fundament. Erstaunlich harmonisch bringt sich der zum ersten Mal mitwirkende Hartmut Zeller an den Tasteninstrumenten ein. Die musikalische Qualität wird verständlich, wenn man weiß, dass die Musiker über eine fundierte Ausbildung verfügen und über jahrelange Bühnenerfahrungen in verschiedenen Bands verfügen. Äußerst vielfältig sind die einzelnen Stücke ausgewählt. Mal sind eher jazzige Einflüsse spürbar, dann eher Südstaatenrock, Folk, Soul, Funk, Countryblues.

Nach der Pause beginnt Lawall solo mit dem Titel „Ditty-wah-ditty“, aus den 1930er-Jahren, authentisch begleitet auf der ragtime-artig gezupften akustischen Gitarre. „I will never do you wrong“ von Joe Tex aus den 60er-Jahren verbindet Gospelanklänge mit Soul und Blues. Mehrere Stücke stammen von Keb Mo, einem der renommiertesten Gitarristen und Sänger der Gegenwart, der die Blues-Tradition belebt und erneuert.