Kirchheim

Umweltfreundlich mit der Familie durch die Stadt getourt

Spezialrädertag mit 60 modernen und historischen Exponaten lockt zahlreiche Besucher auf den Kirchheimer Schlossplatz

Sportlich, vielseitig und den Bedürfnissen angepasst – der Kirchheimer Spezialrädertag zeigte am Samstag Trends rund um die urbane Radkultur.

Begleitet von begeisterten Blicken rollt beim Spezialrädertag ein Fahrradbus ganz emissionsfrei durch die Kirchheimer Innenstadt
Begleitet von begeisterten Blicken rollt beim Spezialrädertag ein Fahrradbus ganz emissionsfrei durch die Kirchheimer Innenstadt.Foto: Daniela Haußmann

Kirchheim. Laut Statistik werden in Kirchheim jährlich etwa 79 Millionen Kilometer zurückgelegt, so der städtische Klimaschutzbeauftragte Sascha Mohnke. 2009 wurden in Kirchheim rund 348 000 Tonnen CO2 ausgestoßen, an denen der Verkehr einen Anteil von 35 Prozent hatte. Jeder Bürger hat damit zwischen neun und zehn Tonnen des Treibhausgases produziert. Deutschlandweit beläuft sich der Pro-Kopf-Anteil bei den CO2-Emissionen auf rund 10,6 Tonnen. Damit liegt die Fachwerkstadt zwar unter dem Bundesdurchschnitt, dennoch lassen sich Verkehrsaufkommen und Emissionen nach Ansicht von Sascha Mohnke weiter reduzieren, wenn mehr Menschen im Alltag Rad fahren.

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„Das höchste Ziel ist erreicht, wenn das Pedelec eine Autofahrt ersetzt“, betonte Siegfried Hauff, der Vertreter der Kirchheimer ­Agenda 21-Gruppe Initiative FahrRad. Unter Umweltschutzgesichtspunkten sei nichts gewonnen, wenn das Pedelec einzig zur Verbesserung der Streckenbilanz beim Feierabendsport genutzt werde. Wünschenswert ist deshalb, dass Pendler den Weg ins Büro oder Bürger ihre Einkäufe genauso mit dem Pedelec bewältigen wie den Ausflug in die Stadt.

Dass sich die Fahrt zum Supermarkt trotz schwerer Getränkekisten mit dem Tritt in die Pedale bewältigen lässt, zeigten bei der Ausstellung mit drei Rädern und Elektronik ausgerüstete Lastenräder mit viel Stauraum. Die gibt es in verschiedenen Varianten. „Ausgestattet mit einer Auffahrrampe können sogar Personen im Rollstuhl oder Hunde mitfahren“, erzählte Kurt Jansen von der Firma PedelecAgent. Auf Sitzbänken lassen sich Kinder mitnehmen und anschnallen. So lässt sich ein Ausflug in die Stadt oder an den Badesee bequem ohne Auto gestalten. Die gerade zu Stoßzeiten lästige und teilweise auch stressige Parkplatzsuche und die Fahrt im Stau entfallen. „Es ist eine gesellige, sichere und umweltfreundliche Möglichkeit, um mit der ganzen Familie auf Tour zu gehen – das gilt auch für weitere Strecken“, so der Herstellervertreter.

Jürgen Merks vom BUND Regionalverband Stuttgart präsentierte Fahrradanhänger, die sich für Touren, Radreisen oder den Einkauf eignen. „Studien zeigen, dass 70 bis 90 Prozent aller Einkäufe unter fünf Kilo wiegen und damit problemlos auf den Anhänger passen“, sagte Merks. Am Autokofferraum hängen dagegen 1,5 Tonnen Blech und Kunststoff, ganz zu schweigen vom Motor, der mühelos ein Mehrfamilienhaus mit Strom und Wärme versorgen kann. Ein Einkauf, der aus Bioprodukten, regional und saisonal erzeugten Nahrungsmitteln besteht, büßt deshalb in seiner Ökobilanz ein, wenn die Tasche im Pkw heimkutschiert wird. Laut BUND legt ein Endverbraucher in Deutschland im Schnitt mit dem Auto jährlich 2 600 Kilometer nur für Einkaufsfahrten zurück. Wird das in einen CO2-Fußabdruck umgerechnet, schlagen dem BUND zufolge für jeden Kilometer Einkaufsfahrt pro Kilogramm Einkaufsgewicht 280 Gramm Kohlendioxid zu Buche.

Unter den 60 Exponaten befanden sich auch Elektrodreiräder des Esslinger Dreirad-Zentrums, mit denen auch Menschen mit Gleichgewichtsstörungen oder anderen besonderen Anforderungen bis ins hohe Alter Spaß am Radeln haben können, wie Philipp Morio vom Institut für Organisationskommunikation (IFOK) erklärte. Aber auch Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Selbstständigen bot der Tag Infos rund um das Thema E-Bike Leasing, bei dem die Ein-Prozent-Regelung für Firmenwagen gilt. „Damit können Unternehmen ihren Mitarbeitern Fahrräder bereitstellen und gleichzeitig auch etwas für das betriebliche Gesundheitsmanagement tun“, sagte Morio.

Ökologische, soziale und transportbezogene Vorteile vereinte am Spezialrädertag der Fahrradbus in sich, der von einem Wernauer Tüftlerteam entwickelt wurde. Viele Besucher nutzten die Chance, mit dem modular aufgebauten Fahrzeug unter Einsatz ihrer Muskelkraft gemütlich und entspannt durch die Innenstadt zu radeln, ohne Lärm- und Abgasemissionen zu erzeugen. Ein Konzept, das die Aufmerksamkeit vieler Passanten genauso erregte wie die historischen Fahrräder, die auf dem Schlossplatz von der historischen Gruppe des Radsportvereins Wendlingen präsentiert wurden.