Kirchheim

Viel mehr als „nur“ ein Wanderverein

Landesfest Musik, Tanz und Spiele für Erwachsene und Kinder zeigten am Wochenende die Vielfalt des größten Wandervereins in Europa. Ein kunterbuntes Wochenende in der Kirchheimer Innenstadt. Von Andrea Barner

Martinskirchplatz, mittags um 12, die Sonne lacht. Es ist warm, aber nicht heiß, gelegentlich weht ein angenehmes Lüftlein. Rucksack ist offenbar „Pflicht“ bei den Besuchern, jedenfalls trägt fast jeder der zahllosen Wanderer und Schlenderer einen. Viele haben das leuchtend orangefarbige „Landesfest“-T-Shirt an, ansonsten tragen die Mitglieder der Ortsgruppen Team-T-Shirts in mint, leuchtendblau, giftgrün oder auch weinrot. Ein buntes Bild. In der Innenstadt „wuselt‘s“ am Samstag und Sonntag, die Besucher sind in Feierlaune und genießen das Programm, das der Schwäbische Albverein aus Anlass seines diesjährigen Landesfests aufbietet. Erich Haas, Leiter des Gastgeber-Gaus Teck-Neuffen, spricht von einem „Schaufenster für den Albverein“. Dafür haben er und seine Mitstreiter alle Register gezogen.

Bühnenshow mit Livemusik

Bühne frei am Markt- und Martinskirchplatz. Am gesamten Wochenende treten hier kurz getaktet Tanzgruppen aus dem ganzen Land auf. Volkstänze in traditionellen Trachten führen sie auf, auch viele junge Leute sind dabei. Begeisterten Beifall gibt’s für die „Akro-Kids“ aus Schlierbach, die mit Sportakrobatik verblüffen. Die Ortsgruppe Unterensingen schickt eine flotte Hip-Hop-Gruppe auf die Bühne. Bemerkenswert: Am Samstag tanzen einige Trachtengruppen in voller Montur direkt auf dem Pflaster vor dem Rathaus. Ein schweißtreibender Job, die Passanten applaudieren.

Auch am Kornhaus spielen Musikanten auf. Abends geht’s auf dem Marktplatz rund mit Irish-Folk-Rock-Pop von „Wendrsonn“ aus dem Remstal. Und der Schwäbische Albverein lädt parallel dazu zum „Danzfäschd“ auf den Martinskirchplatz mit den Gruppen „Grad wäga Holz gut“ und „Danzbändel“. Alle Bierbänke sind vollbesetzt, die Stimmung ist super.

Wandern rund um die Teckstadt

Kirchheim gilt als idealer Ausgangsort für Ausflüge. Zu insgesamt 16 Wanderungen am Festwochenende melden sich mehr Leute an als erwartet. Das vom Albverein gesetzte Limit von 30 Personen wird oft deutlich überschritten, aber alle dürfen mit. Die Gruppen wandern entlang von Lindach und Lauter oder zu den Bürgerseen. Es geht durch Obstbaumwiesen, am Fuße der Alb entlang oder hinauf auf die Höhen, zum Beispiel zum Breitenstein, Reußenstein oder ans Randecker Maar. Natürlich ist die Teck ein immer wieder erstrebenswertes Ziel. Die Burg gehört übrigens dem Schwäbischen Albverein samt Wanderheim und Aussichtsturm. Je nach Kondition sind die Touren leichter oder schwerer zu bewältigen, bei einigen können auch Familien mit Kindern oder Menschen mit Handicap mitlaufen.

Info-Stände und Kinderprogramm

Der Schwäbische Albverein hat seine Keimzelle in Kirchheim, gegründet wurde er vor 130 Jahren in Plochingen. Er hat aktuell 100 000 Mitglieder zwischen Bodensee und Main und ist viel mehr als „nur“ ein Wanderverein. Ein Heer von Ehrenamtlichen kümmert sich um Naturschutz und Landschaftspflege, Wartung von Wanderwegen, Beschilderungen und Übernachtungsmöglichkeiten, um mal die wichtigsten Aktivitäten aufzuzählen. Besonders beliebt bei Familien, Kindern und Jugendlichen sind Ferienfreizeiten und andere Gruppenerlebnisse. Das sportliche Angebot ist riesig und reicht von Gesundheitswanderungen über Hip-Hop bis Zumba. Zahlreiche Infostände zwischen Stadtbücherei und Rathaus zeugen einerseits von der Vielfalt des Angebots. Andererseits auch vom engagierten und fröhlichen Umgang mit Menschen, vor allem auch Jugendlichen und Kindern. Die haben großen Spaß beim Landesfest mit vielen Spielen und Naturbasteleien oder beim Selberbacken von einfachen Dingen, die frühere Generationen schon liebten wie Pfannküchle oder Stockbrot.

Fröhliche Menschen fast jeden Alters, sie kommen aus Kirchheim und Umgebung, aber auch in ganzen Gruppen von weiter her. An jeder Ecke ist was los, zwei Tage lang. Genau so hat es sich der Teck-Neuffen-Gau des Schwäbischen Albvereins vorgestellt, als er vor zwei Jahren mit den Vorbereitungen des Fests begann. „Da steckt eine Menge Arbeit drin“ bestätigt nicht nur der Gau-Vorsitzende Erich Haas, sondern auch der Präsident des Landesverbands Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß. Monatelang haben die Ortsverbände organisiert und gestaltet, mit dem Ordnungsamt und dem Stadtmarketing zusammengearbeitet und letztlich zahlungskräftige Sponsoren aufgetan. Allein am Festwochenende wirken mindestens eintausend Ehrenamtliche mit - auf der Bühne und an den Ständen, beim Aufbau und beim Service, im Rampenlicht und fast unbemerkt im Hintergrund.

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