Coronavirus

„Vom Abstrich auf die Party“

Pandemie Die Bilanz der Corona-Abstrichzentren wirft Licht und Schatten: 500 Abstriche sind pro Tag gemacht worden. Die Sorglosigkeit der getesteten Personen sorgt jedoch für Frust bei den Helfern.

Beim Abstrich-Zentrum in Nürtingen stauten sich die Fahrzeuge.Foto: Markus Brändli
Beim Abstrich-Zentrum in Nürtingen stauten sich die Fahrzeuge.Foto: Markus Brändli

Zufrieden zeigte sich der Bezirksgeschäftsführer der Malteser, Marc Lippe, mit der Leistungsfähigkeit der von der Hilfsorganisation koordinierten zwei Corona-Abstrichzentren (CAZ). „Ich hätte nie gedacht, dass wir im Schnitt jeden Tag über 500 Abstriche nehmen können; vor Beginn schätzte ich den Bedarf auf rund 100.“

1400 Abstriche entnahmen in den ersten drei Tagen das medi-zinische Personal der Filderklinik, des Klinikums Esslingen und der Medius-Kliniken des Kreises. Am vierten Tag wechselten sich niedergelassene Ärzte mit der Filderklinik an den Drive-in-Stationen ab und entnahmen über 600 Abstriche. „Ich danke allen, den niedergelassenen Ärzten genauso wie den Kliniken und den Maltesern, die sich in den letzten Tagen mit großem Engagement an den CAZ eingebracht haben“, resümiert Landrat Heinz Eininger. „Mit über 2000 Abstrichen in vier Tagen schafften wir ein Stück Sicherheit für unsere Gesellschaft. Die Notwendigkeit der Einrichtung zeigt die Identifizierung von 41 positiven Fällen in den ersten drei Tagen“, fügte er hinzu.

Obwohl die CAZ gut laufen, sind die mit großem Einsatz arbeitenden Kräfte der Malteser teilweise frustriert. Der Frust entsteht meistens dann, wenn anschließend der Anruf beim Patienten erfolgt und der sich riskant verhält. Denn nach dem Abstrich sind die betroffenen Personen verpflichtet, zu Hause zu bleiben. Deshalb erstaunt es die Mitarbeiter der Malteser, wenn sie feststellen müssen, dass ein Anruf im Lebensmittelladen, im Spieleland oder unterwegs im Zug entgegengenommen wird.

„Wenn wir die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen wollen, müssen alle, die einen begründeten Verdacht auf Ansteckung haben, zu Hause bleiben bis die Ergebnisse vorliegen. Es ist in höchstem Maße unverantwortlich, wenn Menschen während dieser Wartezeit oder auch während der Quarantäne unter Leute gehen“, so Eininger. Vom Abstrich auf die Party, das passe nicht zusammen. Jetzt seien Geduld und Rücksicht von allen gefragt.

Das Landratsamt weist noch einmal darauf hin, dass es für alle Einwohner aus dem Kreisgebiet die Möglichkeit gibt, einen Abstrich bei den CAZ nehmen zu lassen. Vorfahren dürfen Patienten nach einer telefonischen Diagnose vom Hausarzt oder vom ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 11 61 17 oder vom Gesundheitsamt. Von diesen Stellen bekommen sie einen Code, der zur Vorfahrt berechtigt, wenn eins der folgenden Kriterien erfüllt ist: Einwohner aus dem Landkreis Esslingen oder Personen, deren Hausarzt sich im Landkreis befindet, Personen, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben und Krankheitszeichen der Atemwege oder Fieber aufzeigen, sowie Einwohner, die unabhängig von einer Reise einen persönlichen Kontakt zu einer infizierten Person hatten. pm

Info Die CAZ befinden sich in Nürtingen-Oberensingen auf dem Festplatz an der B 313 und auf dem Parkplatz P 27 bei der Messe Stuttgart in Leinfelden-Echterdingen und werden vom Malteser Hilfsdienst koordiniert. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr. Wer nicht mit Auto kommen kann, meldet sich beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 11 61 17.

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