Kirchheim

Von A bis Z wird im Rauner repariert

Ehrenamtspreis Das Kirchheimer Repair Café bietet gegen eine kleine Spende wertvolle Dienstleistungen an: Ob Anorak oder Zitronenpresse – was defekt ist, wird nach Möglichkeit wieder gängig gemacht. Von Andreas Volz

Elektronikgeräte oder Schmuck - im Repair Café im Rauner wird alles wieder gerichtet.Fotos: pr
Elektronikgeräte oder Schmuck - im Repair Café im Rauner wird alles wieder gerichtet. Fotos: pr

Nachhaltig kann vieles sein: Aber auch beim besten Gerät kann es passieren, dass es irgendwann den Betrieb einstellt. Oft liegt es nur an einer Kleinigkeit. Aber wer ist in der Lage, den Fehler zu erkennen und anschließend zu beheben? Eine Gruppe von rund 25 Menschen aus Kirchheim: Sie betreiben einmal im Monat das Repair Café im Rauner.

Peter Bös und Klaus Fernow berichten aus dem Alltag des Repair Cafés: „Wir reparieren so ziemlich alles. Bei der Mehrzahl handelt es sich um Unterhaltungs­elektronik oder elektrisch betriebene Haushaltsgeräte.“ Jeder im Team hat seine speziellen Kenntnisse und sucht sich die „Reparaturaufträge“ entsprechend aus. „Einen Stuhl leimen kann vermutlich jeder von uns“, sagt Klaus Fernow. Zur Bandbreite der Reparaturen hat er passende Beispiele parat: „Das reicht von A wie Anorak bis Z wie Zitronenpresse.“ Begeisterte Näherinnen gehören ebenso zum Team wie begeisterte Bastler.

„Zwei Damen kümmern sich um Modeschmuck“, erklärt Peter Bös. „Die fädeln Ketten neu oder löten Verschlüsse wieder an.“ Andere kümmern sich um Kaffee und Kuchen, denn außer dem „Repair“ im Namen ist auch das „Café“ Programm. Alles ist zunächst einmal kostenlos - außer Ersatzmaterial. Normalerweise bedanken sich die „Kunden“ mit einer kleine Spende für die Reparatur, für den Kaffee oder für den Kuchen. Zum Personal gehören auch Empfangsmitarbeiter, die an der Eingangstheke die Reparaturwünsche sammeln und weiterleiten. Nicht alles lässt sich vor Ort erledigen. Das hängt auch davon ab, ob die Geräte leicht zu transportieren sind.

Seife ist ein wunderbares Mittel

„Wir machen keine Näharbeiten. Was es aber gibt, ist eine Beratung, wie man einen Reißverschluss selbst austauschen kann“, schildert Peter Bös eine Situation, wie sie jeden letzten Samstag im Monat im Café vorkommen kann. Wenn Reißverschlüsse klemmen, raten die Repair-Café-Mitarbeiter übrigens zu Seife: „Das ist ein wunderbares Mittel, um einen Reißverschluss wieder gängig zu machen. Es hilft aber auch, wenn eine Holzschublade klemmt.“

Die Idee des Repair Cafés ist gleich in doppelter Hinsicht der Nachhaltigkeit verbunden. Einerseits geht es darum, etwas nicht gleich wegzuwerfen, was eigentlich noch funktionstüchtig sein könnte. Andererseits geht es darum, die Eigentümer an der Reparatur zu beteiligen und sie für Handlangerdienste einzusetzen.

Das funktioniert natürlich nicht bei allen Geräten. Schließlich sind die Reparateure meistens vom Fach. Klaus Fernow etwa berichtet von Elektrogeräten: „Da muss man die Schaltung mehr oder weniger im Kopf haben, wenn man den Fehler finden will. Da bringt die Lupe nichts. Man braucht Messgeräte als Hilfsmittel.“ Damit ist Otto Normalverbraucher auf jeden Fall überfordert. Trotzdem leuchtet Klaus Fernows Schlussfolgerung ein: „Die Fehlersuche ist das Problem. Wenn man den Fehler hat, ist das auch schnell repariert.“

Bei Staubsaugern beispielsweise braucht es Spezialschraubendreher mit 40 bis 50 Zentimetern Länge, weil man anders gar nicht an die Schrauben rankommt. Oft ist es schon schwierig, überhaupt erst die richtige Schraube zu finden. Hat man dann aber den Fehler ausgemacht, geht es vielleicht nur noch darum, defekte Kondensatoren auszutauschen. Peter Bös über das Beispiel einer Heimorgel: „Danach hat die wieder einwandfrei funktioniert - obwohl man dem Besitzer zuvor geraten hatte, eine neue zu kaufen.“ Das kann auch für Smartphones gelten: Im Repair Café werden auch Displays oder Akkus ausgetauscht - wenn man das Ersatzteil mitbringt.

Bei manchen Geräten bekommen die Reparateure leuchtende Augen - bei einem Röhrenradio oder bei einem Grammophon: „Oft sind das ja Schätze, die in Euro gar nicht aufzuwiegen sind. Da hängen wertvolle Erinnerungen dran.“

Drei Wünsche hat das Team des Repair Cafés: „Wir brauchen immer wieder neue Mitarbeiter. Und wir hätten gerne, dass uns das Landratsamt die Möglichkeit einräumt, aus Geräten, die auf dem Recyclinghof abgegeben werden, Ersatzteile auszubauen.“ Ansons­ten wünschen sich die „Caféler“, dass es nach der Corona-Pause am 26. September wieder weitergeht.

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