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Von den US-Stränden bis in die olympische Familie

Wer denkt, dass Beachvolleyball eine hippe, neuzeitliche Sportart ist, wird beim Blick in die Geschichtsbücher enttäuscht: Zwar wurde zunächst 1896 das klassische Volleyballspiel vom US-Amerikaner William G. Morgan erfunden. Doch bereits knapp 20 Jahre später wurde das erste Beachvolleyball-Match notiert.

Die Sandvariante der noch neuen Sportart schwappte schnell von den Stränden Kontinentalamerikas und Hawaiis herüber und verbreitete sich schnell in den Vereinigten Staaten.

Nach Europa gelangte Beachvolleyball um 1930 und erfreute sich interessanterweise zunächst im Osten großer Beliebtheit. Bulgarien, Lettland und die Tschechoslowakei waren die ersten Hochburgen. Kurz darauf verhalf die damalige Nudistenhochburg Franconville vor den Toren von Paris der Sportart zur Ausbreitung in Westeuropa. Dennoch dauerte es bis 1996, ehe Beachvolleyball in Atlanta erstmals offiziell olympisch wurde.

In Deutschland gelang der Durchbruch spätestens nach den Olympiasiegen von Julius Brink und Jonas Reckermann 2012 in London sowie Laura Ludwig und Kira Walkenhorst vier Jahre später bei den Spielen in Rio de Janeiro.

Nicht nur die Anzahl der Spieler unterscheidet die Sandvariante vom klassischen Volleyball. „Die Taktik ist komplett anders und wir spielen mit deutlich mehr Technik“, klärt Daniel Bauer auf. Das manifestiert sich auch über die Vielzahl englischer Fachbegriffe der speziellen Beachvolleyball-Techniken für das sogenannte untere Zuspiel - also der landläufige „Bagger“ - und das obere Zuspiel („pritschen“). Von Cutshot, Lineshot oder Pokeshot ist dann die Rede. Oder von so fantasievollen Bezeichnungen wie Beachdig, Tomahawk oder Chickenwing.

Bei aller Coolness der Sportart wird aber auf politische Korrektheit wert gelegt: die Bekleidungsvorschrift, nach der Frauen ausschließlich im Bikini spielen dürfen, wurde im Zuge der Sexismus-Debatte 2012 geändert. Heute dürfen Männlein wie Weiblein in Shorts und Shirts auf Punktejagd gehen. wai

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