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„Vorsorgliche Maßnahmen“

Dr. Albrecht Wiedenmann
Dr. Albrecht Wiedenmann

Interview Dr. Albrecht Wiedenmann, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz im Gesundheitsamt Esslingen, spricht über Risiken und Maßnahmen nach dem Fehlanschluss der Abwasserleitung in Kirchheim.

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Wie groß ist denn das Risiko, dass Keime ins Trinkwasser geraten sind?

Dr. Albrecht Wiedenmann: Wenn Keime durch den Fehlanschluss ins Trinkwasser geraten sind, dann durch eine Verkettung unglücklicher Umstände. Denn zum einen ist der Druck im Kirchheimer Trinkwassernetz höher als in der versehentlich angeschlossenen Abwasserleitung, zum anderen gibt es eine Rückschlagklappe. Wenn die Klappe funktioniert hat und es keine erheblichen Druckschwankungen gab, stehen die Chancen gut, dass kein Abwasser ins Ortsnetz eingedrungen ist. Außerdem ist das Ganze auf einer Baustelle außerhalb der Stadt passiert. Weil man aber nicht ausschließen kann, dass das Trinkwasser kontaminiert ist, haben wir die Vorsichtsmaßnahmen vorsorglich angeordnet.

Auf welche Krankheitserreger wird das Trinkwasser gerade untersucht?

Wiedenmann: Auf E-Coli-Bakterien, Enterokokken und Clostridien. Das sind so genannte Indikatoren. Sie zeigen an, ob Fäkalien ins Trinkwasser geraten sind. Sie werden im Trinkwasser überhaupt nicht toleriert. In Fäkalien können sich nämlich auch Krankheitserreger tummeln, etwa Noro-Viren, Enteroviren oder Salmonellen.

Sind die eventuellen Keime dann bis Freitag auch abgetötet?

Die Ursache ist ja bereits behoben. Jetzt muss nur das, was eventuell in die Leitungen gelangt ist, durch einwandfreies Wasser verdrängt werden. Zusätzlich wird Chlor als Desinfektionsmittel beigegeben. Es dauert aber ein bis zwei Tage, bis alle Leitungen erreicht sind. Die Proben wurden vor der Chlorung gezogen. So sehen wir, ob etwas ins Netz gelangt ist.   bil