Lokale Kultur

Was Japaner nach Kirchheim führt

Tätigkeitsbericht des Kirchheimer Literaturbeirats – Literaturmuseum steht hoch im Kurs

Kirchheim. Der Literaturbeirat der Stadt Kirchheim leistet einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben

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in Kirchheim. Das würdigten die Mitglieder des Kirchheimer Finanz- und Verwaltungsausschusses im An­schluss an den Tätigkeitsbericht der vergangenen fünf Jahre, den Literaturbeiratssprecherin Renate Treuherz vorstellte.

„Wir ermöglichen eine Begegnung mit Literatur, die regional bezogen ist“, sagte Renate Treuherz zur grundlegenden Aufgabe des Literaturbeirats. Allerdings schaut der Literaturbeirat auch regelmäßig über den lokalen literarischen Tellerrand hinaus, beispielsweise mit dem „literarischen Weihnachtsmarkt“. Denn jedes Jahr mehrere Leseabende hintereinander ausschließlich mit „Kirchheimer“ Literatur zu bestreiten, das dürfte dann doch nicht genügend Zuhörer anlocken. Deswegen greift der Literaturbeirat für diese erfolgreiche Veranstaltungsreihe auf die gesamte Weltliteratur zurück.

Gleiches gilt für die Lesung zum Gedenken an den Jahrestag der Bücherverbrennungen vom Mai 1933. Auch dabei sorgt der Literaturbeirat dafür, dass in Kirchheim große Literatur gelesen wird: Texte von Autoren, deren Werke den Nationalsozialisten nicht ins System passten. Dass viele dieser Autoren auch nahezu 80 Jahre nach dem barbarischen Akt der Bücherverbrennungen nicht vergessen, sondern hochgeehrt sind, bezeugen die jährlichen Gedenklesungen des Literaturbeirats eindrücklich.

Trotz aller Weltläufigkeit der Lesungen und Veranstaltungen achtet der Literaturbeirat aber auch sehr genau auf lokale Größen oder doch zumindest lokale Bezüge. Für den kommenden Herbst kündigte Renate Treuherz drei hochkarätige Veranstaltungen an, die jeweils mit „Jubilaren“ zu tun haben, an die besonders im Jahr 2012 gedacht wird: Hermann Hesse, Karl May und Ludwig Uhland – zum 50., zum 100. und zum 150. Todestag. Hesse und May werden auch lokal verehrt, weil sie sich zumindest kurzzeitig einmal in Kirchheim aufgehalten hatten.

Zwei Schriftsteller, die mehr mit Kirchheim zu tun haben, sind Max Eyth und Hans Bethge. Der eine wurde 1836 in Kirchheim geboren, der andere liegt seit 1946 in Kirchheim begraben. Speziell ihrem Andenken widmet sich das literarische Museum im Max-Eyth-Haus. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein verkündete Renate Treuherz den Ausschussmitgliedern denn auch: „Kein anderes Museum erinnert in dieser Form an Max Eyth und Hans Bethge.“

Hans Bethge ist mitunter weitaus weniger bekannt als seine Verse, die von vielen namhaften Komponisten vertont wurden. Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang Gustav Mahlers „Lied von der Erde“, das auf Texten Hans Bethges beruht.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-­Heidecker lobte das literarische Museum ebenfalls nach Kräften: „Die Stadt Kirchheim kann auf dieses Kleinod stolz sein.“ Besucher kämen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern aus ganz Europa und sogar aus aller Welt: „Im Gästebuch hat auch ein Japaner die Besonderheit unseres Literaturmuseums hervorgehoben.“

Trotz dieses internationalen „Ritterschlags“ sagte Renate Treuherz auf Nachfrage, dass der Literaturbeirat mit seinen Veranstaltungen nicht in der gesamten Bevölkerung auf gleiches Interesse stößt. Das Publikum sei „im Gros eher älter und weiblich“. Dafür konnte sie auch einen wichtigen Grund angeben: „Sich mit Hermann oder Isolde Kurz auseinanderzusetzen, ist nicht das breite Interesse der Jugend, sondern eher das von bildungsbürgerlichen Kreisen.“

Dennoch hat der Literaturbeirat auch für Kirchheims Jugend Interessantes zu bieten. So könnten Schüler für ihre GFS Themenanregungen und Informationen beim Literaturbeirat erhalten, und außerdem hat der Literaturbeirat jüngst den Isolde-Kurz-Preis ausgelobt – „für Schüler, die sich in besonderer Weise für literarische Themen engagiert haben“. Die erste Preisverleihung ist für den 25. Juni vorgesehen.