Kirchheim

Was macht eine Innenstadt attraktiv?

Wirtschaftsstandort Saskia Klinger berichtet von ihren Aufgaben als Wirtschaftsförderin der Stadt Kirchheim. Viele der aktuellen Vorhaben blicken bis ins Jahr 2025 voraus. Von Andreas Volz

Eine volle Innenstadt gab es vorgestern zum verkaufsoffenen Sonntag. Ein ähnliches Bild sollte sich nach den Vorstellungen der W
Eine volle Innenstadt gab es vorgestern zum verkaufsoffenen Sonntag. Ein ähnliches Bild sollte sich nach den Vorstellungen der Wirtschaftsförderung möglichst jeden Tag bieten - im Interesse der Stadt, ihrer Bewohner und der Einzelhändler.Foto: Markus Brändli

Breitbandversorgung, neue Gewerbegebiete, Einzelhandel, Leerstände in der Innenstadt, Fachkräftesicherung, Feste, Märkte, Stadtführungen oder auch eine Online-Plattform als Werbung für die gesamte Innenstadt - das sind nicht etwa die übergeordneten Aufgaben der Kirchheimer Stadtverwaltung. Alle diese Themen sind Teilgebiete der Wirtschaftsförderung.

Klare Vorgaben nannte Kirchheims Wirtschaftsförderin Saskia Klinger bei ihrem Bericht im Gemeinderat, zum Beispiel für den Breitbandausbau: Bis Ende Juni soll ein Konzept vorliegen, wie alle Schulen und Gewerbebetriebe bis 2025 einen glasfaserbasierten Internetzugang erhalten.

Ebenfalls bis 2025 sollen 20 Hektar Gewerbeflächen geplant oder erschlossen werden. Die restlichen Flächen am Hegelesberg sollen im laufenden Jahr verkauft werden. Die vier Hektar „In der Au“ sind bis 2022 zu planen und zu erschließen. Um weitere 16 Hektar geht es im Gebiet „Bohnau Süd“, dessen Planung 2025 abgeschlossen sein soll. 2019 soll es zudem eine Voruntersuchung zu einer interkommunalen Gewerbefläche von 40 Hektar geben.

In der Wirtschaftsförderung geht es allerdings nicht nur um Zukunftsprojekte. Auch die Bestandspflege ist ein wichtiger Aspekt von Saskia Klingers Arbeit: Mindestens 30 Unternehmensbesuche absolviert sie jedes Jahr. Standardisierte Betriebsbefragungen gibt es alle drei Jahre. Hinzu kommen Treffen mit Unternehmerverbänden, der Unternehmerdialog oder auch die Teilnahme an der bundesweiten Gründerwoche wie auch an den landesweiten Frauenwirtschaftstagen.

Ein wichtiges Ziel der Wirtschaftsförderung ist recht einfach definiert: „Der Kirchheimer Einzelhandel soll attraktiv bleiben.“ Einer der konkreten Ansätze, um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Online-Plattform. Dort sollen Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen von 2020 an ihre Angebote vorstellen können. Um den Einzelhandel attraktiv zu halten, soll bis 2025 auch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gesteigert werden. Was die Leerstände betrifft, berichtete Saskia Klinger von Gesprächen mit Eigentümern und von Frequenzmessungen.

Letzteres war Thema einer regen Diskussion im Gemeinderat. Für Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, macht nicht allein das Einkaufserlebnis eine Innenstadt attraktiv. „An der Aufenthaltsqualität zu arbeiten, bleibt eine Daueraufgabe“, prognostizierte sie.

Sabine Bur am Orde-Käß, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, forderte, das Leerstandsmanagement zu professionalisieren. Vielleicht lasse sich auch durch temporäre Nutzungen schon viel erreichen. Im Außenbereich wiederum lasse sich dem Flächenverbrauch wiederum durch Aufstockungen entgegenwirken. Nicht zuletzt müsse die Wirtschaftsförderung auch die Nahversorgung für eine älter werdende Gesellschaft stärker in den Blick nehmen.

Klaus Buck (CDU) verwies auf das Problem, dass Feste und Veranstaltungen die Innenstadt zwar einerseits attraktiver machen, dass sie andererseits aber ein erhebliches Konfliktpotenzial bergen, weil Anwohner sich gestört fühlen. Bettina Schmauder (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, nicht nur nach dem großen internationalen Unternehmen mit den Büroarbeitsplätzen für Ingenieure zu schielen: „Wir brauchen auch Gewerbeflächen für Handwerker.“

SPD-Stadtrat Arne Knoblauch wollte wissen, welche Hebel der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen, um auf Eigentümer einzuwirken - außer dem guten Zureden. Tatsächlich scheint das Gespräch der einzige Hebel zu sein, wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erläuterte: „Es ist immer noch unvorstellbar, mit welchen Preisvorstellungen manche Eigentümer ihren Leerstand pflegen.“ Das einzige, was helfen kann, ist die richtige Argumentation: „Die Eigentümer müssen sich im Klaren sein, was die Folge ist, wenn sie ihre Immobilie zu lange leerstehen lassen. Dann kommt es zum Trading-down-Effekt, und irgendwann ist die Immobilie nicht mehr sehr viel wert.“

Nahversorgung künftig mobil

Zum interkommunalen Gewerbegebiet meinte die Oberbürgermeisterin: „An dieser Stelle wäre gar nichts anderes möglich.“ So dringend nötig auch Flächen für Handwerker seien - sie müssten in anderen Gebieten geschaffen werden. Die Nahversorgung wiederum könnte künftig ganz andere Wege gehen: „Da müssen irgendwann auch die Unternehmen in die Wohngebiete fahren und aus dem Wagen heraus verkaufen.“

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