Kirchheim

Was tun, wenn Unwetter zuschlagen?

Rettung In zwei Übungseinsätzen während einer 24-Stunden-Bereitschaft erprobt der Nachwuchs des Technischen Hilfswerks (THW) Kirchheim seine Fähigkeiten.

Mit Hilfe eines Dreibocks bergen die Junghelfer Verletzte aus der Tiefe. Foto: privat

Alarmiert über Messenger-Dienste, SMS oder E-Mail treffen trotz Ferien und Urlaubszeit pünktlich um 8 Uhr genügend Junghelfer aus dem THW-Ortsverband Kirchheim ein, um die „Bereitschaft Jugend“ zu bilden. Die Bereitschaft ist erforderlich, weil angenommen wird, dass Unwetter den Landkreis Esslingen heimsuchen. Feldbetten werden in leeren Fahrzeughallen aufgeschlagen und die erforderliche Infrastruktur für kommende Einsätze hergestellt. Die Betreuer teilen die Anwesenden auf die Bergungsgruppen auf. Helfer, Trupp- und Gruppenführer, alle Funktionen werden von den Jugendlichen besetzt.

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Unwetter sucht Sportplatz heim

Dann der Alarm: Ein Sportverein wurde von einem Unwetter überrascht. Nun muss alles schnell gehen. Der THW-Nachwuchs hastet in die Einsatzfahrzeuge und wird schnell nach Beuren zum Vereinsgelände gebracht. Dort bietet sich den Junghelfern ein erschreckender Anblick: Personen irren über den Platz und machen nur vage Angaben zu Vermissten. Ein Vereinsmitglied muss bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes 15 Minuten mit der Herz-Lungen-Reanimation versorgt werden. Bergungstrupps suchen und bergen Vermisste, eine vom Einsturz bedrohte Tribüne wird soweit gesichert, dass der darunter liegende Öltank vom fiktiv agierenden Gefahrstoffzug geleert werden und anschließend vom THW-Nachwuchs geborgen werden kann. Nach drei Stunden ist die Lage bereinigt.

Einmal kurz Luft holen

Nun ist Entspannung angesagt. Nach dem Einsatzende am Sportgelände dürfen sich die Bergungsgruppen der Jugend im Bereitstellungsraum bei Hotdogs und Eistee und diversen Spielen eine kleine Pause gönnen. Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden.

Dann geht es wieder los: Erneuter Alarm. Auch in der Nacht schlägt das imaginäre Unwetter wieder zu. Und dieses Mal hat es richtig gewütet. Auf dem Trümmer- und Übungsgelände der BRH-Rettungshundestaffel in Schlierbach sind gleich mehrere Gebäude unter dem Unwetter zusammengebrochen und haben dabei neun Menschen unter sich begraben, die Verletzte darstellen. Schon bei der Anfahrt ist allen klar: Jetzt wird es richtig anstrengend für die Junghelfer, Aktiven und Betreuer, die bei dieser Übung mit anpacken. Doch schon nach relativ kurzer Zeit können die ersten Opfer gerettet und dem Rettungsdienst an der Einsatzleitung übergeben werden. Dabei achten die Helfer darauf, zuerst die einfacher zu erreichenden Opfer zu bergen und dennoch gleichzeitig auch die Opfer in schwerer zugänglichen Lagen zu betreuen. Wichtig dabei ist bei der Dunkelheit, die Einsatzstellenbeleuchtung an den schnell wechselnden Einsatzstellen gut zu positionieren. Nach drei sehr anstrengenden Einsatzstunden gibt die Übungsleitung bekannt: „Alle neun Opfer geborgen“. Pünktlich zur Geisterstunde endet die Übung, und die Bereitschaft beginnt.

„Ich bin richtig begeistert, wie ruhig und überlegt die Junghelfer vorgegangen sind bei der Personenbergung, und wie sie fast schon professionell den Einsatzstellenfunkverkehr abgewickelt und ihre Meldungen an die Einsatzleitung gemacht haben“, so das Fazit eines der Übungsbeobachter. Der THW-Nachwuchs nahm das Lob etwas erschöpft und fast schon gelassen zur Kenntnis. Nach dem Eintreffen in der Fahrzeughalle kehrte auf den Bettenlagern sehr bald Ruhe ein. Ist ganz schön anstrengend, so ein Einsatztag. Kurz war die Nacht, denn früh am Morgen musste noch flugs die Einsatzbereitschaft von Gerät und Fahrzeugen des Technischen Zugs im Kirchheimer THW wiederhergestellt werden. Für alle Fälle.pm