Kirchheim

Wasser sorgt immer noch für Ärger

Unwetter Rund zweieinhalb Wochen nach dem Hochwasser in Kirchheim kämpfen die Betroffenen mit den Folgen. Beim Blick nach vorn ist vielen bange. Von Antje Dörr

Nach dem Unwetter stand Renate Knapps Waschraum bis zur Decke unter Wasser. Die Waschmaschine und andere Geräte sind zerstört. Foto: privat

Bei Renate Knapp kommt das Wasser über die Terrasse und von der Straße. Innerhalb kürzester Zeit stehen Hobbyraum und Waschraum bis zur Decke unter Wasser. Der Heizungsraum ist zu zwei Dritteln gefüllt. Land unter im Steingrubenweg. Die Ötlinger Straße und ihre Bewohner hat es besonders hart getroffen, weil der Dupiggraben und die Kanalisation die Wassermassen, die aufgrund des Starkregens am 11. Juni entstanden waren, nicht verkraften konnten.

Aber auch in vielen anderen Straßen, schwerpunktmäßig im Westen Kirchheims sowie in Ötlingen und Lindorf, waren die Bewohner in den vergangenen zweieinhalb Wochen damit beschäftigt, Schäden zu begutachten, ihre Keller auszuräumen, zu putzen und zu trocknen. Bei Renate Knapp ist so gut wie nichts heil geblieben. Das Wasser hat ihr Mobiliar, ihre Waschmaschine und Heizungsanlage zerstört. Weil die Ötlingerin seit dem Hochwasser von 1986 ein gebranntes Kind ist, hat sie zusätzlich zur Elementarversicherung eine Hausratversicherung mit Elementarschutz abgeschlossen. Deshalb hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen. Fotos und andere unersetzbare Dinge lagert Renate Knapp seit dem Hochwasser vor 32 Jahren ohnehin nicht mehr im Keller. Nun gilt es, die Räume zu trocknen und Handwerker zu bestellen. „Wenn‘s bis Weihnachten wieder schön ist, freue ich mich“, sagt Renate Knapp und kann schon wieder lachen.

Wenn sie in die Zukunft blickt, ist der Bewohnerin des Steingrubenwegs allerdings gar nicht zum Lachen zumute. Ihrer Meinung nach hat der Hochwasserschutz in ihrem Viertel total versagt. „Die Generalprobe für den Dupiggraben ist danebengegangen. So hoch war das Wasser im Steingrubenweg noch nie“, sagt Renate Knapp. Ihrer Meinung nach sind verstopfte Gitter Schuld daran, dass das Wasser nicht ablaufen konnte (wir berichteten). Sie fordert eine Überprüfung des Hochwasserschutzes.

Die Sonderabfuhr für Sperrmüll, die die Stadt Kirchheim gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb in den 21 meistbetroffenen Straßen organisiert hat, kam für die Ötlingerin zu spät. „Unser Sohn hatte bereits am nächsten Tag einen Container organisiert, damit wir mit dem Aufräumen beginnen konnten“, sagt sie. „Hätten wir denn bis Samstag warten sollen?“

Auch in Lindorf waren am 11. Juni viele Menschen von Hochwasser betroffen. Einer von ihnen war der 82-jährige Werner Geißler. „Das Wasser kam den Berg runter, so extrem wie nie zuvor“, erinnert er sich. Über eine Außentreppe liefen die Wassermassen in seinen Keller und fluteten ihn 72 Zentimeter hoch. „Alles, was im Wasser stand, ist kaputt, auch die Heizungsanlage und die Waschmaschine“, sagt Werner Geißler. Neben den materiellen Schäden treibt ihn die Sorge um seine Frau Gerda um. Für sie war die Aufregung an diesem 11. Juni zu viel: Seither liegt sie im Krankenhaus.

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