Infoartikel

„Wer den Anderen kennt, hat weniger Ängste“

Anwohner der Dettinger Straße und Flüchtlinge im Containerdorf wissen voneinander zu wenig. Das hat eine Informationsrunde mit Vertretern von Landkreis, Polizei und Flüchtlingshilfe gezeigt, zu der die Stadt diese Woche Bürger eingeladen hatte. Etwa 50 Kirchheimer sind dem Aufruf gefolgt. Was sind das für Männer, welche Gründe hat ihre Flucht, welche Sprache sprechen sie? Der Informationsbedarf ist groß. Konflikte, das wurde deutlich, beruhen meist auf Missverständnissen, die sich durch Unterschiede in Mentalität und Kultur ergeben. Von den 100 Flüchtlingen, die das Containerdorf in der Dettinger Straße bewohnen, stammt mehr als die Hälfte aus Gambia. Einem Land, in dem gesetzliche Willkür herrscht, in dem Regimegegnern und Homosexuellen lange Haftstrafen drohen. Viele der Männer, von denen die meisten erst Anfang zwanzig sind, haben studiert oder eine Berufsausbildung. Ihnen droht in ihrem Heimatland politische Verfolgung. Die übrigen Bewohner stammen aus Nigeria, Tunesien und den Bürgerkriegsländern Syrien und Somalia. „Wer den anderen kennt, hat weniger Ängste.“ Kirchheims OB Angelika Matt-Heidecker wirbt gemeinsam mit den Vertretern des Flüchtlings-Netzwerks um Offenheit im Umgang mit den Asylsuchenden. Fast alle der Bewohner in der Dettinger Straße, versichert AWO-Sprecherin Jutta Woditsch, sprechen gutes Englisch. Viele davon beherrschen gleich mehrere Sprachen. Matt-Heidecker wirbt um Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe und um Patenschaften als Begleitung im Alltag. Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran. 80 Stunden im Monat dürfen die Flüchtlinge gemeinnützige Arbeit leisten. Fünf Stellen hat die Verwaltung dafür am Kirchheimer Bauhof geschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus Linde und dem Bürgerbüro sollen weitere folgen. Mit einem Tag der Begegnung will die Stadt gemeinsam mit dem Integrationsrat im Juni eine weitere Brücke schlagen.bk


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