Lokale Kultur

Wie aus Hasen Hosen werden

Spiel und Spaß mit Wort und Sinn von Hans-Hilmar Seel

Kirchheim. Die Lust am Schreiben lässt Hans-Hilmar Seel offensichtlich nicht mehr los. Sein genauso wahrnehmbarer Frust an der von ihm konstatierten „Verödung der

Sprache“ entlädt sich aktuell gleich in zwei interessanten Büchern, die sich beide mit der vom Aussterben bedrohten Spezies Sprachspiele beschäftigen.

„Wie aus Hasen Hosen werden“ setzt generationsübergreifend vor allem auf „Spiel und Spaß mit Wort und Sinn“. In „Rattenschwanz & Katzenzungen“ wendet sich der Autor eher an erwachsene Leser, kann garantiert aber auch entsprechend sprachlich interessierten und aufgeschlossenen Kindern und Jugendlichen bewusst machen, was alles passiert, „Wenn Wörter miteinander reden“.

Begeistert davon, welch vielfältige Möglichkeiten Sprache hat, etwas fast unmissverständlich aussagen zu können, ohne es unbedingt gleich auch beim Wort nennen zu müssen, blickt er mit Sorge auf die aktuell um sich greifende Tendenz, zwar immer mehr Textnachrichten per Computer oder Handy zu verschicken, aber trotz penetranten SMS- und E-Mail-Austauschs „eigentlich kaum mehr erkennbar miteinander zu kommunizieren“.

Der bei offiziellen Terminen immer wieder eingeforderten Hoffnung auf sich anschließende „gute Gespräche“ und dem daraus resultierenden Gedankenaustausch, steht Hans-Hilmar Seel daher inzwischen zunehmend eher skeptisch gegenüber. Da Kommunikation oft gar nicht mehr direkt erfolgt, sondern auf stark verkürzte und fast ausschließlich medial übermittelte Nachrichten reduziert wird, gehe sehr viel an mündlicher Tradition verloren.

Er erinnert sich gerne – und mit einer stets in stimmige Reime gepackten Wehmut – an vielleicht tatsächlich schon vergangene Zeiten. Bei Festen, Familientreffen oder auch bei einst noch ohne Internet-Unterstützung erfolgreich zusammengeführten Jugendgruppen, standen Sprachspiele, wie etwa das auf dem Prinzip der Doppeldeutigkeit basierende legendäre „Tee-Kesselchen“, hoch im Kurs, weil die dafür benötigten ausgewählten Worte auch ohne jede „Hardware“ stets immer und überall verfügbar waren.

Der inzwischen vom spielbegeisterten und sprachverliebten Familienvater zum geduldigen Opa und ambitionierten Poeten aufgestiegene Autor erinnert sich gut an viele Spiele aus vergangenen und vielleicht auch nicht mehr wiederkehrenden Zeiten.

Auch ohne Hightech-Displays in den Nackenstützen war es Erwachsenen schließlich früher allein mit ein paar kreativen Ideen möglich, mitreisende Kinder mit spontan erfundenen und alle Fahrzeuginsassen mitreißenden Sprachspielen tatsächlich immer wieder relativ unbeschwert und ohne allzu große Quengeleien von „A“ nach „B“ zu bringen.

„Wie aus Hasen Hosen werden“ ist ein Buch, das man durchaus auch alleine mit viel Vergnügen von der ersten bis zur letzten Seite durch- schmökern kann. Eigentlich ist es aber eher als offenes Angebot und Anregung dazu gedacht, sich am besten in einer spielfreudigen kreativen Gruppe Gedanken zu machen über Sprache und vor allem auch über die in beiden Büchern in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad abgefragte Mehrdeutigkeit von Begriffen.

Wer genügend diszipliniert ist, kann schließlich die dezent im Bund abgedruckten Lösungen vorab gewissenhaft abdecken und versuchen, sich jeweils seinen eigenen Reim auf die vielen gereimten Rätsel zu machen. Viel mehr Spaß macht es freilich, das vielseitige Sprachspiel- und Rätselbuch gemeinsam mit Freunden zu nutzen, um spielerisch und möglicherweise auch unter entspannten „Wettbewerbsbedingungen“, den vielen Fragen, Doppeldeutigkeiten und immer wieder auch verblüffenden sonstigen versteckten Qualitäten der Sprache auf die Schliche zu kommen.

Das ist auch das Ziel des noch etwas anspruchsvolleren und herausfordernden Bandes „Rattenschwanz & Katzenzungen“. Einzige Voraussetzung ist eigentlich nur, dass die Nutzer neugierig und bereit dazu sind, durch aktive Mitarbeit für sich selbst herauszufinden was passiert, „wenn Wörter miteinander spielen“.

Zum Übungsmaterial gehören auch hier unterschiedlichste Sprachspiele, die freilich nicht alle gleich leicht und auf Anhieb zu entschlüsseln sind.

Auch was zwischen den nächsten von ihm herausgegebenen Buchdeckeln stehen wird, weiß Hans-Hilmar Seel schon heute ganz genau, denn er ist gerade dabei, seinen vielen in „Seels Tierleben“ in Gedichten vorgestellten Tierarten und ihren katalogisierten Eigenschaften und Unterschieden noch den letzten Schliff zu geben, um nach seinen im vergangenen Jahr veröffentlichten Gedichten für jeden Tag vielleicht schon bald einen prallen Band mit Gedichten für (fast) jedes Tier zu veröffentlichen.

Erhältlich sind die beiden aktuellen Titel „Wie aus Hasen Hosen werden“ beziehungsweise „Rattenschwanz & Katzenzungen“ im örtlichen Buchhandel und beim Autor selbst.

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