Kirchheim

„Wir arbeiten heute am Einsturz“

Konzert Die Weilheimer Band Superclusive brachte nicht nur das Gebälk der Zehntscheuer in Nabern zum Wanken, sondern überzeugte das Publikum mit musikalischem Zündstoff und einer Weltpremiere. Von Anja Schulenburg

Im Look der Blues Brothers läutete Superclusive eine Soulsession ein.Foto: Anja Schulenburg
Im Look der Blues Brothers läutete Superclusive eine Soulsession ein. Foto: Anja Schulenburg

Es duftet nach selbstgemachter Pizza. Menschen aller Altersgruppen unterhalten sich angeregt und warten gespannt. Um 20 Uhr gibt Veranstalter Ulrich von Fugler die Bühne für das erste Zehntscheuer-Konzert im neuen Jahr frei.

Unter tosendem Applaus nehmen die acht Musiker von Superclusive die Bühne bis auf den letzten Zentimeter ein und legen die Messlatte mit der Eigenkomposition „On Fire“ gleich zu Anfang ziemlich hoch. Im Dandy-Look grooven sie sich ein und beenden ihre erste Nummer mit einem ordentlichen Gewittergrollen. Frontmann Jens Weber fragt die Konzertbesucher nach dem Alter der Zehntscheuer - und bekommt keine Antwort. Niemand weiß es und keiner scheint aus Nabern zu sein. Der Sänger und Gitarrist nimmt es mit Humor: „Dann erörtern wir das eben später“, grinst er und nimmt das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise durch fünfzig Jahre Soul-, Rock- und Pop-Musikgeschichte, ge­spickt mit kreativen Eigenkompositionen sowie einer ordentlichen Portion Leidenschaft.

Lutschbonbons für die Stimme

Keyboarder Sebastian Reich nimmt begeistert den hauseigenen Flügel in Beschlag und zeigt zu „Lady Madonna“, was er drauf hat. Die Bandmitglieder spielen sich gegenseitig immer wieder die Bälle zu, und jeder Einzelne brennt für sein Instrument. Das wird vor allem schnell durch Sängerin Franziska Zeeb deutlich, die sich mit Thermoskanne und Lutschbonbons heftig gegen eine fiese Erkältung wehrt, die ihre Stimme immer wieder in Beschlag zu nehmen droht. Nach „Invisible Girl“, einer weiteren Eigenkreation des aktuellen Albums „On Fire“, scheint sich ihre Stimme langsam zu verabschieden. Also übernimmt die ehemalige All-Inclusive-Sängerin Linda Friedel und performt gekonnt den Song „Proud Mary“. Vor der Bühne wird getanzt und mitgesungen.

Dann ist Action angesagt: Zu fetten Bläser-Sounds von Trompeter Jörg Ruff und Saxofonist Markus Bezold gibt Superclusive „Peter Gun“ zum Besten und - Franzi is back. Im Blues-Bro­thers-Look läutet die Band eine Soulsession ein. Es wird Tequilla zum gleichnamigen Song serviert und „Sebi“, also der Bassist Kay Kirchmann, läuft im Zusammenspiel mit Drummer Michael Fauser zur Höchstform auf.

Völlig nassgeschwitzt entlassen sie dann das Publikum in eine zwanzigminütige Pause - und kehren mit einem weiteren, oder dem eigentlichen Höhepunkt des Abends zurück: der Weltpremiere von „Get it all“, dem ersten gemeinsamen Musikvideo der Band, das bei Minusgraden in der Weilheimer Peterskirche gedreht und Freitagnacht fertiggeschnitten wurde. Das Publikum ist begeistert. Es folgen weitere Album-Songs wie der 60er-Sound-Song „Day by day“, den Sängerin Franziska gefühlvoll interpretiert. Zudem überzeugt die selbst geschriebene Ballade „Why won‘t you“ und „When the world begins to break“ mit absolutem Ohrwurm-Potenzial und brandaktuellem Inhalt.

Getreu dem Motto „Tanzen ist besser, als jeden Abend ‘ne Tube Mobilat auf die Gelenke zu schmieren“, kolportiert vom Gitarristen Mike Linz, groovt die Menge vor der Bühne immer weiter. Superclusive könnte endlos weitermachen, doch irgendwann ist dann doch Schluss. Nach einigen Zugaben entlässt die Band das begeisterte und ausgepowerte Publikum beschwingt in den frühen Sonntagmorgen.

Info: 2019 veröffentlichte die achtköpfige Weilheimer Band Superclusive, die vormals unter All Inclusive firmierte, ihr erstes Album „On Fire“ mit elf eigenen Songs. Das Album ist erhältlich in der Kirchheimer Buchhandlung Schöllkopf.

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