Kirchheim

„Wir bauen auf den Bürger-Treff“

Jubiläum Vor 25 Jahren hat der Kirchheimer Bürger-Treff begonnen, damals noch als Bürgerbüro. Zum Jubiläum gab es eine launige Gesprächsrunde und ein Sommerfest im Mehrgenerationenhaus Linde. Von Peter Dietrich

Gesprächsrunde mit Landrat Heinz Eininger, Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Sybille Köber, frühere Leiterin des Bürg
Gesprächsrunde mit Landrat Heinz Eininger, Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Sybille Köber, frühere Leiterin des Bürger-Treffs und Ehrenmitglied, Moderator Andreas Kenner, Siegfried Hauff, 1. Vorsitzender Bürger-Treff, und Jutta Ziller, Leiterin des Mehrgenerationenhauses Linde (von links).Fotos: Peter Dietrich

Das mit der Reihenfolge bei der Begrüßung ist halt echt kompliziert. Als sich Siegfried Hauff, 1. Vorsitzender des Bürger-Treffs, vertan hatte, empfahl ihm Landrat Heinz Eininger als Faustregel „zuerst die Gewählten, dann die Geweihten, dann die Bestellten“. Doch halt, kommen in dem alten Sprichwort nicht die Geweihten zuerst? In diesem Fall war das egal, es waren ja keine Geweihten da, und die Begrüßung von Siegfried Hauff kam auf jeden Fall sympathisch rüber. Besonders galt diese Begrüßung der Seniorenblaskapelle „Herbstwind“, denn sie begann wie der Bürger-Treff vor 25 Jahren. Sie hat schon auf dem Euroforum in Barcelona gespielt, hat in Kirchheim die erste S-Bahn musikalisch begrüßt und 2012 einen Ehrenamtspreis erhalten. Außerdem war beim Festakt das „Bläserquartett Harry Diemer“ zu hören - nichts passt doch besser zu solch einem festlichen Anlass als die Werke von Henry Purcell.

Im Mittelpunkt des Festakts stand eine einstündige Gesprächsrunde - kein Streitgespräch, sondern ein buntes Sammeln von Gedanken, launig moderiert vom SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Andreas Kenner. Er bekam viele ehrliche Antworten. „Ich bin ehrenamtsgeschädigt“, gestand Sybille Köber, langjährige Leiterin des Bürger-Treffs und heute Ehrenmitglied. Ehrenamt mache Freude und ab und zu auch Ärger und erfordere einen hohen Zeitaufwand. „Mit 100 Mitarbeitern ist der Bürger-Treff inzwischen ein mittelständisches Unternehmen geworden. Es ist erfreulich, dass immer wieder neue dazukommen.“ Immer wieder gebe es neue Projekte, wie die Konversation in Italienisch oder den Schachclub.

Ehrenamt halte jung, kommentierte Andreas Kenner: „Ich kenne Leute in Kirchheim, die haben noch nie etwas für andere getan, die sehen schon ganz schön alt aus.“ Vom Landrat wollte er zuerst wissen, warum Deutschland bei der WM verloren hat. „Deutschland ist verdient ausgeschieden, die haben sehr pomadig gespielt“, sagte Heinz Eininger. „Man hat gemerkt, dass der Zusammenhalt nicht stimmt.“ Zurück zum Bürger-Treff: Dessen Gründung sei nicht überall auf Gegenliebe gestoßen, erinnerte sich Heinz Eininger als ehemaliger Bürgermeister von Kirchheim. Heute gehe es in der Arbeit mit Senioren nicht mehr um Defizite, sondern um Kompetenzen. „So entstanden der Handwerkerservice und der Opa-Oma-Leihservice.“

Verändert hat sich auch die Stimmung beim Fußball. Leider, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. „2014 war der Weltmeister Deutschland stolz auf seine Multikulti-Mannschaft. 2018 hat sich das völlig verändert, ich habe böse Worte gegen Özil und Co. gehört. Das finde ich eine schlimme Entwicklung. Unsere Gesellschaft verändert sich, ob wir das wollen oder nicht: Wir sind bunter. Dieses Bunte kommt auch im Bürger-Treff an.“ Ohne bürgerschaftliches Engagement könne eine Stadtgemeinschaft ihre Herausforderungen nicht meistern: „Wir bauen auf den Bürger-Treff.“

Das Miteinander mit dem Mehrgenerationenhaus Linde sah Angelika Matt-Heidecker anfangs skeptisch: „Ich hätte meinen Großvater nicht im Jugendhaus treffen wollen.“ Heute gilt ihre Skepsis nur dem Gebäude: „Wir können es nicht mehr halten, der Brandschutz ist nicht gewährleistet.“ Sie kündigte ein Wettbewerbsverfahren an, gemeinsam mit Nachbarhäusern: „Das wird spannend.“ Als Siegfried Hauff später nach drei Wünschen gefragt wurde, griff er das Thema Neubau gleich auf: Er wünsche sich ein Ergebnis, das alle Vereine zufriedenstelle, und auch für die Übergangszeit eine akzeptable Lösung.

Gibt es in der Linde nur Jugendliche bis 25 und dann 55plus? Die Leiterin Jutta Ziller widersprach entschieden, sie kennt auch viele von 35 bis 45. Es funktioniere sehr gut mit Jung und Alt - so schenkten die Jugendlichen dem Bürger-Treff zum Jubiläum neben einem Gedicht auch ein Sommerfest; sie seien dafür von sieben Uhr an aktiv gewesen. Auf der anderen Seite kochten Senioren beim Kinderferienprogramm.

Zum Schluss ging es um persönliche Ziele. Der Landrat wäre im Ruhestand gerne ehrenamtlicher Busfahrer für den VfB, Sybille Köber erfreut sich an 13 Enkeln, und die Oberbürgermeisterin hat eine neue Liebe gefunden: die serbische Partnerstadt Bački Petrovac. Wer nicht weiß, was tun, dem empfahl Andreas Kenner die Kandidatur als Stadtrat: Es gebe nichts Schöneres, als mittwochs von 17 bis 23 Uhr mit der Oberbürgermeisterin zu verbringen und zum Wohle der Stadt zu entscheiden.

Anzeige