Kirchheim

Wo Hans das Dampfen lassen soll

Gesundheit Auf den Vorstoß von Sozialminister Manfred Lucha, das Rauchverbot zu verschärfen, fallen die Reaktionen der Gastwirte unterschiedlich aus. Von Thomas Zapp

Hier könnte künftig gelten: Rauchen verboten.
Hier könnte künftig gelten: Rauchen verboten. Archivfoto: Hansjoerg Richter/Symbolfoto: Jean-Luc Jacques

Die Stammgäste der Kirchheimer Fußballkneipe „Heidi‘s“ kommen größtenteils, um bei Fußball und Bierchen eine zu rauchen. „Wir hatten einmal eine Glaswand eingezogen, um einen Nichtraucherbereich abzutrennen, aber der war immer leer“, sagt Wirt Oliver Alle. Nach einigen Monaten war die Scheibe wieder weg, und seitdem darf wie gewohnt überall geraucht werden.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Wenn Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha wie angekündigt nach der Sommerpause seinen Plan umsetzt und gemeinsam mit den Koalitionspartnern im Landtag das Rauchverbot erweitert, wird das Qualmen in Gaststätten, Festzelten und Diskotheken generell verboten. Raucherkneipen gäbe es dann nicht mehr. Ein Rauchverbot soll auch auf Kinderspielplätzen gelten, unter das Verbot sollen auch E-Zigaretten und nikotinhaltige Shishas fallen.

Für Oliver Alle wäre das ein Schlag ins Kontor. „Wenn wir alle Gäste nach draußen schicken, kriegen wir Ärger mit den Nachbarn“, sagt der Gastwirt. Denn ab 23 Uhr muss die Außengastronomie geschlossen und alle Türen dicht sein. Allerdings waren die nun vorgesehenen Verschärfungen schon 2007 bei der Einführung des Rauchverbots in Gaststätten und Restaurants geplant. Die Ausnahmeregelungen hatten sich Klein- gastronomen damals vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten, abgetrennte Raucherbereiche sind eins der Resultate.

Auch Diskothekenbetreiber dürfen zurzeit separate und entsprechend gekennzeichnete Raucherräume einrichten, wenn der dafür vorgesehene Raum keine Tanzfläche hat und der Zutritt zur Diskothek nur für volljährige Gäste erlaubt ist. Bislang ausgenommen vom Rauchverbot waren auch Festzelte oder die Außengastronomie.

Sollten die Verschärfungen wahr werden, könnten auch Veranstaltungen wie das Kirchheimer Weindorf betroffen sein. Michael Holz, ehemaliger Bärenwirt und auf dem Kirchheimer Weindorf mit der Bärenlaube vertreten, ist dagegen. „Ich habe nie Beschwerden von Gästen. Im Gegenteil: Oftmals schlauchen sie von mir Zigaretten, weil sie zum Wein gerne eine rauchen möchten. Ich habe deshalb immer eine Extrapackung dabei“, sagt er.

Gelassen steht den möglichen Änderungen Reinhard Segatz gegenüber. Der Wirt des Kirchheimer „Hirschgarten“ hatte erst kürzlich festgestellt, dass die Zahl der Raucher im Biergarten abgenommen hat. „Bald haben wir amerikanische Verhältnisse, es werden definitiv immer weniger Raucher“, sagt der passionierte Nichtraucher, der es nach eigenen Angaben in seinem Leben auf „keine zehn Zigaretten“ gebracht hat. Dass im Festzelt nicht mehr geraucht werden soll, hält er für vernünftig. „Das kann man durchaus mit der Gastronomie vergleichen“, sagt er. Und dass man Umsatzrückgänge befürchten müsse, glaubt er auch nicht: „Die 80, 90 Prozent Nichtraucher bleiben dafür länger.“

Kirche im Dorf lassen

Auf den gesunden Menschenverstand setzt hingegen Gastronom Gunnar Stahlberg. „Man sollte jedem die Freiheit lassen, zu rauchen. Aber wenn ich im Freien sitze und nebenan fühlt sich jemand gestört, höre ich halt auf“, meint Stahlberg, der selbst bis Ende des Jahres das Rauchen aufgeben will. In seiner Kirchheimer „Wunderbar“ gibt es keine Gerichte, daher sieht er keinen Grund, das Rauchen im Außenbereich zu verbieten. Auch in Festzelten würde er Zigaretten nicht grundsätzlich verbannen. „Bei unseren Zelten sind die Seiten geöffnet, da kann der Rauch abziehen“, sagt er. Für den Event-Manager und Gastro-Unternehmer gilt beim Thema Rauchen: „Man sollte die Kirche im Dorf lassen.“

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