Coronavirus

Wochenmarkt trotzt Coronavirus

Import Obst und Gemüse aus Italien erreichen problemlos den Marktplatz. Ob es so weitergeht, ist ungewiss. Das Virus könnte den Vertrieb behindern. Von Katharina Daiss

Marktfrau Manuela Vitiritti kennt keine Nachschubprobleme.Foto: Carsten Riedl
Marktfrau Manuela Vitiritti kennt keine Nachschubprobleme. Foto: Carsten Riedl

Die gute Nachricht vorneweg: Dass sich Menschen mit dem Coronavirus über importierte Lebensmittel infizieren können, ist nach aktuellem Stand unwahrscheinlich. Das sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Liebhaber von Zitrusfrüchten und mediterranem Gemüse dürfen ihren Gelüsten also weiterhin angstfrei nachgehen.

Das freut besonders Manuela Vitiritti, die auf dem Kirchheimer Wochenmarkt Gemüse und Obst aus Italien verkauft. „Wir spüren noch keine Auswirkungen“, berichtet sie. Wöchentlich wird das Lebensmittelgeschäft Antichi Sapori vom Großmarkt in Mailand beliefert. Bisher haben das Virus und seine Folgen weder Engpässe noch Ausfälle zu verantworten. Manuela Vitiritti hofft, dass der Vertrieb weiterhin so einwandfrei läuft. Sie sieht der nahen Zukunft jedoch sorgenvoll entgegen: „Man weiß nicht, was kommt. Diese Woche hatten wir keine Probleme, doch wie sieht es nächste Woche aus?“

Genau dieselbe Sorge treibt auch die Besucher des Kirchheimer Wochenmarkts um. In den Nachrichten ist zu lesen, dass ausgerechnet Mailand stillsteht. „Haben Sie denn neue Ware gekriegt?“, fragt ein Kunde die italienische Verkäuferin besorgt. Auch an anderen Ständen geht weniger die Angst vor dem Virus um, als die Furcht vor einem möglichen Lieferstopp.

„Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, berichtet Peter Reicherter besorgt. Der Chef vom Früchtehaus Reicherter verkauft Orangen, Spinat und Mangold aus Italien. Bedenken, dass den Kirchheimern das Essen ausgehen könnte, wischt er beiseite. „Bei uns wird es immer was zu essen geben“, versichert der Obst- und Gemüseverkäufer. Die Panik vor leeren Regalen kennt er aber: „Bekannte haben sich schon mit Gas und 50 Kilo Mehl eingedeckt“, erzählt er ungläubig. Hamsterkäufe sind ihm und seinen Kollegen auf dem Wochenmarkt aber noch fremd.

Auch auf den Fischverkauf von Alexander Mauz hat das Virus noch keinen Einfluss. „Die Leute kaufen weder mehr noch weniger“, fasst er zusammen. Sein Fisch kommt aus dem Schwarzwald und Norwegen. Mit Corona bringt man diese Orte bisher nicht in Verbindung. Die Befürchtung, dass seine Lieferkette einbrechen könnte, hat der Fischverkäufer nicht. Darum sieht er auch keine Notwendigkeit, seine Ware anders zu handhaben als bisher. „Frischen Fisch sollte man grundsätzlich waschen“, erklärt er. Die Angst vor Ansteckung ist ihm im Stuttgarter Großhandel dennoch begegnet: „Die Mitarbeiter dort haben Angst, sich durch Kundenkontakt anzustecken“, berichtet er und entgegnet, dass man ja noch gar nicht weiß, wie ernst die Situation wirklich ist.

So schreckhaft sind die Kirchheimer Verkäufer und Käufer nicht: Der Markt ist voll wie eh und je. Ältere Damen ziehen ihre kleinen Wagen voll frischer Produkte und Blumen hinter sich her, junge Eltern inspizieren die Ware und lassen sich von den Experten beraten. „Für einen Donnerstag ist der Platz richtig schön belebt“, freut sich Peter Reicherter. Er und seine Kollegen sind sich einig: Corona ist auf dem Kirchheimer Wochenmarkt noch kein Thema. Und was die Zukunft bringt, wird man noch früh genug sehen.

Es wäre ein Unglück, wenn die Kirchheimer für eine Weile auf die saftigen mailändischen Orangen und die kugelrunden tief violetten Auberginen verzichten müssten. Auch, weil die frischen Vitamine ein bewährtes Mittel gegen lästige Viren sind.

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