Kirchheim

Zum Abitur geht‘s heute nur mit Maske

Aufsätze An vier Gymnasien in Kirchheim beschäftigen sich insgesamt 252 Schüler mit ihrer schriftlichen Prüfung im Fach Deutsch. Corona macht dabei so manches anders. Von Andreas Volz

Bei der Spanisch-Prüfung am Montag hat die Walter-Jacob-Halle Premiere gefeiert: als einziger Prüfungsraum fürs schriftliche „Co
Bei der Spanisch-Prüfung am Montag hat die Walter-Jacob-Halle Premiere gefeiert: als einziger Prüfungsraum fürs schriftliche „Corona-Abitur“ am Kirchheimer Schlossgymnasium. Foto: Carsten Riedl

Eigentlich sollten sie die schriftlichen Prüfungen längst hinter sich haben, die Abiturienten des Abschlussjahrgangs 2020. Doch Corona bringt eben alles durcheinander: Statt am 22. April geht das Abi­tur erst am heutigen Mittwoch, 20. Mai, so richtig los. 252 Abiturienten brüten von 9 bis 14.15 Uhr an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien in Kirchheim über ihren Deutsch-Aufsätzen.

Bereits am Montag gab es eine Art Prolog - mit insgesamt 22 Spanisch- oder Italienisch-Prüfungen, fünf am Schloss- und 17 am Ludwig-Uhland-Gymnasium. Spanisch mag das „Corona-Abitur“ manchen altgedienten „Hasen“ an den Gymnasien ohnehin vorkommen, denn der Aufwand ist enorm: Mindestens doppelt so viele Prüfungsräume wie zu normalen Zeiten werden benötigt, um die vorgegebenen Mindestabstände einhalten zu können. Das erfordert viel Planung und Personal. Immerhin ist das Korrigieren vereinfacht: Erst- und Zweitkorrektor stammen ausnahmsweise von derselben Schule. Die Klausuren müssen also nicht verschickt werden.

Erst einmal sind die Arbeiten aber zu schreiben - von den Schülern. Das Schlossgymnasium hat sich dafür einen ungewöhnlichen Prüfungsraum ausgewählt: die Walter-Jacob-Halle. „Von der Halle und von den Masken abgesehen, ist das aber ein ganz normales Abitur“, meint der stellvertretende Schulleiter Hans-Ulrich Lay. Den Mund-/Nasenschutz brauchen Schüler und Aufsichtskräfte nur für den Weg zur und aus der Halle. Die Abiturienten müssen nicht auch noch fünfeinviertelstundenlang hinter einer Maske schwitzen. Was die Aufsicht betrifft: Am heutigen Mittwoch braucht es am Schlossgymnasium sieben Personen pro Schicht - zwei je Hallendrittel und eine weitere auf dem Gang. Beim Nachtermin ab 16. Juni wird das Verhältnis von Aufsicht pro Schüler wesentlich höher: Heute sitzen 67 Schüler in der Sporthalle. Den Nachtermin dagegen haben nur zwei Schüler gewählt. Dafür reicht ein normales Klassenzimmer aus.

Prüflinge auf 20 Räume verteilt

Am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) hat man sich gegen die Halle entschieden: Für 140 Abiturienten wäre sie ohnehin zu klein. Also verteilen sich die Prüflinge heute auf nahezu 20 Räume. Wegen der Abstandsregelungen sitzen sie dort in Gruppen von acht bis neun Personen - was einen entscheidenden Vorteil hat: „Bei dieser Gruppengröße genügt es, wenn nur eine Aufsichtsperson anwesend ist“, sagt der stellvertretende Schulleiter Dr. Frank Hugel­mann. Weil Lehrkräfte, die zu Corona-Risikogruppen gehören, nicht an der Schule sind, ist der Personalaufwand am LUG ­enorm. Aber der Konrektor betont: „Sicherheit und Gesundheit von Schülern und Lehrkräften hat absoluten Vorrang.“ Deswegen fällt an den vier „Großkampftagen“ - wenn Deutsch, Englisch, Mathematik sowie die Profil- und Neigungsfächer anstehen - auch der Unterricht der Jahrgangsstufe I aus. Für den Nachholtermin hat sich am LUG übrigens nur ein Prüfling angemeldet - einer von insgesamt vier Schulfremden.

Auch an der Max-Eyth-Schule ist der Nachtermin nicht so beliebt: Nur drei Schüler sind es am TG, wie Abteilungsleiter Volker Schniepp mitteilt. An den beruflichen Gymnasien muss aber nicht jeder Deutsch als Prüfungsfach wählen. Deswegen schreiben heute auch nur zehn von 47 Abiturienten einen Aufsatz. Die Sporthalle kommt an der Max-Eyth-Schule zwar nicht zum Einsatz, dafür aber ein großer Saal, in den am Dienstag alle 47 Mathe-Prüflinge passen. Allerdings steht dieser Saal nicht immer zur Verfügung, weil an den Berufsschulen zeitgleich noch etliche andere Abschlussprüfungen über die Bühne gehen müssen.

Gleiches meldet Johannes Baaken von der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule: Auch dort gibt es noch andere Prüfungen außer dem Abitur. An einer Stelle übrigens bildet das WG in Kirchheim die große Ausnahme: Von 96 Abiturienten haben sich gleich 21 für den Nachtermin gemeldet. 35 schreiben heute im Haupttermin den Deutsch-Aufsatz mit. Geschrieben wird in normalen Klassenzimmern - mit maximal 15 Schülern in einem Raum. Wohl für alle 252 Gymnasiasten, die heute in Kirchheim an ihren Aufsätzen feilen, gilt Johannes Baakens Aussage: „Die sind jetzt alle froh, wenn‘s endlich richtig losgeht.“

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