Kirchheim

Zur Freude aller geht‘s jetzt bergab

ICE-Baustelle Die Halbzeit der Tübbing-Produktion feierten sämtliche Beteiligte bei ihrem Bergfest. Im Betonwerk in Kirchheim wird den Arbeitern Höchstleistung bei der schweren Tätigkeit abverlangt. Von Iris Häfner

Dieses Fest haben sich die Schaffer in der Tübbing-Fabrik mehr als verdient. In Elf-Stunden-Schichten produzieren sie in Schwerstarbeit die Betonsegmente, die die Wand im nahegelegenen Albvorlandtunnel der neuen Schnellbahnstrecke Stuttgart-Ulm bilden.

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Nahezu rund um die Uhr herrscht üblicherweise ohrenbetäubender Lärm in der langen und vergleichsweise schmalen Halle im Kirchheimer Gewerbegebiet nahe der Autobahn. Beim „Bergfest“ ist es dort auch nicht mucksmäuschenstill, ein buntes Durcheinander der Stimmen bestimmt an diesem Abend den Geräuschpegel. Es ist eine internationale Truppe, die sich am äußersten Zipfel der Teckstadt angesiedelt hat, um für die künftige ICE-Strecke zu malochen. Aus vielen Teilen Europas arbeiten sie Hand in Hand zusammen, damit das Werk gelingt. „Für einen Abend wollen wir das gesellschaftliche Miteinander in den Mittelpunkt stellen“, sagt Roland Steindl, Leiter des Tübbingwerks bei der Begrüßung.

Das ist gelungen. Die Männer lassen sich den Ochsenbraten mit „Spätzle ond Soß“ schmecken. Jakob Reinartz ist eigens mit seiner mobilen Ochsenbraterei aus Breitenthal nahe des Klosters Roggenburg in Bayerisch Schwaben angereist. Es dauert nicht lange, und von den 346 Kilogramm Schlachtgewicht sind von dem Tier nurmehr beeindruckende Knochen übrig. „Das ist ein Fest für unsere Jungs. Sie sollen zusammensitzen und feiern. Die Hälfte des Wegs ist geschafft“, freut sich Roland Steindl mit seinem Team.

Die erste Hälfte dieses Wegs ist der steinigere Teil, ab jetzt geht‘s bequemer bergab. Sämtliche Kinderkrankheiten sind ausgemerzt, die Produktion läuft dank eingespielter und optimierter Arbeitsabläufe und Routine wesentlich leichter, effektiver und schneller. So dauerte es beispielsweise zu Beginn über eine halbe Stunde, bis ein Tübbing erstellt war - heute schafft das die eingespielte Crew bei optimalen Bedingungen locker unter zehn Minuten, um die über zehn Tonnen schweren Teile in die Form zu gießen. Dr. Andreas Groten, Chef der Kirchheimer Implenia-Baustelle, konnte weitere beeindruckende Zahlen präsentieren. So ist allein die 172 Meter lange, 36 Meter breite und 12 Meter hohe Halle in nur sieben Monaten errichtet worden.

Die ortsnahe Produktion der Tunnelwände hob Jens Hallfeldt, Projektabschnittsleiter der Bahn für den Bereich Albvorland, hervor: „Die Firma Implenia hat sich für den Bau dieses Betonwerks und damit für kurze Wege entschieden. Das ist nachhaltiges Denken und aktiver Umweltschutz.“ Das Bergfest in der Tübbinghalle sei ein Meilenstein. „Hier wird das Herz des Tunnels hergestellt und jeden Tag Höchstleistung abgeliefert, um diese ,Betonmonster‘ herzustellen“, sagte er.

„Das ist schon fast unsere Baustelle“, erklärte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Eine Landmarke sei sie auf jeden Fall, erst recht in der Nacht. Bei einem Nachtflug von Wien kommend konnte sie dank der hellen Beleuchtung ganz klar ihre Heimatstadt ausmachen. Trotz der baustellenüblichen Begleiterscheinungen wie Lärm und Dreck sei Kirchheim sehr glücklich, dass die Hochgeschwindigkeitszüge im Tunnel an der Stadt vorbeifahren.

Knapp über die Hälfte der Tübbinge für den Tunnel sind fertiggestellt und lagern nun in der riesigen Halle. Fotos: Carsten Riedl
Knapp über die Hälfte der Tübbinge für den Tunnel sind fertiggestellt und lagern nun in der riesigen Halle. Fotos: Carsten Riedl