Kirchheim

Zusammen kämpft sich‘s besser als allein

Agenda Viele Gruppen setzen sich rund um die Teck für mehr Nachhaltigkeit ein. Um stärker zu werden, schließen sie sich zu einem Forum zusammen. Von Antje Dörr

Vor rund 60 Teilnehmern erläuterten Hans Dörr (links) und Heinrich Brinker die Idee des „Forums Agenda 2030“. Foto: Jean-Luc Jac
Vor rund 60 Teilnehmern erläuterten Hans Dörr (links) und Heinrich Brinker die Idee des „Forums Agenda 2030“. Foto: Jean-Luc Jacques

Nachhaltigkeit ist ein Topthema. Zu Recht: Schließlich ist seit Jahren bekannt, dass die Menschen ihren Umgang mit der Erde verändern müssen, wenn sie ihren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen. Und doch scheinen viele zu verdrängen, wie ernst die Lage ist. „Es fehlt die Dringlichkeit in der Debatte“, findet Heinrich Brinker vom „Bündnis gegen TTIP“. Auf lokaler Ebene sollen die Kräfte nun gebündelt werden im Kampf um mehr Nachhaltigkeit: Heinrich Brinker und Hans Dörr von „attac Kirchheim“ wollen ein „Forum Agenda 2030“ gründen, unter dessen Dach Gruppen und Organisationen zusammenarbeiten, die sich schon heute für mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Die Resonanz der rund 60 Vertreter der beteiligten Gruppen, unter ihnen Pax Christi, DGB, BUND Kreis Esslingen, Schmeck die Teck, Teckwerke und Weltladen, fiel positiv aus. Per Handzeichen sprach sich eine große Mehrheit für die Gründung des „Forums Agenda 2030“ aus. In einem ersten Schritt wollen die Initiatoren eine Internetseite schaffen, die Außenstehenden den Zugang zu Informationen ermöglicht und den beteiligten Gruppen und Organisationen als Austausch- und Kommunikationsplattform dient. „Es ist ein Forum, auf dem wir unabhängig sind und selbst die Inhalte bestimmen können“, sagt Heinrich Brinker. Bis Ende des Jahres soll die Seite stehen.

Inspiration für ihre Arbeit finden die Initiatoren in den „Globalen Zielen für Nachhaltige Entwicklung“ (auf Englisch: Sustainable Development Goals oder SDG’s), die die Vereinten Nationen 2015 auf den Weg gebracht haben. Die Regierungen der 193 Mitgliedsstaaten sollen diese Ziele umsetzen. Auch die Kommunen machen mit. „Erfreulicherweise unterstützt der Kirchheimer Gemeinderat die Agenda 2030“, sagte Hans Dörr von „attac“.

Mit der Lokalen Agenda 21, die von der Stadtverwaltung ins Leben gerufen wurde, gibt es in Kirchheim bereits ein Dach für alle Gruppen, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen - zum Teil schon seit vielen Jahren. Das „Forum Agenda 2030“ wolle keine Doppelstrukturen aufbauen, betonen die Initiatoren. Ganz im Gegenteil: „Wir verstehen uns als kritisch-konstruktive Begleiter dessen, was die Stadt macht“, sagt Hans Dörr. Nachhaltigkeit sei kein Kuschel-Thema, sondern mit vielen unbequemen Forderungen verbunden. Eine Kommune könne niemals so kritisch sein wie ein solches Forum.

„Die Grüne Lüge“

Wie viel Schindluder mit dem Begriff Nachhaltigkeit getrieben wird, zeigte der Film „Die Grüne Lüge“, den sich die Teilnehmer im Anschluss im Kino Tyroler ansahen. Regisseur Werner Boote und die Journalistin Katrin Hartmann decken darin auf, wie Unternehmen versuchen, ihr Image mit allerlei ökologischen Versprechen aufzupolieren. Der Film ist ein wütender Appell an die Politik, die Verantwortung für menschenwürdige und umweltschonendere Produktionsbedingungen nicht den Konsumenten aufzubürden, sondern der Naturzerstörung und Ausbeutung selbst den Riegel vorzuschieben.

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