Kirchheim

Zuwachs auf allen Ebenen

Der Kirchheimer Eine-Welt-Verein freut sich über das erfolgreichste Jahr seines Weltladens seit der Gründung

Der Kirchheimer Weltladen verzeichnet viel Plus: Beim Umsatz, der Zahl der Mitarbeitenden, bei Projekten, Plänen, Partnerschaften und deren Umsetzung.

Kirchheim. „Mehr“ ist normalerweise keine Maxime im Denken und Handeln der Aktiven des Eine-Welt-Vereins Kirchheim. Es sei denn, sie ziehen in ihrer Mitgliederversammlung die Bilanz des Vorjahres ihrer Geschäftsstelle, des Weltladens, den sie in der Dettinger Straße selbstbewusst als Fachgeschäft für Fairen Handel betreiben. In der Rückschau auf 2015 kommen sie um den Begriff „Mehr“ nicht herum.

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„Die zurückliegenden zwölf Monate waren arbeitsreich, abwechslungsreich und erfolgreich“, bilanzierte Songard Dohrn, die Vorsitzende und begann aufzuzählen. Die Zahl der Mitarbeitenden betrage jetzt über 40. Alle arbeiteten ehrenamtlich, mit drei Ausnahmen: Den qualifizierten Fach- und Führungskräften im Fairen Handel. „Damit dürften wir auch für die Zukunft gut aufgestellt sein“, freute sich die Vorsitzende und fuhr fort, von Erfolgen zu sprechen. Die verzeichne der Verein auch bei dem, was er sonst noch alles auf die Beine stellt. Songard Dohrn und ihre Mitstreiter im Eine-Welt-Verein werben unermüdlich dafür, wie Fairer Handel erfolgreich funktionieren kann und wie wichtig er ist für eine gerechte und soziale Zukunft weltweit.

Diese Zukunft hat hoffnungsvolle Farben, zu sehen auf den Bildern der Ausstellung zweier junger Künstler, die im Mai die Wände im Weltladen geziert hatten. Das nächste Großprojekt wird die Einführung der regio-fairen Stadtschokolade, eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Weltladen, Steuerungsgruppe Fair Trade Town und der Produzentin Sandra Hornung vom Sulzburghof in Lenningen. Songard Dohrn: „Ein guter Beweis dafür, dass sich Regionalität und Fairer Handel gut miteinander verbinden lassen.“ Die Familienbildungsstätte biete außerdem im Herbst einen Basis-Kochkurs mit fair gehandelten und regionalen Lebensmitteln an. Auch beim Nachhaltigkeitstag der evangelischen Kirchengemeinde Lindorf und Ötlingen an Christi Himmelfahrt war der Weltladen Kooperationspartner. Dann sei es Zeit geworden, viel Geld mit viel Sinn und Verantwortung auszugeben. 5 000 Euro spendete der Verein an die „Landkauf Heiveld-Kooperative Südafrika.“ Diese will mit dem Geld eine Farm zum Anbau von Bio-Roiboos-Tee in Südafrika kaufen. Für die Kleinbauern bedeute dies einen wichtigen Schritt in eine sichere Existenz und eine selbstbestimmte Zukunft.

Sehr erfolgreich und motivierend für beide Seiten laufen nach Songard Dohrns Worten die beiden Schulkooperationen mit Raunerschule und Schöllkopfschule. Mit beiden Bildungseinrichtungen betreibe der Verein seit mehreren Jahren eine Bildungspartnerschaft. Während der Verein für diese Arbeit in die Schulen geht, brauche er für seine Arbeit mit anderen Klassen und Gruppen ein „Mehr“ vor Ort – mehr Platz. Für diese Arbeit und fürs monatliche Ladentreffen des gesamten Teams würde man gerne einen größeren Raum in der Nähe des Weltladens mieten. Ihr Appell an die Anwesenden: „Wer etwas weiß, bitte melden.“

Auch andere Vereinsmitglieder wurden aktiv: Mehrere Bildungseinheiten zum Fairen Handel für das Ladenpersonal boten Marianne und Ingo Wiesenfarth an. Das Bildungsprojekt BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung), das Hans-Werner Schwarz bei der Stadt Kirchheim angestoßen habe, sei am Werden. Man wolle den Schulen ein Angebot machen, sich Referenten zu verschiedenen Themen aus dem Bereich „Globales Lernen“ einladen zu können.

Ein neues Gesicht gibt es im Vorstands-Quintett. Dorothee Mühlenbruch gibt ihre Aufgabe als Beisitzerin aus beruflichen Gründen an Iris Beuter-Rusko ab. Die anderen vier bekamen ebenso wie diese das einstimmige Votum der Mitglieder: Songard Dohrn als Vorsitzende, ihre Vize Barbara Fischer, Protokollführerin Ursula Bombera und Kassenverwalterin Barbara Schneider.

Letztere konnte sich angesichts der ausführlichen Vorarbeit Dohrns kurz fassen. Das Fazit der Finanzfachfrau: Der Weltladen stehe gut da, beim Umsatz ebenso wie beim Personalstand.

Den Schlusspunkt unter die Versammlung setzte eine angeregte und lange Diskussion unter den Anwesenden über Sinn, Umsetzung und Ziele des Fairen Handels. Unter anderem wurde angefragt, ob nicht die Stadt Kirchheim als Fairtrade Town dem Eine Welt Verein kostenlos Räumlichkeiten für die Bildungsarbeit zur Verfügung stellen könne. Dies sei ja auch der Fall bei der Volkshochschule, der Familienbildungsstätte und anderen Einrichtungen. Diese Ansinnen fand bei den Vereinsmitgliedern breite Zustimmung. mk