Bissingen will mit eingespartem Stromgeld energetisch sanieren und Photovoltaik finanzieren
Statt Ökostrom PV-Module aufs Rathausdach

Über die Bündelausschreibung „Strom von der Stange“ oder aber den teureren Ökostrom zu beziehen, vor dieser Wahl ist auch der Bissinger Gemeinderat gestanden. Er hat sich dafür entschieden, das beim Verzicht auf Ökostrom eingesparte Geld in Photovoltaik und energetische Sanierung im Ort zu ­stecken.

Bissingen. Die Teilnahme an der sogenannten Bündelausschreibung für den kommunalen Strombedarf war weder für die Bissinger Verwaltung noch den Gemeinderat die große Frage, bringt sie doch für die Gemeinde gewisse Vorteile mit sich. So übernimmt der Neckar-Elektrizitätsverband die Ausschreibungskosten für seine 176 Mitglieder, bestehend aus Gemeinden, Städten und Landkreisen in Baden-Württemberg. Der Strom wird nach einer europaweiten Ausschreibung zwei Jahre lang ab dem 1. Januar 2014 geliefert.

Im Rahmen dieser Bündelausschreibung besteht die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen. Entweder aus bereits vorhandenen Anlagen oder aus sogenannten Neuanlagen. Das heißt, mindestens ein Drittel des gelieferten „grünen“ Stroms muss aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre sind und ein weiteres Drittel des Ökostroms müssen Anlagen liefern, die nicht älter als zwölf Jahre sind.

Dabei haben die Bezieher des grünen Stroms nach Auskunft des Gemeindetags Baden-Württemberg mit Mehrkosten von fünf bis zehn Prozent zu rechnen, abhängig davon, ob mit oder ohne Neuanlagenquote.

Bei jährlichen Stromkosten in der Seegemeinde von rund 70 000 Euro im Verbrauchsjahr 2011 würden sich die Mehrkosten für den Ökostrom auf jährlich 3 500 bis 7 000 Euro belaufen. Deshalb schlug Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf vor, „angesichts eines erheblichen Nachholbedarfs“, diesen Differenzbetrag anzusparen und damit zum Beispiel eine Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach zu finanzieren. „Davon profitiert auch das örtliche Handwerk“, argumentierte der Bürgermeister, der sich außerdem auch eine energetische Sanierung der Alten Schule in Ochsenwang, des Schulgebäudes in Bissingen und der Alten Schule in der Vorderen Straße vorstellen konnte.

Siegfried Nägele war damit einverstanden: „Am Besten ist der Strom, den man nicht verbraucht und den man durch Dämmen und Sanieren einsparen kann.“ Dagegen hätte Gabi Goebel gerne „aus pädagogischen Gründen“ für die Bissinger Schule Ökostrom bezogen. Sie konnte sich aber auch mit dem Verwaltungsvorschlag anfreunden, da Bürgermeister Marcel Musolf zusicherte, im dreijährigen Zyklus über den Stand des angesammelten Geldes zu berichten und nach fünf Jahren dem Gemeinderat mitzuteilen, wofür der Betrag letztendlich verwendet wurde.

So wurde der Antrag der Verwaltung schließlich vom Ratsgremium der Seegemeinde einhellig befürwortet.