In Owen wurde der historische Rundgang mit 18 Stationen eröffnet – Irrtum ans Licht gebracht
Steinkreuz, Schule und Stadtgraben

Die Idee zu einem historischen Rundgang durch Owen hatte der Verein „Alt-Owen Förderkreis“ schon im Februar 2004. Ein rundes Jahr später wurden die ersten drei Tafeln montiert. Zum 750-jährigen Bestehen der Gemeinde folgten nun weitere 15. Damit ist der interessante Rundgang komplett.

Owen. „Owen ist nur als Anhängsel der Burg Teck bekannt“, bedauert Rainer Laskowski, Erster Vorsitzender des Alt-Owen Förderkreises. Er rechnet damit, dass durch den neuen Rundgang viele Fremde nach Owen kommen. Zum ersten geführten Rundgang kamen am Samstagnachmittag rund 80 Interessenten, sie wurden in Gruppen aufgeteilt – und begegneten sich im überschaubaren Owen immer wieder.

Zum Gelingen des Rundgangs haben viele beigetragen. Finanziert wurden die Infotafeln von der Gemeinde, dem Alt-Owen Förderkreis, der evangelischen Kirchengemeinde und von Spendern. Doch es ging nicht nur, wie Bürgermeisterin Verena Grötzinger betonte, um das Erstellen der Tafeln. Zuerst musste gründlich recherchiert werden, dabei kam so mancher bisherige Irrtum ans Licht. Dazu trugen auch viele Owener bei, die ihre Häuser öffneten. Sie ließen zu, dass für eine dendrochronologische Untersuchung ihre Holzbalken angebohrt wurden. So auch in der Teckstraße 15, doch leider wurde das 1573 erbaute Haus beim Erstellen der Infotafel zur ältesten Häuserzeile Owens vergessen. Also machte der Besitzer als Ergänzung sein eigenes Infoblatt und hängte es an seinen Zaun. Bei den Infotafeln des Rundgangs, so der Geschichtsexperte Rolf Götz bei der Führung, lasse sich die Folie austauschen. Ein „Update“ kann also folgen.

Die Peterskapelle wurde an einer Stelle erbaut, an der einer Owenerin mehrmals der Apostel Petrus erschienen sein soll. Götz wies darauf hin, dass die Infotafel von einer „angeblichen“ Erscheinung spricht. Bis 1966 wurde das Gebäude als Pfarrhaus genutzt, heute beherbergt es Musikschule und Kinderbetreuung. Das Baujahr des Stadtpfarrhauses gibt wenig Rätsel auf, die in Stein gemeißelte Jahreszahl 1579 verbirgt sich jedoch hinter der Regenrinne.

Das Steinkreuz von 1722 am Mühlkanal, die fünfte Station des Rundgangs, erinnert an den tragischen Tod des 17-jährigen Jacob Kerner. Er sei „nächtlicherweil durch einen unglücklichen Straich entleibet worden“, ist im Sterberegister zu lesen. Wahrscheinlich, so Götz, handelte es sich um Totschlag.

Am heutigen Stadtarchiv gibt eine Wandaufschrift detaillierte Auskunft: Hier habe Herzog Ludwig von Teck 1282 eine Beginenklause gegründet, das Haus sei 1430 urkundlich erwähnt und 1465 wiederhergestellt worden. Die Aufschrift basiert auf der Ortsgeschichte des Owener Pfarrers Paul Rooschüz. Doch sie ist leider komplett falsch, die neue Infotafel weiß es besser. Das Fachwerkhaus, das zeigten die Jahresringe seines Holzes, wurde erst 1498 gebaut. Wofür es Jahrhunderte lang genutzt wurde, ist unbekannt. Erst ab 1724 lassen sich Besitzer nachweisen.

Die Sybille von der Teck-Schule wurde am 21. April 1945 bei einem Fliegerangriff zerstört, nur der steinerne Sockel blieb. Bis 1949 wurde in Gastwirtschaften unterrichtet. Am Stadtgraben am ehemaligen Kirchheimer Tor klärte Götz über Hintergründe des Angriffs auf. Durch einen Unfall landete ein amerikanischer Panzer im Graben. Dies wurde als Sabotageakt interpretiert, auf den die Vergeltung folgte. Neben den beiden Toren an der Hauptstraße gab es noch ein drittes Stadttor, was Owen schwieriger zu verteidigen machte. Offensichtlich hätten die Owener, kommentierte ein Teilnehmer der Führung, keine richtige Angst vor den Dettingern gehabt.

Ursprünglich verlief die Talstraße unterhalb des Ortes. Als sie mitten durch den Ort verlegt wurde, mussten Reisende durchs Lenninger Tal nicht nur eine zusätzliche Steigung erklimmen, sondern auch noch Zoll zahlen. Das Backhaus wurde 1808 gebaut, trotz der Brandgefahr mitten in der Stadt. 1923 folgte ein weiteres Backhaus in der Vorstadt. Beide sind bis heute regelmäßig in Betrieb.

„Es hat lange gebraucht, bis die historische Wahrheit gesiegt hat“, sagte Götz zur Bernhardskapelle. Die fehlerhafte bisherige Zeittafel wurde entfernt und durch die neue Infotafel ersetzt. Eine Besonderheit der Kapelle – die ein Jahrhundert lang als Bauernhaus genutzt wurde – ist, dass die Fresken nie übermalt wurden. So blieb Owen ein Kleinod erhalten.

Der historische Rundgang endet am Rathaus. Wer die Infotafeln gründlich liest und sich alles genau ansieht, kann bis dorthin mehrere Stunden verbringen. Zwar zeigten die Owener beim Rundgang, dass sie mit ihrer Ortsgeschichte sehr gut vertraut sind. Dennoch freute sich eine Teilnehmerin: „Man erfährt als alte Owenerin doch noch etwas Neues.“

 

INFO: Zum Rundgang gibt es ein Heft mit Infos zu den Stationen. Es ist bei der Stadtinfo am Rathaus erhältlich, Telefon 0 70 21/80 06-0, und unter www.owen-feiert.de. Weitere Führungen folgen am 15. Mai, 19. Juni, 17. Juli, 21. August und 11. September 2011.