Kirchheim. Wer hätte gedacht, dass die britische Nationalhymne einmal zugunsten der Dachsanierung in der Martinskirche erschallen wird? Nein,
nicht mit „God Save the Queen“ (das wäre dann freilich doch etwas unpassend gewesen), sondern mit der Melodie von „Land of Hope and Glory“ – der gewissermaßen zweiten Hymne Großbritanniens – huldigten die Chöre vom Frohsinn Ötlingen, der Eintracht Kirchheim und des Liederkranzes Kirchheim dem englischen Komponisten Edward Elgar.
Zu seiner schwungvollen Melodie, allerdings mit dem deutschen, weniger patriotischen Text „Klänge der Freude“ versehen, gelang den drei Chören ein gelungener Auftakt. Mit dem Klassik-Highlight von J. S. Bach „Jesus bleibet meine Freude“ wurde der Sangesabend unter der Leitung von Thilo Frank feierlich eröffnet, begleitet von Ralf Sach an der Orgel.
Die weitere beliebte Bach-Kantate „Air“ wurde unter der Führung von Robert Kast vom „Happy-Voices“-Ensemble mehrstimmig vorgetragen. Mit dem irischen Traditional „A Irish Blessing“ brillierte der Sing-Out-Chor. Das großartig vorgetragene „Gloria“ wurde von Bernd Reichenecker dirigiert und erwies sich, ebenso wie das Spiritual „The Battle Of Jericho“, als ein weiterer Höhepunkt des Konzerts in der voll besetzten Martinskirche.
Mit dem Text „Mondnacht“ von Josef von Eichendorff, zeigten sich im besten traditionsreichen Sinne die Männerchöre mit Sängern aus Jesingen, Ötlingen und Kirchheim. Mit Franz Schuberts „Deutsche Messe – zum Sanctus“ („Heilig, heilig, heilig“) überzeugte der Männerchor mit Samuel Kastner an der Spitze mit Klarheit und Harmonie. Musikalisch ist die Deutsche Messe schlicht und eingängig und von diatonischer Melodik sowie einer gleichmäßigen Rhythmik geprägt. Gerade diese durchgängige Aufrichtigkeit macht dieses Stück zu einer Perle des Chor-Gemeindegesangs, zeigt es doch, dass Schubert seinen Weltruhm insbesondere als Liedkomponist erlangt hat.
Zurück in die Moderne: Mit Eric Claptons Ballade „Tears in Heaven“ und Michael Jacksons „Heal the World“ hatten sich „Happy Voices“ nicht gerade zwei einfache Songs des Pop-Genres herausgesucht. Jacksons Popballade ist ein Appell, die Welt zu heilen und diese zu einem besseren Ort hin zu verändern. Claptons melancholisches Stück behandelt seine Trauer nach dem Unfalltod seines vierjährigen Sohnes Conor. Mit viel Gefühl hat sich „Happy Voices“ diesem Stück angenähert.
Glücklich mit ihren Interpretationen konnten auch „Chorios“ aus Lindorf und die „Jesinger“ sein. Geleitet und begleitet am E-Piano von Gunther Rall und Hans-Jakob Zimmer wurde der überwiegend angelsächsische Gesangsreigen mit „Sing to the Lord“ und „Gospel Mass-Acclamation und Sanctus“ vollendet.
Die Kirchheimer Chöre präsentierten sich als ein disziplinierter Klangkörper, der ausgesprochen homogen und ausgewogen konzertierte. Ein anregender Abend für einen guten Zweck, der die reichhaltige Bandbreite der Chormusik widerspiegelte und der mit einem „Irischen Segenswunsch“ unter der Mitwirkung aller Chöre ein gediegenes Finale fand.
