Wer „Targi“ zum ersten Mal spielt, geht am besten auf Tuchfühlung: Wenn sich die Kontrahenten nämlich nebeneinander an den Tisch setzen, können beide die Spielanweisungen auf den ausgelegten Karten bequem lesen. Ein Problem ist das nicht, denn bei „Targi“ gibt es keine Geheimniskrämerei: Beide Spieler dürfen lediglich eine Handkarte besitzen – und auch die ist dem Gegner bekannt. Der Rest des Spielmaterials liegt im wahrsten Sinne des Wortes offen auf dem Tisch. Dass beide Spieler stets auf dem gleichen Wissensstand sind – oder es zumindest sein können – macht „das hitzige Spiel für zwei um Datteln, Salz und Pfeffer“ zu einem spannenden und strategischen Spiel, das Aufmerksamkeit und Weitblick fordert. Leichtsinn, Unachtsamkeit und vorschnelles Handeln rächen sich allerdings schnell. In „Targi“ geht es darum, sich einen möglichst gut aufgestellten Tuareg-Stamm aufzubauen. Dazu brauchen die Spieler Gold, Salz, Pfeffer und Datteln – und die passenden Stammesmitglieder samt Infrastruktur. All das müssen sich die Kontrahenten durch geschicktes Taktieren erarbeiten. Als genialer Schachzug des Spiele-Autors erweist sich der innovative Einsetz-Mechanismus von „Targi“: Die Spieler dürfen abwechselnd ihre drei Figuren auf den fest vorgegebenen Spielfeld-Rand einsetzen. Ausführen können sie aber nicht nur die darauf vermerkten Aktionen. Sie dürfen auch die Karten des sich ständig verändernden Innenfelds nutzen, die sich an den Kreuzungspunkten der Figuren befinden. Für den Wechsel der Karten im Innenfeld hat der Autor übrigens auch eine geniale Lösung gefunden: Dort regelt – wie beim Handel – die Nachfrage das Angebot. Möglich ist es natürlich auch, den Gegner durch geschicktes Einsetzen zu beeinflussen und zu blockieren – allerdings nicht so sehr, dass er handlungsunfähig ist. Und damit endet das Taktieren noch nicht. Ein Knackpunkt ist die Reihenfolge, in der ein Spieler seine Aktionen ausführt. So lassen sich manche Karten nur dann nutzen, wenn zuerst eine andere Aktion ausgeführt wurde. Neben den taktischen Elementen spielt natürlich auch das Glück eine Rolle, beispielsweise beim Kartenaufdecken. Für Würze sorgt überdies der Räuber, der die Spieldauer auf rund eine Stunde begrenzt und immer wieder Aktionsfelder blockiert und die Spieler bei berechenbaren Raubzügen um Rohstoffe oder Siegpunkte erleichtert. Fazit: „Targi“ ist ein spannendes, ausgeklügeltes Zweierspiel mit vielen – aber nicht zu vielen – taktischen Elementen. Der variable Spielplan und die große Anzahl pfiffiger Aktionskarten sorgen dafür, dass jede Partie anders verläuft und sich das Spiel nicht „abnutzt“.bil
Strategische Wüsten-Partie
