In Bissingen und Nabern sind zehn Menschen an Q-Fieber erkrankt
Symptome wie bei einer Grippe

Seit Ende April haben sich in Bissingen und Nabern zehn Menschen mit dem Q-Fieber-Erreger infiziert. Er wird in der Regel von Schafen und Ziegen übertragen. Wo der Erreger genau herkommt, weiß man im Landratsamt jedoch noch nicht.

Bissingen/Kirchheim. Alle Jahre wieder, meistens im Frühjahr, geht rund um die Teck das Q-Fieber um. In Bissingen sind aktuell acht Menschen erkrankt, in Nabern zwei. „Von einem Ausbruch sprechen wir seit Ende April“, sagt Dr. Albrecht Wiedenmann, Sachgebietsleiter für Infektionsschutz und Umwelthygiene im Gesundheitsamt. Die gemeldeten Fälle hätten alle behandelt werden müssen, in der Regel mit Antibiotika. Komplikationen habe es seines Wissens nach keine gegeben. „Wenn es bei der Zahl bleibt, sprechen wir von einem kleinen Ausbruch“, so Wiedenmann. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr erkrankten 15 Menschen, 2009 nur einer. Zu großen Ausbrüchen kam es 2006 und 2004, als 42 beziehungsweise 46 Menschen behandelt werden mussten.

Allerdings sei die Dunkelziffer bei Q-Fieber sehr hoch, weil sich die Krankheit anfühle wie eine Grippe, so Dr. Wiedenmann. Bei 50 Prozent der Fälle verlaufe das Q-Fieber in der Regel ohne Beschwerden oder mit schwachen, grippeähnlichen Symp­tomen. Die Ärzte in Bissingen und Umgebung seien jedoch für die Infektion sensibilisiert. Die andere Hälfte der Patienten zeige Anzeichen einer starken Grippe mit Kopfschmerzen, hohem Fieber und Muskelschmerzen. In selteneren Fällen könne es zu schweren Lungenentzündungen kommen. Komplikationen gebe es nur in einem Prozent der Krankheitsfälle, beruhigt Wiedenmann. Betroffen seien Menschen, die einen Herzklappenfehler hätten. Auch bei Schwangeren könnten Komplikationen auftreten.

Bei der Frage, wo der Erreger herkommt, tappt das Gesundheitsamt bisher noch völlig im Dunkeln. „Dieses Jahr gestaltet sich die Suche schwieriger als sonst“, sagt Dr. Wiedenmann. Im vergangenen Jahr hatte es in einer Schaf- und Ziegenherde in Bissingen viele Fehlgeburten gegeben – ein Indikator für Q-Fieber, da es bei erkrankten Tieren häufig zu Fehlgeburten kommt. Nachdem der Erreger in den Kadavern nachgewiesen worden war, rückten der Tierseuchenbekämpfungszug gemeinsam mit dem Katastrophenschutz und der Feuerwehr an, um den Mist in dem betroffenen Stall zu desinfizieren. Anschließend wurde der Stall geschlossen.

„Eine solche Infektionsquelle gibt es in diesem Jahr nicht“, sagt Dr. Gerhard Stehle, Leiter des Veterinäramts. Deshalb werde nun stichprobenartig Blut bei Schaf- und Ziegenherden abgenommen, vor allem bei Mutterschafen, die kürzlich Junge geboren hätten. Dass der Ausbruch des Erregers auf Hygienemängel zurückzuführen sein könnte, wie es bei einer Informationsveranstaltung in Bissingen im vergangenen Jahr unterstellt wurde, davon will Dr. Stehle nichts wissen. „Der Erreger kommt in der Natur vor und hält sich lange Zeit, zum Beispiel im Staub“, so der Amtsleiter. „Da genügen kleinste Mengen, um sich zu infizieren.“