Bei einem Workshop blickten die Teilnehmer in die Zukunft von Owen im Jahr 2040
Szenarien zum Landschaftsbild

Einen Blick in die Zukunft der Kulturlandschaft von Owen haben die Teilnehmer eines Workshops geworfen, den eine Forschergruppe veranstaltet hatte.

Owen. Zusammen mit Bürgern und Fachleuten aus der Gemeinde diskutierten die Wissenschaftlerinnen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, des Öko-Instituts und der Universität Freiburg über die Fragen: Welche Wünsche und Befürchtungen gibt es in Bezug auf das Landschaftsbild? Was bedeutet das für die Lebensqualität? Und welche Möglichkeiten gibt es, die Entwicklungen zu beeinflussen?

Szenarien zum Landschaftsbild der Schwäbischen Alb im Jahre 2040 wurden in der Bernhardskapelle von Owen entwickelt. „Die Menschen hier leben in einer einzigartigen Landschaft, die durch traditionelle Nutzungsformen und wertvolle Artenvielfalt geprägt ist“, führte Bettina Ohnesorge aus, die in der Forschungsgruppe zum Thema Ökosys­temleistungen arbeitete. Die Wertschätzung der Landschaft war auch ein großes Thema während des Workshops. „Die Streuobstwiesen sind unsere Heimat“, brachte es Teilnehmer Helmut Reichenecker auf den Punkt.

Doch was passiert, wenn kein Interesse bei der Bevölkerung besteht, diese Landschaft zu erhalten, oder wenn der Aufwand hierfür zu groß wird? Hinzu kommt, dass zunehmend globalere Entwicklungen das Landschaftsbild prägen: zum Beispiel im Bereich erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe.

Das Unglück im japanischen Fukushima und die aktuellen EHEC-Infektionen nahm die erste Gruppe zum Anlass, von einem wachsenden Bewusstsein der Bewohner für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Region auszugehen. In ihrem „Erfindergeist“-Szenario werden brachliegende Flächen rekultiviert. Mithilfe der „Schwäbischen Tüftler“ kommt es zu intelligenten Lösungen, Energie lokal zu speichern, sodass die heimische Kulturlandschaft erhalten bleibt und eine prosperierende Region entsteht.

Einen weniger erfreulichen Weg wählte die zweite Gruppe und nannte diesen „Vom Streuobst-Paradies zum Energiesilo“. Windeenergieanlagen auf der Burg Teck und am Albtrauf sowie die Bepflanzung der Streuobstwiesen mit schnellwachsenden Gehölzen war ihr „Schreckensszenario“. Zwar führe dies zu hohen Einnahmen, doch die Lebensqualität der Bewohner und die Artenvielfalt würden schwinden. Regionale Lebensmittel würden nicht mehr auf dem Markt erhältlich sein.

Die Wissenschaftlerinnen zeigten sich begeistert von der Kreativität der Teilnehmer. Ihnen ging es in dieser „Denkwerkstatt“ besonders um Ökosystemleistungen – also um den vielfältigen Nutzen, den Menschen beispielsweise aus Landschaften erzielen. Der Workshop zeigte ihnen, dass den Bewohnern vor allem der Wert der kulturellen Leistungen „ihrer“ Landschaft bewusst ist. Bewahren ist ein aktiver Prozess, waren sich die Forscherinnen einig. Und er sei nicht selbstverständlich. Schließlich müsse es sich lohnen, die Äpfel der Streuobstwiesen aufzulesen und zu verarbeiten, wenn man die Kulturlandschaft pflegen will. „Hier ist auch die Politik gefragt“, schlussfolgerte Bettina Ohnesorge.

Der Workshop verdeutlichte den Teilnehmern, wie groß ihre Wertschätzung für „ihre“ Landschaft und die damit einhergehende Lebensqualität ist. Sie sahen den Workshop als Anstoß, über den Erhalt der Landschaft, aber auch notwendige Änderungen nachzudenken. „Die Zukunft wird Veränderung bringen“, resümiert Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger. „Aber es lohnt sich, rechtzeitig darüber nachzudenken, wie wir das tun.“pm