Diakon Wolfgang Burlein wurde von Dekanin Renate Kath in den Ruhestand verabschiedet
Töpferscheibe als neue Herausforderung

Mit einem Gottesdienst von Dekanin Kath in den Ruhestand verabschiedet zu werden, ist zweifellos eine große Ehre. Dass die Auferstehungskirche voll besetzt war, belegte überdeutlich, dass Diakon Wolfgang Burlein einen solchen Abschied voll und ganz verdient hat.

Kirchheim. Nach seiner 23-jährigen Dienstzeit in Kirchheim, die in der äußeren Wahrnehmung wohl vor allem geprägt war von zahlreichen Jakobswanderungen, unterschiedlichsten begleiteten Radtouren, Einladungen zum Urlaub ohne Koffer oder aber auch der gelebten Gemeinschaft in der Vesperkirche verabschiedet sich Diakon Wolfgang Burlein – für viele zweifellos viel zu früh – in den Ruhestand.

Untrennbar verbunden war mit seinen äußerst beliebten Freizeit-Angeboten oft auch ein sich immer wieder herauskristallisierender seelsorgerischer Bedarf, der den im Prinzip ja eigentlich „nur“ begleitenden Diakon immer wieder weit über die routinemäßig eingeplanten Herausforderungen eines offenen Freizeitangebots forderte.

Dekanin Renate Kath machte bei der offiziellen Verabschiedung von Diakon Wolfgang Burlein kein Geheimnis daraus, dass es ihr grundsätzlich widerspricht, dass „ein so junger Mensch schon gehen will“. Dennoch appellierte sie gut gelaunt an die versammelten Besucher, dass der Abschied von Diakon Wolfgang Burlein nun einmal gefeiert werden solle, und zwar unabhängig davon „ob wir wollen oder nicht“.

Neben Ulrike Schmid, Geschäftsführerin der Diakoniesozialstation, und Ingrid Riedl, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim, nutzte auch Marta Bernecker im Namen der unzähligen Teilnehmer der von Wolfgang Burlein organisierten Wander- und Radtouren die Gelegenheit, sich bei ihm für sein immer weit über die rein organisatorische Verpflichtung hinausreichendes Engagement zu bedanken.

Wolfgang Burleins Einsatz als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung wurde bei der Feierstunde von seinem Nachfolger Thomas Jäger ebenfalls entsprechend gewürdigt. Beim Blick zurück ist Wolfgang Burlein ungemein dankbar für das große Vertrauen und die Freiheit, die ihm in der erstmals geschaffenen Stelle gewährt wurde. Ohne einen Vorgänger, dessen Handschrift er übernehmen und in dessen vorgegebenen Fußspuren er sich hätte zurechtfinden müssen, hatte er weitgehend freie Hand bei seinem altersbedingt schon frühzeitig abgegebenen Bemühen um Jugendliche einerseits und um ältere Menschen andererseits, die mit entsprechenden Angeboten umworben werden wollten.

„Harter Kritik“ eines Überraschungsgastes musste sich Wolfgang Burlein bei seiner zuvor völlig harmonischen Abschiedsfeier in der Auferstehungskirche auch noch stellen.

Pfarrer Brändle aus Weilheim forderte den in den Ruhestand übergehenden und noch viel zu jugendlich daherkommenden Diakon mit kabarettistischer Bissigkeit nachhaltig dazu auf, endlich „den Gang nach Canossa“ anzutreten statt weiterhin „religiöse Wellnessprogramme“ anzubieten. Statt Menschen im Jammertal des Lebens zu begleiten, habe der zu verabschiedende Aktivist bewusst das Donautal und die dort vorzufindenden Radwege vorgezogen und immer wieder mutwillig den Eindruck erweckt, dass das Leben auch Spaß machen könne, lautete der gut gelaunte Vorwurf des einmal mehr als Kabarettist überzeugenden Weilheimer Pfarrers Peter Brändle. Dem charismatischen Ruheständler bestätigte er, dass er jederzeit auch als „Coverboy“ für einen renommierten Herrenausstatter eine gute Figur machen könne.

Um seine Zukunft ist Wolfgang Burlein nicht bange, denn er hat genügend Aufgaben, denen er sich im bevorstehenden Ruhestand verstärkt widmen möchte. Seine längst in professioneller Qualität ausgelebte Leidenschaft für das Töpfern will er endlich auch noch um die neue Herausforderung der ihn brennend interessierenden Raku-Technik bereichern.

Die ihm neu zur Verfügung stehende Zeit will Diakon Wolfgang Burlein vor allem aber auch dazu nutzen, einem restaurierungsbedürftigen Oldtimer endlich wieder zu neuem Schwung zu verhelfen. Langeweile kann da wohl nicht so schnell aufkommen . . .