Nächste Woche beginnt die Saison im Freilichtmuseum – Jahresthema „Krieg und Frieden“
„Tante Helene“ zieht im Sommer um

Im Beurener Freilichtmuseum wird kräftig gewerkelt: Im Haus Bühler aus Gäufelden-Öschelbronn ist der Innenausbau in vollem Gang. Nebenan steht das neue Eingangsgebäude des Museumsdorfs. Auch dort gibt es noch viel zu tun, bevor der Neubau im Juli in Betrieb gehen soll.

Beuren. Am 1. April startet die 20. Museumssaison in Beuren. Darauf verwies Landrat Heinz Eininger in der gestrigen Pressekonferenz zum Saisonauftakt, bevor er auf die beiden wesentlichen Neuerungen einging. Zum einen präsentiere sich das Haus Bühler von außen bereits in seiner ganzen „Pracht und Herrlichkeit“ als ein wahrhaft „imposantes Gebäude“. Gleichwohl werde es „mit allen Innereien“ erst 2015 fertig sein. Zum anderen zeichnet sich auf dem Gelände ab, wie der Museumszugang ab Juli geregelt ist: mit einem reinen Funktionsgebäude, das mit seinem begrünten Flachdach in einem „bewussten Gegensatz“ zu den historischen Gebäude stehe.

Dass das Haus Bühler erst 2015 in Betrieb gehen kann, liege vor allem daran, dass sich die Arbeiten anders nicht finanzieren lassen, betonte der Landrat. Andererseits passt der Eröffnungstermin 2015 ganz gut ins Konzept, weil dann das kleine Jubiläum „20 Jahre Freilichtmuseum“ ansteht. Das Haus selbst soll ab 2015 ganz unterschiedlich genutzt werden. Da wäre einerseits die „normale“ museale Nutzung und andererseits ein Veranstaltungsraum mit Platz für etwa hundert Personen, der sich auch privat für Feste anmieten lässt. Weil das Gebäude beheizt werden kann, steht es das ganze Jahr über für Veranstaltungen zur Verfügung. Die Heizung erfolgt über Erdwärme und versorgt sowohl das Haus Bühler als auch das neue Eingangsgebäude.

Der Eingang, der ab Juli genutzt werden soll, bietet einen barrierefreien Zugang ins Freilichtmuseum. Hinzu kommt ein Museumsshop, wie es ihn in vielen Museen gibt und wie ihn die Besucher deshalb erwarten. Und noch ein Laden befindet sich in absehbarer Zeit im neuen Flachdachgebäude: das „Tante-Helene-Lädle“. Es zieht im Sommer um – von der Gärtringer Scheuer in den Neubau. Damit bieten sich auch unabhängig vom Museumsbesuch Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem gelten neue und wesentlich längere Öffnungszeiten für das Lädle: dienstags bis samstags von 12.30 bis 17.30 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17.30 Uhr.

Diese erweiterten Öffnungszeiten sind für Heinz Eininger ein Beleg für das bürgerschaftliche Engagement des Fördervereins Freilichtmuseum, der gestern Abend in Beuren sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat. Beim Pressegespräch dankte er dem Verein schon vorab für dessen „tätiges und finanzielles Engagement“. Zusätzlich zur ehrenamtlichen Arbeit im Museum und im „Tante-Helene-Lädle“ gebe der Förderverein einen Zuschuss von 75 000 Euro für den Neubau des Eingangsbereichs, und außerdem finanziere der Verein Sitzgelegenheiten auf dem Gelände: „Das kommt dem Museum zugute, vor allem aber den Besuchern.“

Zur Finanzierung machte Landrat Eininger gestern kritische Anmerkungen in Richtung Landesregierung: „Eigentlich sind die Freilichtmuseen im Auftrag des Landes entstanden. Damals gab es vom Land pro Jahr sechs bis sieben Millionen Mark an Zuschüssen für alle sieben Freilichtmuseen. Heute sind es nur noch 600 000 Euro.“ Dabei sei selbst das Beurener Museum als jüngstes der sieben „in die Jahre gekommen“. Neben dem Unterhaltungsaufwand für die Gebäude habe der Landkreis Esslingen Sanierungskosten zu tragen. „Da brauchen wir mehr Geld im Topf“, machte Eininger deutlich.

Außerdem seien noch einige Dächer mit blauen Planen abgedeckt. Das sind Folgen des Hagelschadens vom vergangenen Juli. Besonders heftig hatte das Unwetter das Fotoatelier Hofmann aus Kirchheim getroffen, das sich seither in einen Bretterverschlag hüllt. Die Sanierung kann aber noch nicht beginnen, weil es auch in diesem Fall noch Gesprächsbedarf gibt zur Verteilung der Kosten.

Als „Premiumpartner“ beim Sponsoring für das Freilichtmuseum bezeichnete Landrat Eininger die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Deren Vorstandsvorsitzender Franz Scholz sprach gestern davon, dass das Museum seine Attraktivität ständig weiterentwickle, so auch jetzt durch die beiden neuen Gebäude. Für den Landkreis Esslingen als Industriestandort sei die „Arbeit an unserem Kulturgut“ im Museumsdorf ein wichtiger Standortfaktor.

Die Kreissparkasse unterstütze das Freilichtmuseum mit jährlich etwa 140 000 Euro. Im laufenden Jahr gibt es noch eine zusätzliche Unterstützung: Die fusionierte Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen feiert 2014 ihr 40-jähriges Bestehen. Große Veranstaltungen seien aus diesem Anlass nicht geplant – „weder intern noch extern“ –, sagte Franz Scholz. Dafür werde aber jedem einzelnen der 1 600 Mitarbeiter eine Familienkarte für das Freilichtmuseum zur Verfügung gestellt, denn schließlich lebe das Museum davon, „dass viele Menschen kommen“.

Auch für Museumsleiterin Steffi Cornelius sind die Besucher „die wichtigsten Botschafter“ und Werbeträger. Deshalb habe das Freilichtmuseum außer dem Auftrag, historische Bausubstanz zu retten, zu erhalten und zugänglich zu machen, auch die Aufgabe, Veranstaltungen und Mitmachaktionen anzubieten. Dass die Angebote gut angenommen werden, belegt ein Blick auf den Terminkalender im Museumsdorf: Lange, bevor Steffi Cornelius am Dienstag, 1. April, um 14 Uhr ihre öffentliche Führung zum Saisonauftakt beginnt, rückt am Vormittag bereits die erste Schulklasse zur Mitmachaktion „Schwarzer Brei und Flädlessupp‘“ an.

Das Jahresthema im Beurener Freilichtmuseum für 2014 ist einem der berühmtesten Romantitel der Weltliteratur entlehnt: Leo Tolstois „Krieg und Frieden“. Dabei geht es aber ausgerechnet um Napoleons Kriege gegen Russland, die Tolstois Roman zum Hintergrund hat, überhaupt nicht. Wichtigster Auslöser für das Jahresthema ist natürlich der Erste Weltkrieg, dessen Ausbruch 2014 genau hundert Jahre zurückliegt.

Aber in der Vortrags- und Veranstaltungsreihe, für die Steffi Cornelius „namhafte Referenten“ gewinnen konnte, steht nicht ausschließlich der Erste Weltkrieg im Mittelpunkt: Thema des ersten Vortrags, der am Sonntag, 6. April, um 11 Uhr beginnt, ist zum Beispiel der „Arme Konrad“. Diese Aufstandsbewegung in Württemberg – ein Vorläufer des Bauernkriegs von 1524/25 – liegt 2014 genau 500 Jahre zurück. Weitere Themen in diesem Rahmen betreffen den Dreißigjährigen Krieg, die Verwüstungen in Württemberg durch General Mélac im Pfälzischen Erbfolgekrieg, das württembergische Soldatentum im hohenzollerischen Kaiserreich, Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg, aber auch den Zweiten Weltkrieg – mit einem Vortrag über den Vernichtungskrieg im Osten und einem Erzählnachmittag zum Kriegsende.

Außerdem geht es noch um Kriegerdenkmäler im Kreis Esslingen und um ein „Schwäbisches Kriegskochbuch“ aus dem Steckrübenwinter 1916/17. Das chronologische Ende der Reihe steht im Oktober schließlich ganz im Zeichen des Friedens, wenn es um Mutlangen und die Friedensbewegung der 1980er-Jahre in Baden-Württemberg geht.