Lenningen. Strahlend blicken Annegret und Markus Feller aus Oberlenningen auf ihre beiden goldigen und putzmunteren Töchterchen Sora und Mira. Die 41- und der 46-Jährige sind sehr stolze und glückliche
Eltern der am 14. Oktober zur Welt gekommenen Zwillinge. Doch das Paar hat schwere Wochen hinter sich, denn die Schwangerschaft verlief nicht problemlos: Nach einem Nabelschnurvorfall musste Annegret Feller in den letzten sieben Wochen bis zur Geburt liegen. „Ich durfte nur aufstehen, um auf die Toilette zu gehen“, erinnert sie sich. „Meine Muskeln haben in dieser Zeit stark abgebaut.“ Hinzu kam ein Notkaiserschnitt, der zu hohem Blutverlust der Mutter führte.
Annegret Feller ist auch jetzt noch sehr schwach. Zwar kann sie mittlerweile wieder alleine die Treppen in dem schönen neuen Haus der Fellers bewältigen. Doch einkaufen gehen, kochen, putzen, Wäsche waschen und sich um die Kinder kümmern – daran ist noch nicht zu denken. Da Markus Feller voll berufstätig ist und auch die Verwandten nicht von morgens bis abends einspringen können, benötigten die Eheleute dringend Hilfe. Und diese fanden sie in der katholischen Familienpflege im Dekanat Esslingen-Nürtingen.
Auf die Familienpflege aufmerksam wurden die Fellers durch ihre Hebamme. Der kirchliche und soziale Fachdienst mit Sitz in Nürtingen unterstützt im ganzen Kreis Esslingen Familien in Notsituationen – zum Beispiel auch bei Krankheit, Risikoschwangerschaften, bei der Pflege von Kindern mit Behinderung, bei einer Trennung der Eltern oder beim Verlust eines Elternteils. Die 28 Familienpflegerinnen besuchen die Familien und kümmern sich um den Haushalt und die Kinder.
Für die Familie Feller ist die 34 Jahre alte Margit Mistele aus Altdorf zuständig, die Ausbildungen zur Arzthelferin und zur Familienpflegerin absolviert hat. Sie hilft den Fellers montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr und übernimmt alle Aufgaben, die im Haushalt anfallen. Außerdem geht sie regelmäßig mit den Kleinen spazieren. „Wir machen fast alles – nur stillen können wir nicht“, sagt die fröhliche und aufgeschlossene junge Frau schmunzelnd.
Margit Mistele ist sehr gerne bei der Oberlenninger Familie im Einsatz. „Hier fühle ich mich ganz arg wohl.“ Und umgekehrt sind auch Annegret und Markus Feller überaus froh über die Hilfe der 34-Jährigen. „Zwar hatten wir anfangs schon etwas Bedenken, ob es harmoniert“, erzählt Annegret Feller. Doch schnell haben die Eheleute Vertrauen zu der Familienpflegerin aufgebaut – und sie sind sich absolut einig: Es ist eine tolle Sache, dass es die Familienpflege gibt.
Margit Mistele ist seit elf Jahren als Familienpflegerin tätig. „Zu Beginn eines jeden Einsatzes kläre ich zuerst ab, was für die Familie wichtig und nötig ist“, erzählt die 34-Jährige. Besprochen werde zum Beispiel, was sie beim Kochen und Einkaufen beachten soll, welche festen Gewohnheiten es in der Familie gibt und ob sie den Telefonhörer abnehmen darf. „Grundsätzlich gilt für uns Familienpflegerinnen Schweigepflicht“, erklärt Margit Mistele. Von dieser können sie aber entbunden werden – was zum Beispiel bei der Familie Feller der Fall war. Die Eheleute stören sich überhaupt nicht daran, dass die Familienpflegerin bei Nachfragen – beispielsweise von Nachbarn oder am Telefon – erklärt, wer sie ist und dass sie der Familie vorübergehend unter die Arme greift.
Doch nicht immer verläuft alles so unkompliziert und problemlos wie bei den Fellers in Oberlenningen. „Es gibt auch Familien, bei denen zum Beispiel seit einem halben Jahr nicht mehr geputzt wurde. Deshalb habe ich immer Mundschutz und Handschuhe im Auto“, erzählt Margit Mistele. Schwierig sei ihre Tätigkeit zum Teil auch, wenn ein Elternteil schwer erkrankt oder bereits verstorben ist. „Das ist schon manchmal eine Herausforderung. Aber man schafft das – man will die Familie nicht alleine lassen.“
Manche Familien benötigen die Hilfe der Familienpflege nur über einen Zeitraum von wenigen Tagen; in anderen Fällen wiederum muss ihre Unterstützung mehrere Monate lang in Anspruch genommen werden – je nach Bedürfnis und Situation der Familie sowie Alter der Kinder. Für die Eheleute Feller ist die Familienpflege mindestens noch bis Jahresende zur Stelle. Denn bis sich Annegret Feller erholt hat, werden noch einige Wochen vergehen. „Die Ärzte sagen, es dauert lange, bis die Muskeln wieder aufgebaut sind und meine Frau wieder richtig fit ist“, sagt Markus Feller.
Bei der Finanzierung ihrer Arbeit hat die Familienpflege im Fall der Oberlenninger Familie Glück: Bis jetzt hat die Krankenkasse der Fellers die Einsatzstunden übernommen. Wie es weitergeht, ist allerdings offen.
„In vielen Fällen müssen wir bei den Krankenkassen um jede Stunde kämpfen“, sagt Margit Mistele. Um ihren caritativen Auftrag erfüllen zu können, ist die Familienpflege deshalb dringend auf Spenden angewiesen. Helfen können auch die Leser des Teckboten – Spenden sind bei folgenden Banken willkommen:
