Kirchheim. Stets ist das Schwäbische Kammerorchester sicherer Garant für ein volles Haus. Auch bei seinem Auftritt im Rahmen der
Florian Stegmaier
Kirchheimer Musiktage „Tasta-Tour“ brachte das Ensemble die Schlosskapelle wieder an die Grenzen ihres Fassungsvermögens.
Das Erfolgsrezept darf wohl in der Verbindung von hochstehender orchestraler Klangkultur und einem künstlerisch durchdrungenen Sinn für eine gleichermaßen geschmackvolle wie auch spannende Repertoirewahl gesucht werden. Qualitäten, die auch beim aktuellen Tasta-Tour-Beitrag des Schwäbischen Kammerorchesters voll zum Tragen kamen.
Der Konzertauftakt war Claude Debussy gewidmet, dessen Geburtstag sich 2012 zum 150. Mal jährt. Seine „Deux Danses pour harpe chromatique“ entstanden 1904 als Auftragswerk der Firma Pleyel, die Bedarf für repräsentative Musik zur Vorstellung einer instrumententechnischen Innovation hatte. Insbesondere der zweite Satz, die „Danse profane“, verlangt ein gerüttelt Maß an Virtuosität. In der konzertanten Aufführung geriet diese jedoch nie zum Selbstzweck, floss vielmehr feinsinnig in das wunderbar wandlungsfähig ausgespielte Schillern und Wogen des Klangkolorits ein. Mit Eva Maria Bredl war hier eine renommierte Harfenistin zu hören, der gemeinsam mit dem Schwäbischen Kammerorchester eine beachtliche Interpretation beider Stücke gelang, in deren Verlauf den Hörern der nuancierte Reichtum impressionistischer Klangvaleurs eröffnet wurde.
Zu dieser sublimen, immer wieder an Eric Saties „Gymnopédies“ gemahnenden Welt stand der in Haydns „Abschiedssinfonie“ rigoros entfesselte „Sturm und Drang“ in reizvollem Kontrast. Unter dem Dirigat von Matthias Baur ging das glänzend disponierte Orchester die Ecksätze mit punktgenauer, druckvoller Emphase an und spannte mit langem Atem die synkopisch durchpulste Innenwelt des Adagios auf. Die namensgebende Anekdote setzten die Musiker performativ um. Sukzessive und partiturgemäß verabschiedete sich im finalen Adagio Pult um Pult. Auch der Dirigent nahm sich in diesem Abschiedsreigen nicht aus und überließ es zuletzt den beiden ersten Violinen, das Werk zu seinem ebenso leisen wie legendären Schluss zu führen.
Den Meistern der Wiener Klassik blieb man auch in der zweiten Konzerthälfte treu. Das klassische Ebenmaß von Mozarts Konzert für Flöte und Harfe in C-Dur, dessen austarierter Sinn für Proportion, sein ausgewogenes Spiel mit Affekten vor durchweg heiterer Grundierung kann allenfalls durch einen allzu forcierten Griff seitens der Interpreten zerstört werden. Umso verdienstvoller, dass sich die Solistinnen Beate Däschler und Eva Maria Bredl in ihrer wunderbaren Deutung von allen Manierismen fernhielten. In ihrem Spiel herrschte eine unprätentiöse, daher höchst kunstvolle Schlichtheit. An ihrer Seite wussten sie ein Orchester, das sich meisterlich mit akkuratem und transparentem Klangbild im konzertanten Dialog erging. Wohl nur so kann sich solch elegant gewandete Musik zu ihrer vollen Größe aufschwingen.
Ein beglückendes Konzerterlebnis, für das Solistinnen und Orchester von ihrem Publikum ausgiebig gefeiert wurden.
