Notzingen. Die Erwartungen waren hoch, die Gemeindehalle Notzingen war bis auf den letzten Platz besetzt. Nowelli und Musikverein hatten sich viel vorgenommen, inklusive Pause dauerte das gemeinsame Konzert mehr als drei Stunden. Gefühlt wirkte es jedoch erheblich kürzer, denn das Programm war abwechslungsreich und das musikalische Niveau durchweg hoch. Dahinter steckte ein ganzes Jahr Vorbereitung.
Am Anfang gehörte die Bühne dem Blasorchester alleine. Den Auftakt bildete ein Medley mit Songs von Eric Clapton. Dass „Heaven“, das zweite Stück, von der schweizerischen Hard-Rock-Band Gotthard stammt, hört man der sanften Ballade nicht an. Majestätisch und mit Anklängen an Filmmusik kam „Blue Hole“ daher, eine Komposition zu einem Tauchgebiet vor der Küste Mittelamerikas. Bei der „Ballad“ des belgischen Komponisten Ben Haemhouts griff Jörg Ruff trotz starker Handverletzung als Solist zum Flügelhorn und machte seine Sache sehr gut. Dann ging es nochmals thematisch abwärts, mit dem gekonnt präsentierten James-Bond-Titelsong „Skyfall“. Dirigent Rainer Pfister hat seine knapp 50 Musiker gut im Griff.
Der Vorhang schloss sich, auf der extra aufgebauten Treppenbühne davor nahmen die rund 40 Sänger von Nowelli Platz. Dazu kamen als Abordnung des Blasorchesters eine kleine Band und natürlich der unverzichtbare Gregor Wohak am Flügel. Sie wurden aber nicht ständig gebraucht, denn Nowelli kann auch a cappella singen. Dies stellte der junge Chor bei Leonhard Cohens „Hallelujah“ unter Beweis. Bei „Castle On A Cloud“ sangen die Frauen alleine, bei „Blue Skies“ folgte das runde Dutzend Herren.
Dann verhaute sich die pfiffige Dirigentin Carolin Strecker. Allerdings nicht musikalisch, sondern bei der Ansage, hatte sie doch glatt die beiden Titel des Quartetts QuaVoCo übersprungen. „Den Rest müssen Sie sich bitte merken“, bat sie das Publikum nach ihrer verfrühten Ansage von „Moon River“, „Somewhere Over The Rainbow“ und „California Dreaming“. Bei „Engel“ von der Band Rammstein wagte sich QuaVoCo ohne Scheu an herrlich schräge Harmonien, es folgte der unzerstörbare „Dreamer“ von Supertramp. Es ist ein Lied über einen Jungen, der vom besseren Leben träumt. Doch er versäumt, konkrete Schritte in Richtung dieses besseren Lebens zu tun, bleibt eben nur ein Träumer. „Traumhaft“ war nicht nur eine Überschrift für das Konzert, die zwei Dutzend Stücke hielten sich zumeist sehr eng an das Thema, die aufwändige Dekoration ebenfalls. Das Konzert war der Auftakt zum Jubiläumsjahr „150 Jahre Concordia Notzingen-Wellingen“. Für 2014 sind weitere Veranstaltungen geplant, das Schlusskonzert wird in einem Jahr das Quartett QuaVoCo bestreiten.
Der gemeinsame Auftritt von Chor und Blasorchester begann mit „O Happy Day“, dabei legte der Chor seine Notenblätter einmal zur Seite. Diesem Gospel hätte noch etwas Bewegung gut getan – soweit sie auf der engen Stellfläche überhaupt möglich war. Unter die Haut ging „When You Believe“ aus dem Musical „The Prince Of Egypt“. Es ist ein Lied über den Glauben, der Berge versetzt – und über die Hoffnung, die zwar zerbrechlich, aber schwer umzubringen ist.
Was wäre solch ein Konzert ohne „New York, New York“, gefolgt von einem weiteren Höhepunkt: Der Applaus für „Blue Moon“ galt der brillanten Solistin Stefanie Walz und einem Blasorchester, dass an keiner anderen Stelle des Konzerts so jazzig war.
Wie alle anderen Solisten des Abends ist Walz ein Chorgewächs. Die anderen Solisten kamen an ihre Qualität nicht heran, zeigten aber durchweg Potenzial. Sich nicht hinter eingekauften Solisten zu verstecken, sondern die eigenen Talente zu fördern und zu entwickeln, ist eine gute Idee des Chors Nowelli. Was aus ihm einmal werden kann, hätte sich so mancher Mensch und Sänger vorher nie träumen lassen – bis er es wagt und probiert.
Als Rosa Parks sich im Jahr 1955 in Montgomery weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen, hätte sie auch niemals geglaubt, dass 50 Jahre später Samuel R. Hazo zu ihren Ehren „Today Is The Gift“ komponieren wird. Und dass 2013 in Notzingen ein traumhaftes Konzert auch an den Mut dieser Bürgerrechtlerin erinnert.