Region. Ende Oktober haben auf der B 10 zwischen Uhingen und Eislingen Belagsarbeiten begonnen. Weil jeweils nur noch eine Spur frei war, bildeten sich schon am ersten Tag der Baustelle lange Staus in beiden Fahrtrichtungen. Zahlreiche Auto- und Lastwagenfahrer wichen deshalb in den darauffolgenden Tagen auf andere Strecken aus – vor allem auf die verkehrstechnisch ohnehin stark belastete Autobahn 8.
Wer im Feierabendverkehr oft auf der A 8 in Richtung München unterwegs ist, bekam die Folgen schnell zu spüren: Viele Verkehrsteilnehmer wollten die Autobahn an der Ausfahrt Aichelberg/Weilheim verlassen, was zu Rückstaus vor der Ausfahrt führte – sowohl auf dem Standstreifen als auch auf der rechten Fahrspur. Die bis zu fünf Kilometer langen Staus zogen sich teilweise zwei Stunden hin, sagte Michael König, Leiter der Autobahnpolizei Mühlhausen, auf Nachfrage des Teckboten. Auch vor den Autobahnausfahrten Kirchheim West und Ost hätte sich an manchen Abenden Fahrzeug an Fahrzeug gereiht.
Matthias Müller aus Weilheim gehört zu den Autofahrern, die täglich auf der A 8 unterwegs sind. Was er eines Abends an der Autobahnausfahrt Aichelberg erlebt hat, „ließ mir das Blut in den Adern gefrieren“, erzählt er. Wegen der verstopften Ausfahrt musste sich der Weilheimer der Autoschlange auf dem Standstreifen anschließen. „Das war kein gutes Gefühl, weil Lastwagen bei der Dunkelheit mit geringem Abstand und mit 80 Stundenkilometern an den wartenden Autos vorbeifuhren.“ Viel schlimmer sei aber gewesen, dass plötzlich mehrere Fahrzeuge auf der rechten Spur anhielten, um noch nachträglich in die Ausfahrt einzufädeln. „Ich denke, ich muss nicht erklären, was passiert, wenn ein Lkw auf einer stark befahrenen Autobahn plötzlich und ohne Ankündigung gezwungen ist, auf die Mittelspur auszuweichen“, weist Matthias Müller auf die Gefahren solcher Situationen hin.
Michael König von der Autobahnpolizei sieht das genauso. Deshalb habe die Polizei schnell gehandelt und neben den üblichen Blechschildern eine blinkende LED-Tafel anbringen lassen, um die Gefahrenlage zu verdeutlichen. Außerdem sei an der Ausfahrt Aichelberg/Weilheim eine provisorische Ampel installiert worden, damit der Autobahnverkehr schneller abfließen kann.
„Wir sind alle miteinander überrascht worden“, räumt Michael König ein, dass die Auswirkungen der Baustelle auf der B 10 so nicht absehbar gewesen seien. Mittlerweile habe sich die Lage aber entspannt. Das liege zum einen an den Maßnahmen der Polizei und zum anderen an den Verkehrsteilnehmern selbst. „Sie haben verstanden, dass es keine Alternative ist, über die A 8 zu fahren.“ Zum Glück habe sich kein größerer Unfall ereignet, ergänzt der Leiter der Autobahnpolizei. Diese registrierte lediglich einen Vorfall gleich am zweiten Tag der B 10-Baustelle: Weil ein Lkw-Fahrer den Stau vor der Autobahnausfahrt zu spät bemerkt hatte, fuhr er auf einen anderen Lastwagen auf. „Der auffahrende Lkw-Fahrer erlitt mittelschwere Verletzungen, und die Autobahn in Richtung München musste 45 Minuten lang voll gesperrt werden. Es lief relativ glimpflich ab“, sagt Michael König.
Dass manche Verkehrsteilnehmer – wie von einer Teckboten-Leserin berichtet – den Parkplatz „Vor dem Aichelberg“ genutzt hätten, um so den Stau etwas abzukürzen, hat die Autobahnpolizei nicht beobachtet. Ausschließen möchte Michael König dies aber nicht: „Es gibt immer Unvernünftige.“
Der Leiter der Autobahnpolizei hofft jedenfalls – wie viele andere auch –, dass die Bauarbeiten auf der B 10 möglichst bald abgeschlossen sind. Laut Nadine Hilber vom Regierungspräsidium Stuttgart soll es in der ersten Dezemberwoche so weit sein – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. „Momentan liegt alles im Plan. Nur wenn ein Wintereinbruch kommt, könnten wir Probleme bekommen.“