Owen. Wann immer Michael Klink alias „LinkMichel“ ein neues Programm vorstellt – und das macht er mit verlässlicher Regelmäßigkeit schon seit dem Jahr 2000 – vollzieht sich das immer nach demselben Muster. LinkMichel-Premieren sind
WOLF-DIETER TRUPPAT
stets vorab in Neuffen erfolgreich gefeierte Heimspiele, die dem auf der Bühne stehenden Solisten die Gewissheit geben, dass er sich als gefühlter Frauenversteher auch in die Fremde wagen kann.
Es muss ja nicht immer gleich die Herausforderung des kabarettistischen Bermudadreiecks Donnstetten, Feldstetten und Grabenstetten sein. Auch Owen ist für Lokalmatador LinkMichel immer wieder gut für einen vielversprechenden Start in eine neue Saison. Auch hier kann er sich auf eine treue Fangemeinde verlassen und wird daher regelmäßig vom Förderverein des TSV in den Herzog-Konrad-Saal geladen.
„Unter Frauen – Ein Insider berichtet“ lautet der Titel seines neuen Programms, in dem er einmal mehr sein Expertenwissen weiterreicht. Immerhin hat Michael Klink nicht nur eine Frau, sondern auch gleich noch drei Töchter. Er weiß also, wovon er redet, hat aber trotz seines „schweren Schicksals“ seinen Humor nicht verloren. Ganz im Gegenteil.
Den Selbsterfahrungstrips seiner Frau steht er eher skeptisch gegenüber. Um zu sich selbst zu finden, müsse man nicht achtwöchige Pilgerreisen durch Indien unternehmen. Wer sich selbst stets dabei hat, könne sich bequem auch in Lenningen finden . . . Wenn der Leiter eines Vhs-Selbstfindungskurses aber Heinz heißt, ist er vom Erfolg der Bemühungen direkt vor Ort nicht mehr ganz so fest überzeugt. Mit seinem Wissen um die Bedeutung des regelmäßigen Atmens kann der „Schamanen-Heinz“ vielleicht einen „Pullunder-Paul“ oder „Cordhosen-Karl“ überzeugen, nicht aber einen Insider wie LinkMichel, für den ganz klar ist, dass man dienstags nur schwer wieder richtig in Schwung kommen kann, wenn man montagabends schon bewusst aufgehört hat zu atmen.
Seine anfängliche Sorge im Umgang mit der „multiplen Null-Bock-Überfunktion“ hat sich etwas beruhigt, seit er hofft, dass seine Töchter nicht unter Hausaufgaben-Alzheimer leiden, sondern konsequent – wie auch schon er – ganz bewusst darauf verzichten, Hausaufgaben zu machen. Elternabende sind ihm verhasst, weil sie grundsätzlich durch sinnlose Fragen mitteilungswütiger Mütter in die Länge gezogen werden. Da zum Schluss ja eigentlich doch nur Freiwillige gesucht werden, die den Vorsitz übernehmen würden, kann er sein sich verschärfendes Leiden damit verkürzen, dass er seine zu Hause gebliebene Ehefrau vorschlägt, der dann auch begeistert das Vertrauen ausgesprochen wird.
Bei der Frage, ob Gott ein Mann oder eine Frau ist, bezieht LinkMichel ganz dezidiert Stellung und kann seinen Standpunkt auch überzeugend untermauern. Wer allein schon für die Auswahl passender Fliesen für das Badezimmer neun Monate braucht, kann schließlich niemals in sieben Tagen die Welt erschaffen haben.
Michael Klink ist und bleibt überzeugt, dass Frauen eine ganz andere Berufung haben – und die schlägt sich vor allem im „extreme decorating“ in der Weihnachtszeit nieder, in der ohnehin schon überdekorierte Räume so flächendeckend mit Engeln zugestellt werden, dass man sich tatsächlich fragen muss, ob man noch lebt oder schon im Himmel ist.
Wie weit genau der Himmel von der Erde entfernt ist, konnte der nie um eine pragmatische Problemlösung verlegene Kabarettist freilich genau definieren. Wenn man alle im heimischen Haushalt vorrätigen Teelichter aufeinander stellt, müsste man schließlich einigermaßen hinkommen.
Dass sich Frauen von einem Freund trennen, weil er nicht mehr mit den neuen Sofakissen harmoniert, ist für LinkMichel durchaus nachvollziehbar. Warum Flachbildschirme dagegen extrem frauenfeindlich sind, musste er dem Publikum seines ersten „Auswärtsspiels“ erst erklären. Die Teile sind schließlich so schmal, dass man beim besten Willen weder ein Deckchen noch ein Trockensträußchen und nicht einmal ein schönes leeres Döschen dekorativ darauf abstellen kann.
Der bekennende Nostalgieduscher, der gerne mit seinem Hund zusammen in die gemischte Sauna oder mit seinen Kumpels zum sonntäglichen „Bier-Brunchen“ geht, ärgert sich vor allem darüber, dass seine vier Frauen im Haus einfach nicht verstehen wollen, dass es einen klar nachweisbaren Zusammenhang zwischen üppig verbrauchtem Strom und der exorbitanten Stromrechnung gibt. Er ist daher auch überzeugt davon, dass die Sonne längst kollabiert wäre, wenn die in seinem Frauenhaus verbrauchte Energie allein von Solarzellen gespeist werden müsste.
Nach vielen Zugaben signalisierte Michael Klink seine Bereitschaft, sich von einigen der in seiner Garage gestapelten 30 000 DVDs zu trennen, in denen er seine fundierten frauenpsychologischen Erkenntnisse unter dem Titel „Wer Frauen versteht – lügt“ gnadenlos auf den Punkt bringt.
