Kirchheim. Verkehrsplaner Jochen Richard ermöglichte im Technischen Ausschuss einen ersten Blick auf die Inhalte der Fleißarbeit, die im nächsten Schritt in einem Workshop ihre Einsatzmöglichkeiten beweisen soll. Grob zusammengefasst geht es um die Verkehrssituation heute und in Zukunft in und um Kirchheim. Während derzeit eine reine Faktendarstellung vorliegt, erhofft man sich langfristig Antworten auf weitreichende Fragen wie zum Beispiel „Welche Effekte würde eine Nordwesttangente erzielen?“
Jochen Richard präsentierte ein „digitales Straßennetz von großer Detailtiefe“. Dazu analysierte er den Verkehr in der Stadt und ihren Teilorten ebenso wie im Umland und bildete die werktägliche Verkehrsbelastung ab, wobei auch Pkw und Lkw verglichen werden können.
38 000 Fahrten fallen täglich im sogenannten Binnenverkehr an, also nur im Bereich der Kernstadt und der Stadtteile. Über 62 000 Fahrten gehen über das Stadtgebiet hinaus, 20 Prozent davon in die weitere Region nach Stuttgart, Göppingen oder Tübingen. Richard leitete daraus ab, dass die Kernstadt das wesentliche Ziel aller Fahrten ist.
Was bisher stark unterschätzt wurde, ist der Durchfahrtsverkehr in Ötlingen, verriet der Planer vorab. Zumindest die Ötlinger selbst wird dies nicht allzu sehr überraschen. Auch aus Nachbargemeinden wird auf dem Weg zur Autobahn der Teilort durchquert. „In Ötlingen muss man sich mit dem regionalen Verkehr intensiv auseinandersetzen“, schilderte der Planer eine mögliche Konsequenz.
Dagegen konzentriert sich der Durchgangsverkehr sonst im Großen und Ganzen auf die Straßen, die auch dafür gedacht sind: Autobahn, Bundesstraßen und Umgehungsstraße. Auch die Lkw nutzen diese, wobei der Verkehrsfachmann betonte: „Ötlingen kriegt viel ab.“ In der Innenstadt dagegen präsentiere sich der Lkw-Verkehr ausgesprochen überschaubar. Die Paradiesstraße allerdings – auch das hatten Betroffene schon im Vorfeld gefühlt – ist deutlich von Fahrten aus dem südwestlichen in den nordöstlichen Bereich gekennzeichnet und andersrum. Hier wird sich die Frage aufdrängen, ob diese Verkehrsströme anders geleitet werden können, mutmaßte Richard. Die intensive Untersuchung der Stuttgarter Straße wiederum belegt, dass viele Leute aus dem Westen, also beispielsweise aus Ötlingen, die Parkhäuser der Innenstadt ansteuern. Die vermeintliche Hauptverkehrsachse hat also eine Art Sackbahnhof-Funktion.
Schwachstellen oder auch Stärken des Kirchheimer Verkehrsnetzes zu finden, wird mithilfe der Untersuchung nun leichter möglich sein. Im nächsten Schritt sollen Workshops unter Beteiligung einzelner Gemeinderäte gegründet werden. Szenarien der Verkehrsentwicklung können durchgespielt und Planfälle berechnet werden.
Im Ratsrund herrschte Zufriedenheit darüber, dass nun eine Arbeitsbasis für kommende Verkehrsentscheidungen vorliegt. Angeregt wurde, Informationsveranstaltungen und möglicherweise Workshops auch in den Teilorten anzubieten und generell die Bürger einzubinden.
