Kirchheim. Jahrelang standen Badegäste in Kirchheim an schönen Sommerabenden vor verschlossenen Freibadtoren, weil sie wieder einmal nicht drangedacht hatten, dass sie gerade ausgerechnet an einem Samstag- oder Sonntagabend baden wollten. Denn was von Montag bis Freitag problemlos möglich war, ging plötzlich nicht mehr: Baden nach 19.30 Uhr. Von Mai bis Juli endete die Badezeit bisher am Wochenende eine Stunde früher als unter der Woche, im August immerhin noch eine halbe Stunde früher, und nur im September gab es bis Saisonschluss keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Tagen.
Für drei verschiedene Zeitabschnitte der Freibadsaison mussten sich die Badegäste also jeweils zwei unterschiedliche Badezeiten merken, denn an den Wochenenden machte das Bad bisher früher auf als an den anderen Tagen. Mit diesen vielen verschiedenen Zeiten ist jetzt also Schluss. Künftig gelten von Mai bis August durchgängig einheitliche Zeiten: Von Montag bis Sonntag hat das Kirchheimer Freibad von 8.30 bis 20.30 Uhr geöffnet. Nur im September reduziert sich diese Zeit in den Abendstunden, weil es früher dunkel wird. Das Bad hat also im September die ganze Woche über von 8.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Eine einzige Ausnahme kommt noch hinzu: dienstags und donnerstags öffnet das Bad bereits um 7 Uhr seine Tore – ein Angebot für „Frühschwimmer“.
Bis es im Gemeinderat allerdings zu dieser Lösung kam, gab es heftige Diskussionen, denn die Verwaltung hatte eigentlich vorgeschlagen, morgens jeweils eine halbe Stunde früher zu beginnen und das Bad dafür von Mai bis August bereits um 20 Uhr für den öffentlichen Badebetrieb zu schließen. Gründe für diesen Vorschlag waren einerseits die Arbeitszeiten des Bäderpersonals und andererseits ein Entgegenkommen den Wasserballern gegenüber.
Dr. Silvia Oberhauser, die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, sprach das große Dilemma der Wasserballer an: „Sie sind durch die Schließung des Hallenbads am stärksten betroffen, weil das Dettinger Bad nicht den Standards für Wasserball entspricht. Deshalb gibt es jetzt im Winter nur noch Auswärtsspiele, und alle Heimspiele sind im Sommer. Es wird im Sommer also deutlich mehr Spiele geben als bisher.“ Um das Konfliktpotenzial zwischen Wasserballern und Badegästen zu reduzieren, plädierte sie für den Badeschluss um 20 Uhr.
Ulrich Kübler von den Freien Wählern hielt dagegen: „Die Vereine haben keinen Nachteil durch eine längere Öffnungszeit.“ Das Schwimmerbecken werde nur an Spieltagen um 20 Uhr für Badegäste gesperrt, wodurch Konflikte entstehen könnten, nicht aber an Trainingstagen. Für die Badegäste sei ein Badeschluss um 20 Uhr allerdings eine deutliche Verschlechterung gegenüber früher: „Wer erst um 19.15 Uhr zum Baden kommen kann, für den lohnt es sich nicht mehr, wenn er das Becken um 19.45 Uhr schon wieder räumen muss.“ Die Vorverlegung des Badebeginns unter der Woche von 9 auf 8 Uhr bringe morgens längst nicht so viel wie die abendliche Verlängerung bis 20.30 Uhr.
Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne) pflichtete an dieser Stelle bei und brachte noch einen weiteren Aspekt in die Debatte: „Der Abend ist viel wichtiger als der Morgen. Besonders wichtig für die Kundenfreundlichkeit ist aber das Wochenende.“
SPD-Stadtrat Andreas Kenner stellte fest, dass keine Entscheidung ohne Konflikt möglich sei: „Es wird uns nicht gelingen, es allen recht zu machen. Aber was für die Wasserballer gilt, gilt für alle anderen genauso, denen wir ebenfalls ein Hallenbad genommen haben.“
Einen wegweisenden Vorschlag machte schließlich Ralf Gerber (Freie Wähler): „Man kann doch gleich beim Dauerkartenverkauf ein Informationsblatt verteilen, mit allen Spieltagen der Wasserballer.“ Dann wisse jeder, wann das Schwimmerbecken nicht ganz bis zum Badeschluss zur Verfügung stehe. Katja Seybold (CIK) regte in diesem Zusammenhang an, durch Schilder am Eingang schon den ganzen Tag über auf bevorstehende Spiele am Abend hinzuweisen. Damit könne sich jeder Badegast frühzeitig auf die abendliche Beckensperrung einstellen.
Am Ende der Debatte herrschte dann große Einigkeit: Mit 32 Ja-Stimmen hat der Gemeinderat die neuen, einheitlichen Öffnungszeiten beschlossen, bei nur zwei Enthaltungen.
