Lenningen. Wenn die Vorsitzende des Lenninger Förderkreises „Schlössle“ Elisabeth Vogt-Messerli von der Zukunft ihres Vereins spricht, klingt sie schnell etwas fatalistisch: „Uns fehlt der Nachwuchs“.
Bei der derzeitigen Lage ist absehbar, dass sich der Förderkreis mittelfristig auflösen wird.“ Dass das bedauernswerte Aussichten sind, stand für die gut 50 Besucher am Freitagabend in Oberlenningen außer Frage. Die meisten sind regelmäßige Gäste der Schlössle-Veranstaltungen und wissen deren Stellenwert für das Kulturangebot im Tal zu schätzen.
So waren sie auch der Einladung zur Eröffnung der Regina-Weber-Ausstellung gefolgt. Für die Lenninger Künstlerin und ehemalige Studentin des Nürtinger Professors K.H. Türk ist es nach 2004 bereits die zweite Einzelschau in den historischen Räumen der Gemeindebücherei. Dort ist unter dem Titel „Verwandlung“ nun ein gutes Dutzend ihrer Werke zu sehen.
Für die 28-teilige Installation „Wegwarte“ stand ihr im Obergeschoss zudem ein weiterer Raum zur Verfügung. In allen ausgestellten Arbeiten – keine ist älter als zwei Jahre – setzt sich Weber mit dem Werkstoff Papier auseinander. Damit passt sie bestens ins Konzept der Schlössle-Organisation: Mit zwei temporären Ausstellungen pro Jahr ergänzen Gemeindebücherei und Förderkreis die ständige Sammlung im Museum für Papier- und Buchkunst.
Drei Serien konstituieren „Verwandlung“: Weiß gefärbte Papierschnur windet sich bei den fünf Arbeiten der Reihe „Stiller Raum“ durch gebrauchtes und gepresstes Packpapier. Bei den Werken mit Namen „Weißes Zeichen“ sorgt papierbespanntes Spaltholz auf einer Trägerplatte für Licht- und Oberflächeneffekte – sowohl in gerahmt-flächigen Reliefs, als auch plastisch, als Stele oder hängendes Objekt. Dabei findet sich in der Oberflächenstruktur vereinzelt das Flechtwerk, das schon den konzeptuellen Kern der etwas älteren dritten Reihe „teilweise verwoben“ ausmacht. Verschieden breite Packpapier- oder Etikettenstreifen sind hier gleichmäßig, aber eben nur teilweise, verwoben. Die Enden bleiben offen und reichen mitunter bis auf den Boden.
An „Werden und Vergehen“ fühlte sich Elisabeth Vogt-Messerli durch die Objekte erinnert. In ihrer Einführungsrede betonte sie zudem, jeder Betrachter solle sich neu und individuell auf die Arbeiten einlassen. „Jeder muss selbst versuchen herauszuspüren, was es ihm oder ihr zu sagen hat.“ Auch Regina Weber selbst spricht ungern über Deutungsansätze zu ihrer Kunst. Dennoch weist sie darauf hin, dass die 24 papierenen Kissen der Installation „Wegwarte“ die Stundeneinteilung eines Tages symbolisierten. Darüber stützen sich vier lange schmale Bänke auf dünnen Stelzbeinen – und verweisen doppelt auf den Werktitel: Als potenzielle Sitzgelegenheiten laden sie zum Verweilen, zum Warten ein. Zum anderen stellt ihre blassblaue Farbe einen Bezug zur Gemeinen Wegwarte, dem selten blühend anzutreffenden Cichorium intybus her.
Elisabeth Vogt-Messerli versprach, bei Betrachtung der Installation ließen sich mit Ruhe und Zeit die „leisen, verborgenen Zeichen der nicht messbaren Zeit aufspüren und wahrnehmen“. Dazu ist, wie in vielen von Webers Arbeiten, die Vereinigung von Gegensätzlichem und eine respektvolle Verneigung vor dem Material auszumachen. Unregelmäßige organische Formen, oft unbearbeitet in neue Kontexte gesetzte Holzstücke, stehen rasterhafter Geometrie bei der Kissenanordnung und den Webmustern, gegenüber. Mal sorgt das Weiß der Papierüberzüge für helle Klarheit und fassbare Formen, mal entlocken Struktur, Höhen, Tiefen und Kanten dem Weiß alle Schattierungsnuancen und lassen schroffe Landschaften entstehen.
„Bücher, die man nicht lesen, und Papier, das man nicht beschreiben kann“, verspricht das Lenninger Museum für Papier- und Buchkunst. Regina Webers Arbeiten reihen sich da – sieht man vom etwas austauschbaren Allerweltstitel „Verwandlung“ ab – bestens ein.
Am Sonntag, 30. März, ist die Künstlerin Regina Weber von 14 bis 17 Uhr im Schlössle anwesend.
