Lenninger Gemeinderat äußert sich kritisch zu Verlauf von Planung und Bauarbeiten
Verzögerung beim schnellen Internet

Ein Modellprojekt ist offensichtlich nicht umsonst ein solches: Es holpert und poltert – wie die Gemeinde Lenningen gerade mit der Umsetzung des kommunalen Glasfasernetzes erfahren muss. Der Winter steht vor der Tür, und die Erdarbeiten sind nicht abgeschlossen.

Iris Häfner

Lenningen. An diesem Eindruck kommt kein Außenstehender vorbei: Bei den Arbeiten für die Glasfaserversorgung für schnelles Internet in der mit sieben Ortsteilen gesegneten Gemeinde Lenningen lief das eine oder andere nicht rund. Der Realisierungstermin rückt immer weiter nach hinten und der Winter sitzt allen Beteiligten im Nacken. Die Arbeiten sind immer noch nicht abgeschlossen, obwohl die Submission im Sommer 2012 war, wie Stephan Bickmann, für die Planung der passiven Netzinfrastruktur beim beauftragten Ingenieurbüro Seim und Partner zuständig, dem Gremium bestätigte.

Welche Zweifel im Gemeinderat an einer guten Abwicklung der Aufgabe und der Glaubwürdigkeit bezüglich der Aussagen des Planungsbüros herrschen, zeigten die kritische Wortmeldungen. „Ich bin zutiefst enttäuscht“, wurde Falk Kazmaier ungewöhnlich deutlich. Ihn ärgert die Planung, aber auch die Bauaufsicht des Büros. Als Beispiel nannte er die bereits zweimalige Verstopfung der Fallleitung von Hochwang ins Tal. Darin wurde das Leerrohr für das Glasfaser verlegt und eben dieses daumendicke Rohr im Rohr ist die Ursache dafür. „Die Arbeiten wurden falsch ausgeführt. Es muss nachgebessert werden, denn die Führung wurde unglücklich gewählt“, erklärte Stephan Bickmann. Das dünne Rohr verläuft im Scheitel der Fallleitung und die Schelle, an dem es befestigt ist, steht in den Kanal rein. „Daran bauen sich Faserstoffe auf, es bildet sich ein Pfropfen und das Abwasser staut sich auf“, erklärt Tiefbauamtsleiter Karl-Heinz Griesinger auf Nachfrage. Dies wiederum führt zu Überflutungen der Wiesen im Tal mit einer unappetitlichen Brühe und die Klärwärter müssen in Aktion treten.

Kein Blatt vor den Mund nahm auch Georg Zwingmann: „Was macht Sie so sicher, dass Mitte Januar die Arbeiten abgeschlossen sind? Ich wünsche mir eine realistische Aussage, denn mir fehlt mittlerweile einfach der Glaube, wie gesichert Ihre Aussagen sind“, sagte er in Richtung des Planers. Der hatte zuvor schon jede Schuld für die Verzögerung von sich gewiesen und den Schwarzen Peter der Metzinger Baufirma Brodbeck in die Schuhe geschoben. Im Sommer habe die Firma drei Monate lang die Arbeiten in Lenningen eingestellt. „Im Mai wollten wir anfangen, hatten jedoch Meinungsverschiedenheiten mit der Firma“, so Stephan Bickmann.

Bernd Rüdele, Abteilungsleiter Tief- und Straßenbau bei der Firma Brodbeck, streitet diese Tatsache auf Nachfrage in keiner Weise ab, nennt jedoch Gründe, weshalb es dazu gekommen ist: „Die Planung des Ingenieurbüros Saim und Partner war so nicht umsetzbar.“ Obwohl seine Firma bereits im Sommer 2012 den Auftrag für Lenningen erhalten hat, sei die Ausführungsplanung etwa knapp ein Jahr später vorgelegen. Über die Sommermonate sind die Auftragsbücher der Firma Brodbeck jedoch voll mit Arbeiten für Autobahnen und Bundesstraßen – heuer unter anderem auf der B 313. „Von Mai/Juni bis August haben wir Hochsaison, da brauchen wir jede Hand und jeden Bagger“, so Bernd Rüdele. Sein weiterer Vorwurf: Das Planungsbüro habe sich im Vorfeld nicht die Mühe gemacht, sorgfältig zu eruieren, wo welche Kabel und Leitungen – beispielsweise Gas, Telekom oder Strom – unter den Straßen innerhalb der Ortschaften liegen.

Probleme bei Terminabsprachen mit dem Subunternehmer, der für das Micro Trenching verantwortlich ist, streitet Bernd Rüdele nicht ab. Bei diesem Verfahren werden schmale Schlitze ins Erdreich gefräst statt gegraben und über diese Technik verfügt die Firma Brodbeck nicht. Zudem wird das etwa 15 Zentimeter breite „Gräbele“ mit Flüssigboden wieder aufgefüllt, wenn das Glasfaserrohr an Ort und Stelle liegt. Ähnlich wie Beton – nur nicht so fest – härtet der flüssige Boden aus, der unterschiedlich zusammengesetzt werden kann. Doch auch dafür bedarf es wieder spezieller Firmen und Maschinen. „Dieses Verfahren hat seine Tücken, und es sind andernorts schon Schäden entstanden“, ist Bernd Rüdele von dieser Technik nicht überzeugt.

Für weitere Verzögerung sorgte auch das geplante Spühlbohrverfahren im Wasserschutzgebiet zwischen Oberlenningen und Gutenberg, das vom Wasserwirtschaftsamt abgelehnt wurde und jetzt in offener Bauweise realisiert werden muss. So hatte der Lenninger Gemeinderat nun über die Restarbeiten zur Verlegung von Leerrohren zu entscheiden. Hier ging es um knapp 130 000 Euro, was Karl Boßler nicht unkommentiert stehen lassen wollte: „Restarbeiten sind für ein paar Muffen – aber nicht solch eine Summe.“

In zwei Kolonnen will die Firma WEW Winkler Energie- und Wasser-Service GmbH aus Hartmannsdorf bei Chemnitz in rund sechs Wochen die Leerrohre in Brucken, Unter- und Oberlenningen und bei Schlattstall verlegen. „Die Fertigstellung sollte ernsthaft verfolgt werden“, mahnte Jürgen Rau an. Dass hier das Wetter eine entscheidende Rolle spielt, ist allen klar. Bürgermeister Michael Schlecht übernahm die Verantwortung für den Gang der Dinge. „Es war meine Entscheidung, weiter mit der Firma Brodbeck bis zum jetzigen Zeitpunkt zusammenzuarbeiten. Ein Rechtsstreit und eine noch größere Zeitverzögerung wären auch keine Lösung gewesen.“ Der Schultes will vor allem aber nach vorne blicken. „Jetzt gilt es, so schnell als möglich in den Probebetrieb gehen zu können. Wenn alles läuft, können wir das ganze Projekt auseinanderklamüsern und klären, wo es gehakt hat“, so Michael Schlecht.