Das Theater-Ensemble der Teck-Realschule brillierte mit einem Märchen, das sich spielerisch der gelebten Realität stellte
Vielleicht ein Märchen, vielleicht auch nicht

Kirchheim. Wenn der Applaus gefühlt „fast“ länger dauert als das gerade begeistert miterlebte kurzweilige Theaterstück, wurde zweifellos alles richtig gemacht und nicht


auch nur eine einzige Minute gelangweilt, sondern in einer gemeinsam getragenen, gelungenen Inszenierung kurz und gekonnt gut unterhalten.

Wenn nach der Aufführung nicht alle Akteure erleichtert auseinanderstürmen, sondern lieber noch lautstark und vielstimmig gemeinsam „Jingle Bells“ singen, ist auch das ein guter Gradmesser für die Begeisterung, die das Theaterensemble der Teck-Realschule zu einem optimal harmonierenden Team zusammenschweißte – und das ausgerechnet mit einem Stück, das das genaue Gegenteil thematisierte.

Im ehrgeizigen Kampf um die Nachfolge der verstorbenen Königinnen kämpft im Märchen „Phillyera“ jede der für diese Machtposition infrage kommenden Fürstinnen unerbittlich gegen jede andere. Zugleich bilden sie aber auch Seilschaften auf Zeit, da sie damit gemeinsam noch gemeiner – und damit deutlich erfolgreicher – gegen die andere Gruppe „anmobben“ können. Gemeinsam sind sie ganz besonders stark, bleiben aber doch egoistische Einzelkämpferinnen, die jederzeit gnadenlos versuchen, ihr jeweils eigenes ehrgeiziges Ziel zu erreichen.

Vom stets gut informierten Orakel wissen alle intriganten Fürstinnen gleichermaßen, dass die eigene Macht vor allem dann immer größer wird, wenn man mögliche Konkurrentinnen ohne Skrupel schwächt. Die dabei eingesetzten Mittel werden nun einmal nicht hinterfragt, wenn man genau weiß, dass die Angst der anderen ein klares Zeichen für die eigene Größe und Bedeutung ist.

Statt ein für die Weihnachtszeit passendes wohlgefälliges Märchenstück einzuüben, entschlossen sich die von der Theaterpädagogin und Schulsozialarbeiterin Katja Schuler angeleiteten und unterstützten Schülerinnen ganz klar für den steinigen Weg, ein eigenes Stück über das ihnen allen wichtige Thema „Mobbing“ gemeinsam erarbeiten zu wollen.

Vom eindrucksvollen Kampf macht­voll gegeneinander intrigierender Fürstinnen wendet sich diese Inszenierung geschickt immer mehr dem realen Alltag der schauspielernden Schülerinnen zu und wird damit zum höchst interessanten und – hoffentlich vielfältige Diskussionen auslösenden – Spiel im Spiel. Die – wie die konkurrierenden Fürstinnen im Stück – gemeinsam vor einer schwer zu meisternden Aufgabe stehenden Schauspielerinnen müssen sich schließlich auch zusammenfinden, um das Ziel einer gelungenen Inszenierung trotz möglicherweise unterschiedlichster Voraussetzungen gemeinsam zu erreichen. Da ist definitiv kein Platz für „Zickenkrieg“, Eifersüchteleien oder polarisierendes Stargehabe, da müssen sich vielmehr alle gemeinsam präsentieren, kooperieren, sich akzeptieren und gegenseitig achten.

Herausgekommen ist bei diesem mutig angepackten Drahtseilakt eine kaum für möglich zu haltende eindrucksvolle Ensemble-Leistung, die offensichtlich möglich ist – wenn die Rahmenbedingungen passen und die Chemie untereinander stimmt.

Anzunehmen war und ist, dass genau das zutrifft. Als Schulsozialarbeiterin und Theaterpädagogin brachte Katja Schuler offensichtlich genau das passende Rüstzeug mit, um die in unterschiedlichen Rollen erstaunliche Bühnenpräsenz liefernden Ensemblemitglieder Nadine Gaviano, Dina Gläser, Kadia Hamalega, Dina Hawrani, Sophia Kälberer, Isabella Michels, Sati Nur Tuncer, Isabell Schindler und Kathrin Stäbler optimal dafür zu motivieren, mit viel Vorarbeit, versuchten und wieder verworfenen Ideen ein schwer einschätzbares Publikum für ein Stück zu begeistern, das letztlich doch nicht nur überzeugend umgesetzt, sondern zuvor erst einmal gemeinsam erfunden werden musste.

Das Thema „Mobbing“ war sofort mehrheitsfähig, konnte letztlich aber leider keine männlichen Akteure motivieren, sich diesem ungemein spannenden gruppendynamischen Prozess anzuvertrauen. Vielleicht war das ja auch gut so. Die Ensembleleistung hätte jedenfalls überzeugender nicht sein können.

Mit dem, was man unter einer Schüleraufführung versteht, hatte das nichts mehr zu tun. Das war zweifellos großes Theater, und es bleibt zu hoffen, dass der verdiente Lohn der enormen Arbeit nicht bei einem gemeinsamen Essen einfach nur „verfuttert“, sondern stattdessen mit einem als Alternative angebotenen Besuch bei einem Improvisationstheater-Termin die Chance genutzt wird, um das schon erfolgreich entfachte Theater-Fieber weiter brennen zu lassen .  . .