Josef Bücheler stellt Objekte und eine Rauminstallation im Schlössle aus
Vielseitige Kunst mit Papier

Lenningen. Mit den Ausstellungen „Grafit auf mehreren Bütten & Objekte“ sowie einer Rauminstallation wurden im Lenninger Schlössle mit


seiner Gemeindebücherei und seinem Museum für Papier- und Buchkunst gleich zwei Ausstellungen eines Künstlers zum Thema Papier – Kunst mit Papier – Papierkunst eröffnet.

Mehr Verständnis für den künstlerischen Umgang mit dem Material Papier zu wecken und Künstlern ein Forum zu geben, ihre Werke, die sich mit dem Thema Buch und Papier auseinandersetzen zu zeigen und dabei auch die Grenzbereiche künstlerischen Schaffens und Experimentierens nicht auszusparen, hat sich das Lenninger Museum für Papier- und Buchkunst mit seinen Wechselausstellungen schon seit Längerem zum Ziel gesetzt.

Mit dem 1936 in Wiesbaden geborenen und seit 1965 in Rottweil-Hausen lebenden Künstler Josef Bücheler, konnte ein international bekannter Papierkünstler für das Haus gewonnen werden. Josef Bücheler zeigt auf beeindruckende Weise, wie spannungsgeladen Papier – Kunst mit Papier – sein kann. Der Werkstoff Papier ist nicht nur Träger von Zeichnungen, Druckgrafik oder Malerei, sondern mit Papier kann man formen und mit Papierstoff malen. Papier kann flüssig sein wie Farbe, grafisch wie eine Zeichnung, dreidimensional wie eine Skulptur, leicht wie Luft, beweglich und dennoch stabil jede beliebige Gestalt annehmen.

Waren die Anfänge des Schaffens Josef Büchelers noch geprägt von seinen Lehrjahren als Tapezierer, Polsterer und Glasmaler – Objekte aus Gummituch über Holz, schwarze oder weiße Polyesterskulpturen sowie Plastiken aus Textilien und Holz – findet er, beeinflusst durch einen Aufenthalt in Bangladesch, bei dem ihm seine bis dahin verwendeten Materialien nicht zur Verfügung standen, zu seinem heute bevorzugten Material, dem Papier: Weggeworfene Pa­pierschnipsel, bunte Zeitungen aus aller Welt, Plakate, die tägliche Zeitung, die er zerreißt, zerschneidet, überklebt, neu anordnet und weiterverarbeitet. Überschriften und Textzeilen werden aus ihrem Zusammenhang herausgenommen, die „täg­li­chen Wünsche der Menschen“ verlieren so ihre Bedeutung. Hinzu kommen einfache Naturmaterialien wie Weidenzweige oder instabile Seile, die er mit Erde, Grafit, Schlamm und Asche bearbeitet und kombiniert. Die Materialien beeinflussen sich dabei gegenseitig und erzeugen so eine räumliche Spannung. „Die Reduktion von Form und Material ist mir wichtig. Die Objekte erhalten durch das Zusammenspiel des Materials und deren Kräfte während des Arbeitsprozesses ihre Gestalt. Das Material wird mitbestimmend für die räumliche Form, für Inhalt und Aussage meiner Objekte. Materialität und Immaterialität bilden die Pole meiner Arbeit“, sagt Josef Bücheler.

Dabei versucht der Künstler, sich weitgehend auf das Wesentliche, das Elementare zu konzentrieren. Assoziationen werden ausgelöst. So erinnern seine archaischen Objekte an Flügel, Muscheln, an skizzenhafte Menschen, sie scheinen zu schweben und davonfliegen zu wollen.

In seinen Zeichnungen geht er jedoch in die dritte Dimension, legt mehrere Lagen Büttenpapier übereinander, bearbeitet diese, indem er sie zerschneidet, zerkratzt. Einzelne Schichten werden freigelegt, mit Grafit bearbeitet und gewinnen so an Räumlichkeit. Sie erinnern dabei schon fast an ein Relief oder eine Skulptur, sie scheinen den Betrachter anzuspringen oder aber tief in ihr Inneres ziehen zu wollen.

Josef Bücheler lässt sich bei seiner Arbeit jedoch nicht nur auf den Raum beschränken, er gewinnt sich den „Freiraum“ zurück, indem er auch Objekte mit lebenden Bäumen initiiert. Er befestigt farbige Papierflügel oder Papierglocken zwischen den Ästen und Zweigen und setzt sie der Witterung aus. „Sind meine Objekte im Raum Hinweise auf Vergängliches, so sind meine Objekte mit den Bäumen jetzt direkt der Vergänglichkeit ausgesetzt. Dabei bestimmt das Wachstum des Baumes die Gestalt und Form, das Wetter über Veränderung und Vollendung meiner Arbeit“, sagt Josef Bücheler.

Er sieht sich aber nicht nur als Künstler, sondern auch als Kunstvermittler. So initiierte und kuratierte er das „Marchtaler Fenster“, eine Wechselausstellung zeitgenössischer Kunst im Innenhof der ehemaligen Klosteranlage Obermarchtal oder das Skulpturenfeld „Kunstdünger“ in Rottweil-Hausen.

Heute sieht er seine zentralen Aufgaben darin, Wissen weiterzugeben und junge Künstler zu fördern. Er möchte auch Kindern, Schülern sowie Lehrern Papierkunst näherbringen, diese auch einmal aus den Klassenzimmern in die Museen locken um zu zeigen, wie spannend und vielfältig Kunst – Kunst mit Papier – sein kann, was ihm mit seinen sehenswerten Ausstellungen im Lenninger Schlössle hoffentlich gelingen möge.

 

Die Ausstellungen in der Gemeindebücherei Lenningen „Grafit auf mehreren Bütten & Objekte“ ist noch bis zum 6. April zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr.

Die Ausstellung im Museum für Papier- und Buchkunst „Rauminstallation“ ist bis zum 18. August zu sehen. Die Öffnungszeiten hier sind samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Führungen sind nach telefonischer Anmeldung unter 0 70 26/6 09 14 im Bürgermeisteramt Lenningen möglich. Am Samstag, 30. März, bleiben die Gemeindebücherei Lenningen sowie das Museum für Papier- und Buchkunst geschlossen.