Kreis Esslingen. Bislang gibt es noch keine gesetzliche Vorgabe für die vierte Reinigungsstufe. Das Gruppenklärwerk ist aber der Auffassung, dass es als kommunaler Zweckverband die Verpflichtung hat, die Gewässer nicht weiter zu belasten und die Qualität des Trinkwassers zu verbessern (wir berichteten).
Die Gemeinderäte der Mitgliedskommunen haben nun über den Bau der Reinigungsstufe zu entscheiden. Auch in Dettingen, Holzmaden und Weilheim stand das Thema auf der Tagesordnung. Rainer Hauff, Geschäftsführer des Gruppenklärwerks, gab in den Gremien zu bedenken, dass jeder Dritte regelmäßig mehr als fünf rezeptpflichtige Medikamente einnimmt. Spurenstoffe würden über den Urin ausgeschieden und über das Abwasser direkt in die Kläranlage transportiert. Hinzu kämen Industriechemikalien, die auch in vielen Alltagsgegenständen enthalten seien.
„Sind Sie davon überzeugt, dass das Verfahren wissenschaftlich sauber geprüft wurde? Oder sind wir noch in der Versuchsphase“, wollte der Dettinger Gemeinderat Dr. Werner Hack wissen. „Wir sind beileibe nicht die ersten, die eine solche vierte Reinigungsstufe einführen wollen“, betonte der Geschäftsführer. Zum Beispiel in einigen Bodenseegemeinden, in Hechingen und Albstadt werde das sogenannte Aktivkohle-Adsorptionsverfahren bereits angewandt. „Wir sind keine Versuchskaninchen“, verdeutlichte der Geschäftsführer.
„Früher oder später wird es eine gesetzliche Verpflichtung zu der vierten Reinigungsstufe geben“, prophezeite Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Aber dann erhalte man keinen 20-prozentigen Zuschuss mehr vom Land.
Doch freilich sei Umweltschutz nicht zum Nulltarif zu haben. Durch das Vorhaben, das voraussichtlich 7,7 Millionen Euro kosten und jährliche Betriebskosten in Höhe von rund 400 000 Euro verursachen soll, würden die Abwassergebühren steigen – in Dettingen um durchschnittlich elf Euro pro Einwohner im Jahr. „Das ist ein ordentlicher Sprung für den Verbraucher“, sagte Gemeinderat Andreas Hummel. „Aber ich sehe trotzdem die absolute Notwendigkeit, die Reinigungsstufe einzuführen.“ Die Dettinger Räte sprachen sich schließlich einstimmig für die verbesserte Reinigungsleistung aus.
Auch der Holzmadener Gemeinderat votierte für die Einführung der vierten Klärstufe – allerdings äußerst knapp und gegen den Verwaltungsvorschlag. Bürgermeister Jürgen Riehle hatte beantragt, die Einführung der neuen Reinigungsstufe abzulehnen. „Das ist eine Freiwilligkeitsleistung, die die Bürger viel Geld kostet“, argumentierte er. Aus seiner Sicht sei eine solche Maßnahme auch nur dann sinnvoll, wenn sie verpflichtend für alle sei. Bei fünf Pro-Stimmen, einer Enthaltung und vier Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat dann für die Einführung der vierten Klärstufe aus.
Das Weilheimer Ratsgremium folgte dagegen mit großer Mehrheit dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Bürgermeister Johannes Züfle hielt die Ausgaben für die vierte Klärstufe nicht für verhältnismäßig, zumal es sich noch um keine gesetzliche Verpflichtung handle. „Es ist auch nicht gesagt, dass es für das Projekt in den kommenden Jahren keinen Zuschuss mehr gibt“, so der Rathauschef. Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen schloss sich der Gemeinderat der Meinung Züfles an. Die Stadt Weilheim leitet in das Gruppenklärwerk Wendlingen lediglich das im Gewerbegebiet Au anfallende Abwasser ein. Das sind nur drei Prozent der Abwassermenge, die in der Limburgstadt anfällt.
Der Kirchheimer Gemeinderat befasst sich am Mittwoch nächster Woche mit dem Thema, das Ohmdener Ratsgremium bereits am kommenden Montag.alm/bil/ank