Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker stellt detaillierte verkehrsplanerische Erläuterungen in den Mittelpunkt
Volles Haus beim traditionellen Dämmerschoppen

Zum Dämmerschoppen als „Gradmesser des Interesses der Bürgerschaft am städtischen Geschehen“ hieß Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker die Gäste in der Stadthalle willkommen. Demzufolge ist der Grad des Interesses hoch: Bürger, Mandats- und Würdenträger und vielfältig engagierte Zeitgenossen erschienen zahlreich.

Kirchheim. Den Auftakt in der in freundlichem Orange dekorierten Stadthalle machte „ein fideler Hundertjähriger“: Der Trachtenverein überzeugte im Jubiläumsjahr nicht nur mit traditionsreichen Tänzen, sondern auch mit hoch motiviertem Nachwuchs. Nochmal 50 Jahre älter ist der Liederkranz Lindorf. Auch seine Mitglieder präsentierten sich dynamisch und schwungvoll. Größten Beifall erhielt der Song von den besonderen Fähigkeiten im Süden, zu denen das Talent zählt, das beste Bier zu brauen.

Die Oberbürgermeisterin blickte zunächst auf markante Ereignisse des Jahres 2011 zurück. Bundesweite Entwicklungen brach sie dabei auf kommunalen Rahmen hinunter. So etwa das Engagement des Integrationsausschusses, der seit zwei Jahrzehnten Erfolge bei der Integration von Menschen unterschiedlichster Kulturen in der Stadt feiern könne. – Zweifellos bedeutsam in einem Jahr, in dem das Unwesen und die Morde einer rechten Terrorzelle aufgedeckt wurden.

Der Ausblick ins Jahr 2012 umfasste große Projekte wie den Ausbau der Schulsozialarbeit oder die Neugestaltung der Ortsmitte Ötlingen und den Baubeginn der Gießnauhalle. Auch mit dem Steingau-Quartier soll es jetzt vorangehen. „Wir werden unsere hohen städtebaulichen Ansprüche weiter verfolgen“, versprach die Stadtchefin für das innenstadtnahe Areal, auf dem einst das EZA stand.

Im Mittelpunkt der Rede stand klar die Verkehrspolitik. Hintergrund ist die laufende Unterschriftensammlung von Stadtrat Albert Kahle, mit der ein Bürgerentscheid für einen Probelauf eines Einrichtungsverkehrs um den Alleenring durchgesetzt werden soll (siehe Artikel rechts). Manch einer fühlt sich durch ihn offenbar in gewisser Weise an Helmut Palmer erinnert, denn auf dem Parkett machte das Bonmot vom „Hafenkäs-Rebellen“ die Runde.

Angelika Matt-Heidecker stellte klar heraus, dass die Alleenstraße keine Ringfunktion habe, sondern als Verbindungsachse Durchgangsfunktionen erfülle. Ziel sei auch nicht, künftig Rundrennen zu veranstalten. weshalb es nicht darum gehe, die Fahrzeit zu verringern oder die Geschwindigkeit zu erhöhen: „Dies ist Denken der Verkehrsplanung der 70er-Jahre“, betonte die Stadtchefin Die derzeit gültige Planung strebe langfristig das Ziel einer ampelfreien Alleenstraße an.

Ein möglicher Einbahnverkehr erhöhe den Verkehr im Alleenring, da hier mitunter „Ehrenrunden“ nötig würden. Auch in der Paradiesstraße und den Wohngebieten fiele dadurch mehr Verkehr an: „Das kann nicht gewollt sein“, schlussfolgerte die Rednerin. Um den Krone-Kreisel zu begründen, führte sie detailliert die Buslinienführung aus. – Informationswert aber auch Unterhaltungsfaktor der Darstellung erreichten streckenweise das Niveau von Sitzungen des Technischen Ausschusses.

Im anschließenden geselligen Teil wurde über viele Aspekte bei bewährter Bewirtung durch den AKB trefflich diskutiert. Ausnahmslos erfreut waren alle über die Neuigkeiten, die die Stadtchefin abschließend von den kommunalen Finanzen zu verkünden hatte: Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von lediglich 173 Euro im Kernhaushalt hat Kirchheim einen Spitzenrang unter den Großen Kreisstädten inne.