Bernd Kohlhepp alias „Hämmerle“ überzeugte in der Stadthalle mit Höhepunkten aus 25 Jahren Kabarett
Vom Erlkönig bis zur „Päcklessupp‘ mit Flädle“

Kirchheim. Die Warnung erfolgte zum frühestmöglichen Zeitpunkt und kam doch für manche zu spät. Bernd Kohlhepp, der in der ausverkauften Kirchheimer Stadthalle mit einem „Best of . . .“ sein 25-jähriges


Bühnenjubiläum feierte, freut sich bei aller Irritation bis heute darüber, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich ohne Not und wider besseres Wissen ausgerechnet bei ihm in die erste Reihe setzen . . .

Die Besucher auf den „hinteren Rängen“ konnten den Abend deutlich entspannter genießen als etwa Denis und Jasmin, die der auch begnadet tanzende und beckenkreisende Elvis-the Pelvis-Parodist immer intensiver in eine möglichst noch am gleichen Abend zu vollziehende Heirat hineinreden wollte.

Der vor allem als „König von Bempflingen“ bekannte Kabarettist präsentierte sich in seinem Programm „Best of Hämmerle – das Beste aus 25 Jahren“ in Höchstform und ließ sich auch von den, vor allem in der ersten Halbzeit nervenden Störgeräuschen seines Mikrofons, nicht aus dem Konzept bringen

Auf der Landkarte seines Körpers hatte er zu Beginn zunächst gezeigt, wo Bempflingen überhaupt liegt und die genaue Position mit dem erhellenden Hinweis präzisiert, dass es etwa in Bauchnabelhöhe und damit knapp oberhalb von „Freudenstadt“ liegt.

Im Anschluss gewährte Hämmerle erste ernsthafte Einblicke in sein von Trennkost bestimmtes eher eisiges Eheleben. Während seine Frau ihre Mahlzeiten gemeinhin im Wohnzimmer einnimmt, isst er lieber zeitgleich in der Küche. Der dadurch erahnbar erreichte Grad der Entfremdung ist ihm aber noch immer nicht groß genug, denn ihre Omnipräsenz bleibt auch bei geschlossenen Türen noch gewahrt.

Die Beziehung zu seinem Nachbarn „Hambacher“ ist nicht viel besser, denn seit Hämmerle einst 300 Euro Strafe zahlen musste, weil er ihn mit einem schwäbischen Kraftausdruck beleidigt hatte, wiederholt er die „angebliche Beleidigung“ nicht mehr, stellt aber sicher, „dass der immer genau weiß, was ich grad denk“.

Um ihn wieder milde zu stimmen, hatte er als Wiedergutmachung nachts um drei Uhr vor seinem offenen Fenster einen Elvis–Song intoniert. Nach diesem harmoniegesteuerten Versuch einer Entschuldigung wurde er mit Blumen überschüttet, die allerdings noch im Topf steckten.

Hämmerle liebt Blumen über alles. Er verschickt sie daher immer wieder gerne mit anonymen Liebesgrüßen an verheiratete Frauen, aber nur dann, wenn er ganz sicher weiß, dass ihre Ehemänner auch zu Hause sind. Auf diese Weise hat er schon „manche eingeschlafene Ehe wieder richtig auf Trab gebracht“.

Wie man sich bei einer unfreiwilligen Trennung fühlt, hat er bei seiner wortwörtlich letzten Kreuzfahrt erfahren. Bei der Seemannstaufe war Hämmerle versehentlich statt in den Pool in den Atlantik gesprungen und hatte sofort erkannt, dass er bei einem solchen Missgeschick im Bodensee deutlich besser aufgehoben gewesen wäre. Andrerseits genoss er es auch etwas, endlich einmal in einem Becken zu schwimmen, in dem keine Rentnerinnen seine Bahnen kreuzen.

Da er immerhin noch acht Tage Urlaub und die Kreuzfahrt schon vorab voll bezahlt hat, schwimmt der wackere Schwabe entschlossen weiter. Dass er sich eigentlich hatte verbrennen lassen wollte, steckt er mit einem „Schwamm drüber“ sportlich weg. Da sein Hobby „Computer“ lautet und er „als Ausgleich keinen Sport“ betreibt, erweist sich die gleichförmige Bewegung als „eigentlich ganz gut für seinen schmerzenden Rücken“.

Bei seinem ersten Flug hatte Hämmerle dagegen echte Todesängste ausgestanden, bis ihm die herbeigerufene „Schwester“ mit dem Tomatensaft-Wägelchen versicherte, dass er sich keine Sorgen machen müsse, weil ja „nur der letzte Flug richtig reinhaut“. Seither versucht er immer, möglichst rasch an Duty-Free-Artikel zu kommen um sie – aus Angst vor einer möglichen Havarie – erst nach der sicheren Landung zu bezahlen.

Ausgesprochen wohl und sicher fühlt sich Hämmerle dagegen am Steuer seines Autos. Als sparsamer Schwabe ist er nicht bereit, an jedem Kreisverkehr erst noch lange Umwege in Kauf zu nehmen. Statt lange rechts um die Verkehrsinsel zu kurven, biegt er lieber gleich direkt links ab. Der dadurch einmal ausgelösten Einladung zum Alkoholtest leistete er gerne Folge, verbat sich in seinem schon etwas angeschlagenen Zustand aber ausdrücklich noch „weitere harte Sachen“.

Als begeisterter Autofahrer, der im Alltagsleben immer den Anordnungen seiner Frau folgen muss, weiß der „König von Bempflingen“ längst die Vorteile eines Navigationssystems zu schätzen. Wann immer er alleine nach Köln fahren muss, gibt er Konstanz ein und freut sich königlich auf den vergnüglichen Gedankenaustausch mit seiner ihm devot ergebenen Routenplanerin.

Dass es bei allen Unterschieden auch eine Gemeinsamkeit zwischen ihm und seiner Frau gibt, teilte er seinem Publikum ebenfalls mit. Während sie die ganze Woche über mit ihren Freundinnen leidenschaftlich gerne shoppen geht, freut er sich immer schon auf den sonntäglichen Schoppen mit seinen Kumpels . . .

Stolz auf „die schwäbischen Dichter aus unserer Region“ erweist der vielseitige Sänger, Tänzer und Kabarettist auch „Wolfgang Amadeus Goethe“ noch mit einer Neudichtung seines „Erlkönigs“ Referenz und geht voll geladen mit viel Leergut noch „sehr spät in den Keller geschwind“.

Bernd Kohlhepp, der unter anderem auch Empirische Kulturwissenschaften studierte und als Autor der legendären „Sendung mit der Maus“ große Erfolge feierte, war früher schon gemeinsam mit seinem Kabarett-Kollegen Klaus Birk bis nach Mittelasien auf Gastspielreise gewesen. Da sie dort mit ihrem stark dialektal eingefärbten schwäbischen Humor aber doch bald an Grenzen stießen, freut sich Hämmerle ganz besonders, dass die Deutschen im Blick auf ihren Reichtum an schwäbischen Dichtern etwa den Chinesen ganz klar überlegen sind. Er ist daher immer froh, wenn um ihn herum lauter Schwaben sind, denn er weiß überhaupt nicht, wer das denn sonst machen solle. Als Sohn einer Niederländerin und eines Badeners weiß Bernd Kohlhepp schließlich ganz genau, dass nicht jeder das Zeug dazu hat, Schwabe zu sein.

Wie gut sich der Titel „Sexbomb“ von „Tiger“ Tom Jones mit „Drecksglomb“ in schwäbisches Idiom übertragen lässt, konnte Hämmerle aber überzeugend beweisen und einen Buddy Holly-Hit gleich hinterherschicken. Bei ihm stand dann aber nicht „Peggy Sue“ im Brennpunkt unstillbarer Sehnsüchte, sondern die an kulinarischer Extravaganz kaum zu überbietende „Päcklessupp‘ mit Flädle“.

Am viel zu schnell erreichten Ende eines Feuerwerks schon oft erfolgreich gezündeter Gags ließ Hämmerle Bernd Kohlhepp sich nicht lange darum bitten, ein paar Zugaben zu geben. Voraussetzung war freilich, dass ihn Franziska aus der ersten Reihe auf der Bühne erst noch mit einem publikumswirksamen lautstarken Kuss auf die Wange dazu „überredete“, sich dem Diktat des begeisterten Applauses zu beugen und noch etwas in die Verlängerung zu gehen.