Kirchheim. Mit dem Slogan, mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino wurde einst erfolgreich für den Besuch von Lichtspieltheatern geworben. Dass diese Idee noch immer zieht, belegte die inzwischen
schon vierte Auflage der Matinee-Reihe des Filmclub Teck (fct). Im Foyer des Central-Kinos in der Dreiköningstraße stapelten sich die Regenschirme und im gemütlichen Kinosaal blieb kein einziger Klapp-Sitz frei.
Präsentiert wurde am Sonntag ein interessantes, abwechslungsreiches und vor allem auch sehr kontrastreiches Programm, das der stellvertretende Clubleiter, Lutz Schulze, aus Arbeiten der Autoren des fct zusammengestellt hatte. Sein eigener Beitrag war sehr knapp gehalten. Dass er dabei die Reize Rios wohl nicht allein an der Architektur der Stadt festmachen wird, verriet schon der Titel seiner von Bilder- und Musikschnipseln lebenden Inszenierung. Dass sich der Autor nur drei Minuten Zeit nahm, die für ihn „schönste Stadt der Welt“ vorzustellen, erstaunte schon im Vorfeld. Ob die im Titel in alliterarischem Gleichklang avisierten Themen „Kirche, Körper, Karneval“ letztlich in der gleichen Tiefenschärfe und Interessensschwere ausgeleuchtet wurden, musste das Publikum für sich entscheiden.
Warm ums Herz konnte einem schon beim Einstiegsfilm werden, der sich mit Akribie in Details vertiefte und zeigte, wie sich allmählich mechanische Teilchen an Teilchen fügen und die vorgestellte Weihnachtskrippe sich wieder im Kreise dreht. „Das krieg‘ ich schon hin“, hatte Karl-Heinz Kosmalla seinen Kampf um die irreparabel scheinende Pyramide betitelt.
Der Film-Autor und der persönlich anwesende 85-jährige Hauptdarsteller erhielten für diese Tüftel-Arbeit viel Applaus. Rechtzeitig zum Fest kann die Weihnachtspyramide auch ohne Samba-Klänge am wieder eingenommen Standort das erwünschte feierliche Gepräge garantieren.
„Das krieg‘ ich schon hin“ hätte auch als Titel für die fünf kurzweilige Minuten lang in munteren Bilden und ironischen Kommentaren von Barbara und Hartmut Ibsch vorgestellten Menschen stehen können. Der rätselhafte Titel des humorvollen Streifens „AIPMYLO“ gibt das Ziel der ehrgeizig-verbissenen Vorbereitungen schon vor. Wer sich eines Tages auf dem Olymp sportlicher Erfolge wiederfinden will, muss zuvor eisern trainieren und unermüdlich seine Bahnen ziehen. Nur wer es schafft, rückwärts zu schwimmen und zu wenden oder gar aus eigener Kraft aus den Fluten des Dettinger Hallenbades heraus rückwärts auf den Startblock zu schnellen, hat es verdient, auf einem Siegerpodest zu stehen.
Ebenfalls im und auf dem Wasser spielten die von Gunter Barner in einer vierminütigen Fotosession festgehaltenen Momentaufnamen von der Bisssinger „Sai-Putzete“, deren dialektalen Titel der Hochsprachler Lutz Schulze partout nicht aussprechen wollte. Die Bilder rund um den „Sai“ ließen ebenfalls olympisches Gedankengut durchblicken. Es geht auch bei Arbeitseinsätzen nicht immer nur um den Sieg, sondern ums Dabeisein, vor allem wenn es keine „Medaillen“, aber dafür eine Pizza gibt.
„Hoher Aufwand für acht Stunden“ wurde anschließend von Peter Markotschi gewissenhaft filmisch dokumentiert, um mit eindrucksvoller Informationsdichte um Ausmaße, Kosten und hohe Risiken eines gigantomanisch anmutenden Unternehmens kritisch zu hinterfragen. Mit großem Aufwand wurde eine an Babel erinnernde Rampe gen Himmel errichtet und mit frisch in der Schweiz eingesammelten Gletscherschnee überpudert.
Den Teilnehmern eines Ski-Stunt-Events sollte so immerhin eine solide Grundlage für ihre Höhenflüge garantiert werden. Die vielen durchbohrten Bretter wurden nicht wiederverwendet. Für ein neuzeitliches Arche-Noah-Projekt wären sie sowieso ungeeignet gewesen.
„Was steckt dahinter?“fragte Josef Pettinger sich und sein fasziniertes Publikum. Das vielschichtige Bild, dass er dabei von der Arbeit einer von Profis und Laien zusammen gewagten operettenhaften Großproduktion zeichnete, überzeugte vor allem auch durch die vermittelten musikalisch-tänzerischen Intimitäten aus dem Backstagebereich.
Dass irgendwann einmal die Christel von der Post im Rampenlicht der Bühne dem Vogelhändler entgegentreten und singend über geringen Lohn und leichte Kost klagen würde, überraschte nicht, aber der in Bild und Text elegant vermittelte und erkennbar große Freude bereitende Aufwand im Hintergrund.
Die zwölf Minuten „Unterwegs mit der Sauschwänzle-Bahn“ von Karl-Heinz Kosmalla zeigten, dass auch Filmclub-Autoren nicht immer nur an Juroren denken, sondern auch einmal privat sein dürfen. In vertrauter Runde kann man dann schon einmal erst den Namen des Busfahrers nennen, Rotkäppchensekt trinken und sich auch noch für ein Gruppenbild arrangieren. Der gezeigte Weg ist das Ziel und der sorgte für Wiedersehensfreude.
Doris Limmer erzählte in ihren 14 Minuten über „Die Burgruine am gläsernen Wald“ deutlich mehr als Lutz Schulze über den Karnevall in Rio, er hatte aber klarere Prioritäten gesetzt. Seine wiederkehrenden Bildmotive wurden einem harten Stakkato ausgesetzt, während sich die Augen des Publikums im Bayerischen Wald an der Ruhe und Schönheit des Gläsernen Waldes weiden konnten.
Rolf Horst machte es sich mit „Einfach nur Mohn“ tatsächlich leicht, denn er tauchte lediglich wunderbare, sich spielerisch abwechselnde und ineinander übergeblendete und für sich sprechende Foto-Aufnahmen mit schöner Musik. Natürliche Ästhetik kann tatsächlich ganz einfach und doch überwältigend daherkommen.
Sehr schwer machten es sich dagegen Barbara und Hartmut Ibsch mit dem gewählten Thema ihres zweiten Beitrags, mit dem sie nicht so nassforsch einstiegen wie bei den Wassersportlern. Sie beobachten vielmehr Menschen, die alt und krank sind, sie bilden sie ab und vermitteln in sehr persönlichen Aufnahmen eindrücklich, dass Klangschalen-Therapie kein „esoterischer Hokuspokus“ ist, sondern erkennbar Menschen erreichen und für Gefühle und Emotionen öffnen kann. Mit stillen aber bewegenden Bildern wurde vermittelt, „da tut sich was auf.“
Der Schnitt zurück in die Realität fiel da nicht leicht, denn am Kinoausgang wurden die Besucher schon vor laufender Kamera von einer Spendenkasse erwartet. Kinobetreiber und Filmclub-Mitglieder warben für sich und für die Teckbotenaktion. Die Kamera war natürlich eine Attrappe, die Kasse allerdings echt . . .
